Mönchengladbach: Ordnungsdienst erlebt viel Elend

Immer mehr Einsätze: Mönchengladbachs Ordnungsdienst erlebt viel Elend

Die Stadt Mönchengladbach hat ihren Ordnungsdienst auf 16 Mitarbeiter aufgestockt - aus gutem Grund: Es gibt immer mehr Einsätze, auch in zugemüllten Wohnungen.

Es gibt Tage, da muss sich Christian Jeurihsen im Dienst zweimal umziehen. "Dann hatten wir wieder Einsätze in Wohnungen, die voller Flöhe waren, oder in denen wir knöcheltief durch Tierexkremente wateten", sagt der Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungs- und Servicedienstes (KOS). Wer ihm und seinen Kollegen beim Erfahrungsaustausch zum Schichtwechsel von mumifizierten Tieren in Wohnungen, toten Hunden in der Tiefkühltruhe und 20 Katzen auf 30 Quadratmetern berichten hört, den wundert es nicht, dass Desinfektionsmittel zur KOS-Ausrüstung gehören. "Man sieht in unserem Job schon viel Elend", sagt Christian Jeurihsen. Und auch seine Kollegin, Stefanie Jost, die erst ein knappes halbes Jahr dabei ist, hat schon die Erfahrung gemacht: "Es gibt immer mehr Messie-Wohnungen, und wir werden immer häufiger gerufen, weil Tiere bei einem Umzug einfach in der leeren Wohnung zurückgelassen werden."

Die Stadt hat den KOS zum 1. Juli personell aufgestockt - von zwölf auf 16 Mitarbeiter. Und das hat einen guten Grund. Denn die Zahl der Einsätze wächst. "Wir sind ja nicht nur dazu da, um Kippenschnipper zu verwarnen", sagt Stefanie Jost.

Die KOS-Kräfte betreuen 80 Rechtsgebiete. Sie rücken bei Lärmbelästigungen aus, begleiten Schulverweigerer zum Unterricht, achten darauf, dass der Leinenzwang für Hunde eingehalten wird, führen Sensibilisierungsgespräche mit Randgruppen und werden bei Zwangseinweisungen hinzugerufen. Auch letzteres ist ein Einsatzgebiet, in dem die Fallzahlen steigen. "Zwei- bis dreimal passiert das in der Woche, und jetzt vor Weihnachten kommt es besonders oft vor", sagt Jeurihsen.

Leicht ist der Job nicht. Denn genauso wie Polizisten und Rettungskräfte spüren auch die KOS-Mitarbeiter, dass Gewalt- und Aggressionspotenzial zugenommen haben. Beleidigungen und Beschimpfungen gehören fast schon zur Tagesordnung. Aber die Ordnungskräfte erfahren auch Dankbarkeit. "Es ist schön, wenn Leute unsere Hilfe annehmen und man sieht, dass sich wirklich etwas grundlegend ändert in ihrem Leben", sagt KOS-Mitarbeiterin Sabrina Meyer. Manchmal bedürfte es einfach nur eines Anstoßes. Stefanie Jost hat sich gefreut, als sich ein älteres Ehepaar von Herzen bei ihr und ihrem Kollegen für das vermittelte Sicherheitsgefühl auf dem Weihnachtsmarkt in Rheydt bedankte. Rundgänge über die Weihnachtsmärkte gehören im Moment zu den Schwerpunkten der Ordnungskräfte.

  • Mönchengladbach : Deutlich mehr Polizei auf den Weihnachtsmärkten

Auf den Fahrten von Gladbach nach Rheydt werden auch regelmäßig die neuralgischen Punkte angefahren: die Citykirche, der Hans-Jonas-Park, der Tellmann-Platz und der Marienplatz. "Auch wenn wir einmal nicht anhalten und aussteigen, wird alles von uns genau festgehalten: Wie viele Menschen halten sich dort auf? Wird dort Alkohol getrunken? Das wird alles protokolliert", sagt KOS-Mitarbeiter Maximilian Kirsch.

Er und seine Kollegen wissen, wo sich die schwierige Klientel aufhält. Man kennt die "Pappenheimer". "Es gibt Menschen, da brauchen wir gar nicht mehr die Personalien aufzunehmen. Die wissen wir schon", sagt Jeurihsen. Dazu zählen auch notorische Schulschwänzer. Manche seien erst elf Jahre alt.

Beim KOS gehen täglich viele Hinweise ein. Bei heiklen Sachen treten die Mitarbeiter, die nachts immer mit Schutzwesten unterwegs sind, auch schon mal mit Polizeiunterstützung an. So geschehen in einem Fall von Prostitution, bei dem Frauen aus Bulgarien und Polen für Liebesdienste angeboten wurden. Der Treffpunkt im Stadtgebiet war über das Internet veröffentlicht worden. Und der KOS hatte einen anonymen Hinweis bekommen. Wie sich bei der Kontrolle herausstellte, wussten viele der Frauen gar nicht, wohin sie gekarrt worden waren und auch nicht aus welchem Grund.

Oft erleben die KOS-Mitarbeiter Unerwartetes: Eine Ruhestörung entpuppt sich als häusliche Gewalt, einmal sogar als Selbstmordversuch. Maximilian Kirsch kam in eine Wohnung, die auf einem Tisch viele Drogen lagen, und sah einen Mann aus dem offenen Küchenfenster springen. Er sprintete zur Fensterbank und schnappte den Fallenden aus der Luft, bevor er aus dem dritten Obergeschoss auf den Asphalt geprallt wäre.

(gap)