Mönchengladbach: Neun Tempozonen auf vier Kilometern

Schilderirrsinn in Mönchengladbach: Neun Tempozonen auf vier Kilometern

Wer von Rheindahlen nach Rheydt fährt - oder umgekehrt -, muss höllisch aufpassen. Derzeit gibt es an sieben Stellen unterschiedliche Geschwindigkeitsbegrenzungen, an weiteren Stellen auf der Strecke sollen noch zwei Tempo 30-Schilder folgen.

Die Fahrt beginnt auf der Umgehungsstraße L 370 auf der Höhe Mennrather- und Max-Reger-Straße. Hier darf der Autofahrer auf die Tube drücken, Tempo 70 ist erlaubt. Ab Ortsausgang Rheindahlen wird reduziert: Tempo 50. Also runter mit der Geschwindigkeit. Aber schon bald darf es wieder losgehen. In Höhe des letzten Hauses auf der linken Seite ist wieder Tempo 70 erlaubt ... bis der Ortseingang von Günhoven erreicht ist. Tempo drosseln, ab hier ist selbstverständlich nur 50 erlaubt. Von der Feuerwehr bis zu Grabeskirche wird allerdings demnächst auf Tempo 30 reduziert, weil sich in diesem Bereich die Grundschule und der Kindergarten befinden. Ab der Günhovener Straße gilt dann wieder regulär Tempo 50. Kurz vor der Brücke, die über die Bahnlinie führt, darf's wieder ein bisschen schneller sein: Tempo 60. Das gilt bis zum Ortseingangsschild Rheydt - runter auf 50. Vor der Kindertagesstätte "Stadtwaldräuber" wird demnächst auch eine Tempo-30-Zone eingerichtet. Also ab dann aufgemerkt: Fuß auf die Bremse. Auf einer Länge von etwa vier Kilometern gibt es derzeit auf der Stadtwaldstraße auf der ausgewählten Strecke noch sieben, demnächst neun Tempozonen.

1300 Meter weiter, Ortseingang Rheydt, die Stadtwald- wird zur Dahlener Straße: Tempo 50. Foto: Sabine Kricke

"Das ist doch totaler Kappes", sagt Arno Oellers. Der Bezirksvorsteher West meldete in der letzten Sitzung der Bezirksvertretung unmittelbar nach dem Vortrag der Verwaltung Bedenken an. "Ich finde es richtig und wichtig, dass wir vor Kindergärten, Schulen und Altenheimen Tempo-30-Zonen einrichten, aber das, was da auf der Stadtwaldstraße passiert, ist nicht nachvollziehbar." Seiner Meinung nach gäbe es eine einfache Lösung: "Man könnte von Günhoven bis Rheydt durchgängig eine maximale Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern zulassen. Das wäre wesentlich einfacher, und man könnte sich eine ganze Menge Schilder sparen."

Foto: Kempner (2), Füllhase

Kurios ist aber nicht nur der häufige Tempowechsel auf diesem Abschnitt der Stadtwaldstraße. Sobald die Tempo-30-Zonen ausgewiesen werden, wird es noch komplizierter. Unter den runden Schildern sollen rechteckige montiert werden, auf denen die Schulzeiten notiert werden sollen. Denn Tempo 30 gilt nur zu Unterrichtszeiten, außerhalb dieser darf wieder 50 gefahren werden. "Es ist wohl auch noch nicht geklärt, wie es sich an den Wochenenden und in den Schulferien verhält", sagt der Bezirksvorsteher. "Offensichtlich gibt es noch erheblichen Klärungsbedarf. Das ist noch nicht zu Ende gedacht." Er ist sicher, dass sich eine bessere und logischere Lösung speziell für die Stadtwaldstraße finden lässt.

An der Kreuzung Mennrather Straße beginnt die Fahrt: Tempo 70. Foto: Sabine Kricke

Vor insgesamt 64 Kitas, Schulen, Altenheimen und Krankenhäusern will die Stadtverwaltung in Kürze neue Tempo-30-Bereiche einrichten. Möglich macht das eine Änderung der Straßenverkehrsordnung. Während es früher große Hürden für Tempo 30 auf innerörtlichen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen sowie Vorfahrtsstraßen gab, kann die Geschwindigkeitsdrosselung jetzt sogar angeordnet werden.

400 Meter weiter, Ortseingang Günhoven: noch Tempo 50, ab Feuerwehr demnächst 30. Foto: Sabine Kricke
(RP)