Mönchengladbach: Oldtimer-Fahrräder bis unter das Dach

Radserie in Mönchengladbach : Oldtimer bis unters Dach

50 alte Fahrräder hat Jürgen Frommhold gekauft, aufgearbeitet, mit Originalteilen versehen und in seinem Haus untergebracht. Nur das Wohnzimmer ist für seine Schätze tabu. Darauf besteht seine Frau Yvonne.

Das Wohnzimmer ist Fahrrad-freie Zone. „Meine Frau besteht darauf“, sagt Jürgen Frommhold. Also hat er seine Schätze über das Treppenhaus nach oben geschleppt – in die erste Etage und bis unter´s Dach. Insgesamt 50 Oldimer-Räder sind auf diesem mühsamen Weg an den Ort ihrer Bestimmung gelangt. Sie hängen an den Wänden, unter der Decke, sie stehen aufgereiht nebeneinander, eins schöner als das andere. Es blinkt und blitzt. Jürgen Frommhold restauriert die Räder, die er bei sich aufnimmt. Da bleibt nichts dem Zufall überlassen. Er selbst nennt sich „fahrradverseucht“.

In einem der ehemaligen Kinderzimmer in dem hübschen Wohnhaus, das Jürgen und Yvonne Frommhold seit dem Auszug der drei Kinder nur noch zu zweit bewohnen, hängt ein grünes Fahrrad der Firma Miele an der Wand. „Das ist mein Lieblingsstück“, sagt der Sammler. Warum? „Es ist 1953 gebaut worden – in dem Jahr wurde ich geboren.“ Vor drei Jahren hat er es sich selbst zum Geburtstag geschenkt.

Im gleichen Raum steht ein japanisches Kinder-Fahrrad aus den 1970er Jahren. Vergleichsweise neu also. Aber besonders: „Das Rad ist total aufwändig gemacht, der Sattel ist extrem schön, die Bremsanlage außergewöhnlich, und die Schutzbleche sind ganz fein ziseliert.“ Einziger Nachteil: „Für ein Kind ist dieses Fahrzeug viel zu schwer.“

Unter dem Spitzdach ist eine Art Fahrrad-Museum entstanden. Links und rechts stehen die Fährräder dicht an dicht: Kunsträder, ein Dreirad, Kinderroller und die gesammelten Fahrradschätze. Ein Peugeot-Rennrad hat einen besonderen Platz, es hängt so, dass es von allen Seiten bewundert werden kann. „Die Aufarbeitung hat mich viel Mühe gekostet, und ich musste wegen diverser Einzelteile umfangreich recherchieren“, sagt Jürgen Frommhold. Aber er hat es letztlich geschafft, das Stück wieder zu vervollständigen. „Den Sattel habe ich mir aus Frankreich schicken lassen, die Trinkflasche stammt aus Belgien, der Original-Aufkleber aus Australien.“

Jürgen Frommhold hat schon immer gern alte Möbel aufgearbeitet. Und so kam er irgendwann – vor etwa 30 Jahren – auf die Idee, auch alte Fahrräder zu restaurieren. „Mein erstes Fahrrad stammte aus den 1940er oder 1950er Jahren, ich habe es fertig gemacht und bin damit zur Lürriper Kirmes geradelt – im schwarzen Anzug und mit Zylinder.“ In diesem Aufzug erregte er nicht wenig Aufmerksamkeit.

Dann kam das Lastenfahrrad. „Das war mein zweites Oldtimer-Rad.“ Irgendwann verkaufte er es an einen Bekannten. „Immer, wenn ich ihn auf dem Fahrrad sah, habe ich mich geärgert, dass ich es weggegeben habe.“ Und eines Tages brachte der Bekannte es wieder zurück zu ihm. Heute steht es als außergewöhnliche Dekoration im Vorgarten des Hauses. Es signalisiert: Hier wohnt jemand, der Fahrräder liebt.

In der Garage stehen die Fahrräder, die der Sammler und seine Frau tatsächlich fahren. Oldtimer selbstverständlich. Und im Keller hat Jürgen Frommhold seine Werkstatt. Auf Regalen sind Schuhkartons gestapelt. „Ich lasse keine Unordnung entstehen, ich muss mit einem Griff das finden, was ich gerade brauche.“ Deshalb hat er Karton für Karton beschriftet. Auf einer alten Werkbank arbeitet er.

Jürgen Frommhold fährt kaum noch mit dem Auto. „Das macht mir überhaupt keinen Spaß mehr.“ Selbst längere Touren macht er mit dem Rad. So ist er mit einem NSU-Rad von 1935 zum Bodensee gefahren. Für einen guten Zweck. Während der Fahrt hat er Spenden für den Verein Zornröschen gesammelt. „Ich war zwölf Tage unterwegs, am Ende hatte ich 1500 Euro gesammelt.“

Bei den Oldtimer-Treffen im und am Hangar des Gladbacher Flughafens ist Jürgen Frommhold regelmäßig anzutreffen. Stammt die Idee doch ursprünglich von ihm. „Ich habe die Freunde von Oldtimer-Fahrrädern vor Jahren in das Terminal eingeladen. Dann wurde der Hangar gebaut. und ich lernte Thorsten Neumann kennen.“ Gemeinsam haben sie die Sache vergrößert. Inzwischen kommen Fans von alten Autos, alten Flugzeugen und alten Zweirädern regelmäßig im Hangar zusammen. „Wer alte Fahrzeuge mag, kann gar nicht anderes, er muss dabei sein“, sagt Jürgen Frommhold.

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