Mönchengladbach: Nur noch eine Baumreihe auf der Hindenburgstraße

Neue Gestaltung der Einkaufsstraße: Nur noch eine Baumreihe auf Hindenburgstraße

Weniger Barrieren und weniger Bäume, moderne Möblierung und freie Sichtachsen, ein Radstreifen – das sind die Pläne für die Gladbacher Innenstadt.

Die Stadt soll nach und nach ordentlicher werden. Und damit ist nicht nur der Müll gemeint. Sichtachsen und Aufenthaltsqualität stehen bei den verantwortlichen Stadtplanern im Rathaus im Zentrum. Neu geordnet sind bereits der Sonnenhausplatz und der Rheydter Marktplatz, der Alte Markt soll folgen. Und auch die Hindenburgstraße wird neu gestaltet. Dies wird möglich, weil ein Teil des Busverkehrs, nämlich der bergab zwischen Altem Markt und Bismarckstraße, in die parallel verlaufende Steinmetzstraße verlegt wurde. Das soll laut Ratsbeschluss dauerhaft so bleiben.

Weniger Verkehr bedeutet mehr Gestaltungsspielraum. Auf Gladbachs Haupteinkaufsstraße soll es deshalb nach der Umgestaltung nur noch eine Fahrspur geben. Der Rest des Straßenraums wird neu gestaltet. Der Bezirksvertretung Nord wurden als erstem Gremium die Eckpunkte vorgestellt. Bisher ist es nur eine „Leitidee“, detaillierte Planungen und Kostenangaben sollen erst folgen. Fest steht: Das „Wirrwarr der Straße soll beseitigt werden“, wie Stadtplaner Rafael Urbanczyk in der Sitzung betonte. Dazu zählten Bodenbeläge, Hochbeete und die darin gepflanzten Bäume. Durch klarere Strukturen wolle man die Aufenthaltsqualität erhöhen.

Fahrbahn Die befahrbare Fläche soll um zwei Meter auf dann 5,50 Meter verkleinert werden. Die sollen sich die bergauf fahrenden Busse, der Lieferverkehr und der Radverkehr teilen.

Bäume Aktuell stehen auf beiden Seiten der Hindenburgstraße Baumreihen, gepflanzt in rechteckigen Beeten. Sie sollen entfallen, auf der südlichen Hälfte der Straße komplett. Auf der nördlichen Hälfte mit Ausrichtung nach Süden und mehr Sonne sollen neue, größere Bäume gepflanzt werden. Laut Urbanczyk werden Boulevard-Eichen bevorzugt. Die Baumkronen seien weniger dicht, heißt es in der Vorlage, das erlaube „das Freihalten von Blickbeziehungen“ (Sichtachsen). Die entfernten Bäume könnten gegebenfalls an anderer Stelle in der Stadt wieder eingepflanzt werden.

Der Querschnitt der Hindenburgstraße nach der Umgestaltung: Bäume nur noch auf einer Seite, in der Mitte nur eine Fahrspur. Foto: Stadt MG

Multifunktionaler Nutzstreifen Durch all das entsteht auf der Nordseite eine fünf Meter breite Zone, die mit besagten Bäumen, neuer Möblierung, Wasserelementen, Fahrradständern, gastronomischen Bereichen, Haltestellen und Ladezonen gestaltet werden soll.

Möblierung Aufgestellt werden sollen Möbel aus Stein und Holz wie sie vom Rheydter Marktplatz oder der Düsseldorfer Innenstadt bekannt sind. Ebenfalls aus seiner Zeit im Rathaus der Landeshauptstadt mitgebracht hat Stadtplanungsdezernent Gregor Bonin die Idee „Enzis“ aufzustellen. Das sind ungewöhnliche Sitzmöbel in geometrisch-kantigem Format und knalligen Farben. Entwickelt wurden sie für das Wiener Museumsviertel.

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Wassertreppe Ein breiter, flacher Wasserlauf sollte der Hingucker auf der Hindenburgstraße werden, ist jetzt aber vom Tisch. Zu unwirtschaftlich, so die Erkenntnis.  Stattdessen sind Wassertische aus Stein oder wegbegleitende Wasserspiele für Kinder vorgesehen.

Barrierefreiheit Die heute bereits bestehenden Gehbereiche entlang der Häuserfassaden sollen, um die Kosten im Rahmen zu halten, in ihrer Breite und Beschaffenheit überwiegend beibehalten werden, jedoch durch das Beseitigen der Hochbeete, nicht mehr benötigter Haltestellen und ungeordnetem Mobiliar nach Angaben der Stadt klarer und barrierefrei werden.

Ehemalige Stadtmauer Der Verlauf der einstigen Anlage im Bereich der Krichelstraße soll durch Wassertische, oder in den Boden eingelassene Becken mit kleinen Fontänen nachgezeichnet werden.

Bauabschnitte Die Umsetzung soll in drei Schritten erfolgen. Zuerst soll der Bereich zwischen Sonnenhausplatz und Alter Markt umgestaltet werden. Es ist der Straßenabschnitt mit der steilsten Steigung und dem höchsten Erneuerungsbedarf: Dort sind die meisten Leerstände zu verzeichnen. Mittelfristig, also in drei bis fünf Jahren soll der Bereich vom Sonnenhaus- zum Europaplatz umgestaltet werden. Langfristig ist die Umgestaltung auf dem Alten Markt bis zur Aachener Straße angedacht.

Umfeld Auf Anregung der BV Nord werden – sofern am Dienstag der Planungsausschuss zustimmt – mehrere Punkte umgesetzt. So sollen alle Haltestellen der aus der Hindenburgstraße ausgelagerten Buslinien barrierefrei und mit Unterständen ausgestattet werden. Die in der Testphase provisorisch eingerichtete Haltestelle Marienhof wird in Richtung Kapuzinerplatz/Marktstieg verlegt. Es wird geprüft, ob auf der Steinmetzstraße bergab zwischen Minto und Hauptbahnhof eine weitere Haltestelle eingerichtet werden kann.

Außerdem ist auf der Steinmetzstraße in Richtung Hauptbahnhof ein Radstreifen auf der Fahrbahn geplant – vom Autoverkehr mit durchgezogener Linie (nicht gestrichelt) getrennt; diese darf von Autos nicht überfahren werden und steht ausschließlich Radfahrern zur Verfügung. Zwei Möglichkeiten stehen zur Auswahl: Bei der ersten wird der Autoverkehr weiterhin auf zwei Fahrbahnen bergab geführt, der Radstreifen hätte eine Breite von 1,85 Metern. Die zweite sieht eine Fahrspur für Autos, eine separate Busspur (drei Meter breit) und einen Radstreifen (1,85 Meter) vor.

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