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Mönchengladbach: OB-Kandidat Boris Wolkowski bei Aktion "Raus mit Klaus"

OB-Kandidat für Mönchengladbach : Grüne besuchen bedrohte Bäume

Zum ersten Bürgerspaziergang lud Boris Wolkowski, Oberbürgermeister-Kandidat der Grünen, an die Hehner Landwehr ein. Der Ausflug ins Grüne wurde ein Termin zum Schwarzsehen: Viele Bäume sind ohne Überlebenschance.

Auch Bäume können Sonnenbrand bekommen. Einer Rotbuche an der Hehner Landwehr sieht man die Folgen selbst als Laie deutlich an, weil die Borke abgeplatzt ist. Andere Bäume wie eine Wildkirsche tragen noch viel Grün, sind aber trotzdem dem Tod geweiht. „Im Rahmen unserer Spaziergänge wollen wir die Schäden am städtischen Baumbestand aufzeigen und dabei Wege erörtern, wie durch neue Umweltkonzepte und Verkehrsplanungen die Bäume besser geschützt werden können“, begründet OB-Kandidat Boris Wolkowski die jetzt gestartete Aktion. Die Info-Reihe trägt, leicht irritierend, den munteren Titel „Grün vor Ort – raus mit Klaus“.

 Klaus, das ist Klaus Barthels, ein Ingenieur für Landschaftspflege, der unter anderem 30 Jahre lang für den Baumbestand der Stadt Köln verantwortlich war. Er gehört ebenfalls Gladbachs Grünen an. Rund eine Stunde lang führt der Experte eine – Corona-bedingt kleine – Gruppe durch die Landwehr. Seiner Schätzung nach sind allein auf einem 1,5 Kilometer langen Streifen 250 Bäume so geschwächt und anfällig für Schädlinge, dass sie demnächst absterben oder bereits tot sind. „Wir erleben jetzt das dritte Jahr der Dürreperiode durch den Klimawandel“, erläutert Barthels. „Vor allem mehr als hundert Jahre alte Bäume sind damit überfordert. Flüge für 19,90 Euro nach Mallorca rächen sich damit ganz konkret hier vor Ort.“

 Zum Winter hin würden die Schäden augenfälliger und wohl in großem Stil die Sägen anrücken müssen, um eine Gefährdung der Fußgänger und Radfahrer durch umstürzende Stämme auszuschließen, fürchten die Grünen. „Wer schon einmal für den heimischen Garten einen Baum gekauft hat, der weiß auch um den hohen finanziellen Schaden, der unserer Stadt durch dieses Massensterben entsteht“, weist Wolkowski auf die wirtschaftliche Seite des Klimawandels hin. Bei der mindestens 600 Jahre alten Hehner Landwehr, die als Grenzbefestigung und natürliche Einzäunung für das Weidevieh entstanden ist, handelt es sich nicht um einen bewirtschafteten Forst. Hier hat die Natur das Sagen – mit etwas Phantasie wandert man durch einen kleinen Urwald. Barthels weist auf einen Hoffnungsschimmer hin: „Junge Bäume müssen hier nicht extra gepflanzt werden, sondern setzen sich durch die Samen der alten selbst. Sie sind vermutlich erheblich widerstandsfähiger gegen die Trockenheit.“ Dennoch würden sich in wenigen Jahren alle Gladbacher Landwehren optisch massiv hin zu niedrigem Buschwerk verändern.

 Die städtische Umwelt befinde sich allgemein in keinem guten Zustand, stellt Wolkowski fest. „Mit unserer Informationsreihe wollen wir herausfinden, wie wir unsere Stadt angesichts des Klimawandels lebensfreundlicher und gesundheitsfördernder gestalten können.“ Er will die Aktion nicht als Kritik an der Mags verstanden wissen, die für die rund eine Million Bäume auf Stadtgebiet verantwortlich ist. „Das sind doch gewissermaßen Berufs-Grüne“, lobt Barthels. Aber vielleicht sei mehr Flexibilität möglich, wenn es zum Beispiel um großflächige Fällungen gehe, meint Wolkowski. Der Ratspolitiker denkt auch an besser organisierte Baumpatenschaften, die mit städtischen Zuschüssen gefördert werden.

 Das passt ganz zu Wolkowskis Stil, der als Oberbürgermeister die Bürger mehr einbeziehen und „in alle Richtungen moderieren“ will. Das regierende Ratsbündnis übergehe manche guten Ideen. „Es ist Zeit für Veränderung.“ Auch Mönchengladbach könne ein Vorreiter für den aktiven Klimaschutz werden. Dazu gehört seiner Ansicht nach eine „Verkehrswende“ hin zu autofreien Zentren in Gladbach und Rheydt.

Dem thematischen Wahlkampfauftakt der ganz anderen Art am Rennbahnweg in Hehn folgen weitere Veranstaltungen. Der nächste Bürgerspaziergang am Sonntag, 28. Juni, wird dem Thema Stadtbäume gewidmet, von denen es in Mönchengladbach laut Barthels rund 60.000 Exemplare gibt. Weitere Termine sollen noch festgelegt werden.