Mönchengladbach: Neues Stadtteil- und Quartierskonzept der Stadt

Mönchengladbach: Wie Gladbachs Nachbarschaften ticken

Das neue Stadtteil- und Quartierskonzept der Stadt zeigt genau auf, wie das Zusammenleben der Menschen in jedem Stadtteil funktioniert, was die größten Probleme sind und wo die Quartiersarbeit schon gut funktioniert.

Jede Straßenkreuzung ist anders. Und das hat nicht nur etwas mit Städtebau zu tun, sondern vor allem mit den Menschen und wie sie es sich in ihrer Nachbarschaft so eingerichtet haben. Jeder Straßenzug, jeder Stadtteil hat seine eigene DNA, und erstmals liegt jetzt eine Gesamtübersicht darüber vor, wie jeder einzelne Stadtteil so tickt. Sozialdezernentin Dörte Schall stellte jetzt das Stadtteil- und Quartierskonzept vor. Die Sozialplanung der Stadt hat in rund zweijähriger Arbeit nicht nur statistische Daten über jeden der 44 Stadtteile erfasst und ausgewertet, sondern auch mit den Bürgern gesprochen und herausgefunden: Wie funktioniert eigentlich das alltägliche Leben in den Stadtteilen oder besser: in den einzelnen Quartieren? „Wir waren schon ein wenig überrascht, wie viel an Aktivitäten es in den einzelnen Stadtteilen gibt“, sagt Gerhard Kalter, Leiter der Stabsstelle Sozialplanung der Stadt.

Das Werk wird in der kommenden Woche den Politikern in den Bezirksvertretungen vorgelegt. Daraus geht etwa hervor, in welchen Stadtteilen wie viele Menschen von Armut bedroht sind (wenig überraschend: in den Zentren). Kennzeichen zu Arbeitslosigkeit, Einkommenssituation, Altersstruktur, Ausländeranteil, der Anteil Alleinerziehender (zwischen 1,1 Prozent in Sasserath und 7,2 Prozent in Waldhausen) und vieles mehr. Grob gefasst kann man sagen: „Mönchengladbach wird dünner besiedelt, älter und wohlhabender, je weiter man sich von den Zentren entfernt“, sagt Kalter. Oder wie es in dem Bericht heißt: „Die räumliche Konzentration von Armut und sozialen Problemen hat zugenommen. Die Bereiche mit besonders hohen Armutsquoten, hoher Arbeitslosigkeit, hohen Anteilen an Alleinerziehenden und besonders viel Zuwanderern haben auch die höchsten Anteile an Kindern in der Bevölkerung, und die Quote der Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung ist häufig überdurchschnittlich.“ Die Sorgen der Menschen auf dem Land sind ganz andere als derjenigen in der Stadt. Und genau das ist für eine Großstadt recht selten: Im Ruhrgebiet etwa reiht sich Ballungsgebiet an Ballungsgebiet, Mönchengladbach hingegen hat „sowohl urbane wie auch sehr viele ländliche Bereiche“, sagt Kalter. Und je ländlicher die Stadt wird, umso intensiver gibt es bereits Quartiersarbeit. Dennoch, betont Sozialdezernentin Dörte Schall, sei die Durchmischung der Bevölkerung in der gesamten Stadt eine Besonderheit. „Es wechselt manchmal mit der Straßenseite“, sagt die SPD-Politikerin. In Eicken stehen große Villen in Rufweite zu Sozialwohnungen.

Bevölkerungsdichte der Stadt Mönchengladbach. Foto: Stadt Mönchengladbach

Insofern fallen die 44 Porträts über die einzelnen Stadt sehr unterschiedlich aus. Und damit auch der Stand der Quartiersarbeit. Im Stadtbezirk Nord etwa ist man in praktisch allen Stadtteilen sehr weit, weil Bezirksvorsteher Herbert Pauls dort in jedem Stadtteil regelmäßig Stadtteilgespräche koordiniert, und zwar ehrenamtliche ohne Budget. In Hardterbroich-Pesch gibt es einen Runden Tisch, in Rheydt eine Stadtteil-Konferenz - an vielen Orten funktionieren ehrenamtliche Netzwerke schon gut. Aber die brauchen auch professionelle Unterstützung: „Es gab viele Rückmeldungen, dass der Austausch zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung deutlich verbessert werden müsste“, heißt es in dem Bericht. Allein der Austausch, das Wissen der unterschiedlichen Institutionen und Vereine in einem Stadtteil voneinander, „das ist sehr wichtig für die Bürger“, sagt Sozialdezernentin Dörte Schall. „Wir können kein allgemeinverbindliches Konzept für Quartiersarbeit aufstellen, das muss aus dem Stadtteil heraus kommen. Aber sie erhalten dabei Unterstützung in Form von Beratung und Begleitung.“

Im Grunde macht Quartiersarbeit genau das Miteinander in einem Stadtteil aus. Und die Sozialplaner der Stadt sind auf erstaunliche Beispiele gestoßen, wie Gerhard Kalter berichtet: In einem Stadtteil wandte sich ein besonders wohlhabender Bewohner an die katholische Kirche, weil er mit seinem Geld jemand anderem „etwas Gutes tun wollte“. Die Kirche vermittelte ihn an eine bedürftige Familie zwei Straßen weiter.

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