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Neubauten für 1900 Mitarbeiter geplant

Neues Rathaus verändert Rheydter Zentrum

Plan für die Gebäude Foto: Stadt MG

Mönchengladbach Die Stadtverwaltung soll bis 2025 am Rheydter Markt eine Zentrale für rund 1900 Mitarbeiter bekommen. Dafür wird ein ganzes Karrée umgestaltet und aufgewertet. Das Ziel: Optimale Arbeitsbedingungen und besserer Bürgerservice.

Dass die Umgestaltung des Marktplatzes die Innenstadt von Rheydt immens aufgewertet hat, bestreitet kaum jemand. Auch der geplante Neubau des Rathauses „ist ein Bekenntnis zum Standort“, betont Gregor Bonin, Stadtdirektor und Planungsdezernent. Denn der Um- und Neubau innerhalb gewachsener Strukturen sei eine „komplexe Aufgabe“, deutlich einfacher wäre, ein neues Rathaus auf der „Grünen Wiese“ zu errichten. Läuft alles nach Plan, werden 2025 rund 1900 städtische Mitarbeiter am Rheydter Marktplatz arbeiten, im Umfeld essen gehen und einkaufen. Heute sind es dort städtische 589 Mitarbeiter. Das zentrale Rathaus als Frequenzbringer fürs Umfeld. Bei der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit, die jetzt der Politik vorgelegt wird, floss das aber nicht ein.

Die Gebäude Details und Architektur sollen sich erst im zweistufigen Wettbewerbsverfahren ergeben. Einige Rahmenbedingungen stehen fest, anderes wird als Option gesehen. „Niemand hat die Absicht, die Denkmäler abzureißen“, schickt Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners als Botschaft voraus: Das alte Rathaus und die Kommandantur an der Ecke zur Limitenstraße bleiben stehen. Ebenso das Gebäude, in dem heute Karstadt und Teile der Stadtverwaltung sind. Dieses wird saniert und möglicherweise zur Stresemannstraße hin erweitert. Abgerissen werden an der Marktstraße der Zugangs-Turm vor Karstadt, die Nachkriegs-Gebäude im Rathaus-Block, die im Besitz der Stadt sind – im Foto rot markiert – sowie der Komplex der Stadtsparkasse. An deren Stelle entstehen moderne Gebäude. Auch der Innenhof des Rathauses wird bebaut. Vorbild ist das neue Rathaus in Venlo, das mit Fassadenbegrünung sowie Sparsamkeit bei Ressourcen ökologisch ausgerichtet ist. „Das lässt sich aber nicht eins zu eins übertragen“, so Bonin.

Die Nutzung Im Zentrum steht die Konzentration der Stadtverwaltung in Rheydt. Ein Großteil der aktuell 26 Standorte, viele in sanierungsbedürftigem Zustand, soll aufgegeben werden (ausgenommen Rathaus Abtei, Vituscenter und Verwaltungsbau Wilhelm-Strauß-Straße). Die Fläche, die derzeit im Schnitt jedem Mitarbeiter zur Verfügung steht, soll auf 23 Quadratmeter halbiert werden. Im neuen Rathaus sollen laut Personaldezernent Matthias Engel moderne, offene Büroflächen mit Loungebereichen, informellen Treffpunkten, Rückzugsmöglichkeiten und flexiblen Arbeitsplätzen entstehen: „Das Ziel sind motivierte, gesunde Mitarbeiter.“ Davon profitierten auch die Bürger durch besseren Service. Für sie soll es einen Empfang als zentrale Anlaufstelle geben, Wartezeiten sollen durch gezielte Terminvergabe verhindert werden. Behördengänge sollen weitgehend auch online möglich sein. „Das virtuelle Rathaus auf der Couch“ nennt es Engel. In den Rathauskomplex soll aber auch eine Mall mit Einzelhandel und möglicherweise dem neuen Standort der Stadtsparkasse integriert werden. Auch die Gasse zwischen Karstadt und Rathaus (Am Neumarkt) wird überdacht und zur Flanierzone. Die Stadtbibliothek soll in gleicher Größe auf Erdgeschoss-Ebene ziehen und sich nach außen öffnen. Denkbar wäre, sie in einen Anbau von Karstadt an der Stresemannstraße zu integrieren. Auch die Karstadt-Gastronomie mit Außenterrasse könnte dort einziehen.

Stellten die Pläne für den Rathaus-Neubau vor: (v.l.) Personaldezernent Matthias Engel, Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und Planungsdezernent Gregor Bonin. Foto: Jana Bauch

Die Kosten Bonin betont, dass das Projekt vor dem Hintergrund der Haushaltssicherung gestartet wurde mit dem Ziel, den Raumbedarf und somit auch die Ausgaben zu optimieren. Die Analyse der Wirtschaftlichkeit vergleicht sämtliche Kosten des Ist- und Soll-Zustands. Bei den jetzigen Gebäuden besteht ein akuter Sanierungsbedarf von rund 80 Millionen Euro, hinzu kommen hohe Betriebskosten, auch die Digitalisierung wäre an vielen Standorten nicht realisierbar. Der Neubau ist mit 161 Millionen Euro angesetzt, was einem Quadratmeterpreis von 2300 Euro entspricht. Niedrigere Energiepreise und ein – im Vergleich zu heute – deutlich höherer Buchwert sind mit zu berücksichtigen. „So lange die Neubau-Kosten 240 Millionen Euro nicht übersteigen, ist der Neubau wirtschaftlicher“, sagt Bonin.

Das Verfahren Geben die politischen Gremien grünes Licht, wird Anfang des Jahres ein offenes Wettbewerbsverfahren gestartet. In der ersten Stufe wird das Preisgericht, dem viele Architekten aus ganz Deutschland angehören (unter anderen auch Prof. Karl-Heinz Petzinka, Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie), 20 Teilnehmer auswählen, die detaillierte Konzepte vorlegen. In einer zweiten Stufe werden daraus anonymisiert sieben ausgewählt und am Ende ein Siegerentwurf gekürt.