Traditionen und Religionen in Mönchengladbach Die Fastenzeit ist für Christen vorbei – der Ramadan noch nicht

Mönchengladbach · Unser Gastautor Peter Josef Dickers befasst sich mit der Fastenzeit in unterschiedlichen Religionen. Und er zeigt auf, dass die Zahl 40 dabei eine besondere Rolle spielt.

 "7 Wochen Ohne" ist die bundesweite jaehrliche Fastenaktion der evangelischen Kirchen zwischen Aschermittwoch und Ostern. Für die muslimischen Mitbürger endet der Fastenmonat Ramadan am 21. April.

"7 Wochen Ohne" ist die bundesweite jaehrliche Fastenaktion der evangelischen Kirchen zwischen Aschermittwoch und Ostern. Für die muslimischen Mitbürger endet der Fastenmonat Ramadan am 21. April.

Foto: epd/Andrea Enderlein

Am Aschermittwoch ist nicht alles vorbei. Für Christen begann damit eine 40-tägige Fastenzeit. Gut 120.000 katholische und 40.000 evangelische Kirchenmitglieder sind in Mönchengladbach registriert. Nach der Reformation entwickelten sich unterschiedliche Buß- und Fastentage für evangelische und katholische Christen. Der Fasten-Aufruf passte sich den Lebensbedürfnissen der Menschen an. Herausgehoben wurden ein freiwilliger Verzicht und die Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen für das Wesentliche im Leben eines Menschen.

Die evangelische Kirche startete eine Fastenaktion unter dem Motto „Leuchten. Sieben Wochen ohne Verzagtheit“. Anlass zur Sorge und Verzagtheit gäbe es reichlich, sagte der hannoversche Landesbischof. Nicht alles könnte man hinter sich lassen, aber „Hoffnung in die schwache Glut blasen.“ Ein ökumenisches Bündnis evangelischer Landes- und Freikirchen, neun katholischer Bistümer und den Hilfswerken „Brot für die Welt“ und „Misereor“ rief dazu auf, den eigenen Alltag zu hinterfragen und ihn neu auszurichten. Die Aktion „Misereor“ stellte zusätzlich Frauen aus Madagaskar in den Mittelpunkt ihres Aufrufs. Sie bräuchten als „Motoren sozialer und ökologischer Veränderungen“ unsere Unterstützung.

Vom 23. März bis zum 21. April feiern Muslime den Fastenmonat Ramadan, der sich am Mondkalender orientiert. Ungefähr 20.000 Muslime leben in Mönchengladbach. Der Islamische Kulturverein „Masjid Arrahman“ Mönchengladbach, wünschte allen Muslimen einen gesegneten Ramadan. Oberbürgermeister Felix Heinrichs und Hanife Yilderim, Vorsitzende des Integrationsrates, begrüßten etwa 60 Gäste zum ersten gemeinsamen Iftar-Essen, dem traditionellen Fastenbrechen nach Sonnenuntergang, im Haus Erholung. „Für mich ist der Ramadan der Monat, in dem ich wieder zu mir selbst finde, meine Disziplin wiederfinde und auch wieder zu Gott finde.“ Die Aussage eines jungen Moslems beeindruckte mich.

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Das sind die besten Rezepte für den Ramadan

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Foto: Graefe und Unzer Verlag/Julia Hoersch

Die Zahl 40 hat symbolische Bedeutung. So ergoss sich der Regen der Sintflut 40 Tage und Nächte über die Erde. Die Israeliten zogen nach ihrem Auszug aus Ägypten 40 Jahre durch die Wüste und durchlebten Zeiten der Läuterung.

Mose war Gott auf dem Berg Sinai 40 Tage nahe. Jesus zog sich 40 Tage in die Wüste zurück, um sich auf seine Sendung vorzubereiten. Die 40 findet sich auch in der „Quarantäne“, ableitet vom französischen „quarante – 40“. Im Mittelalter verhängte man 40-tägige Isolationszeiten zur Vermeidung von Pestepidemien.

Es gab im Mittelalter fast 200 jährliche Fasttage. Man war jedoch erfinderisch, um allzu strengen Vorschriften zu entgehen, und förderte zum Beispiel die Fischzucht. Am Mönchengladbacher Abteiberg schlängelte sich der Gladbach vorbei. Fische aus dem Bach landeten auf den Tellern der Benediktinermönche der Abtei. Fische durften sie auch in der Fastenzeit verzehren.

„Mensch, denk daran, dass du endlich bist. Deine Lebensjahre sind beschränkt. Denk über deine Lebensgewohnheiten nach. Was ist dir wichtig? Wofür lebst du? Prüfe Abhängigkeiten und Zwänge, die dich belasten.“ Ob es sich lohnt, sich auf solche Fastenanregungen einzulassen?

Unser Gastautor hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Er war früher Priester.