Mönchengladbach: Neue Initiative für Seniorenbeirat gründet sich

Politische Beteiligung in Mönchengladbach : Neue Initiative für Seniorenbeirat

Nach einer Infoveranstaltung hat sich eine Initiative für einen Seniorenbeirat in Mönchengladbach gegründet.

Zum Abschied munterte Hartmut Mühlen vom Düsseldorfer Seniorenrat die Mönchengladbacher auf: „Es sind viel mehr Interessierte hier als ich erwartet hatte. Machen Sie weiter. Die Arbeit macht Spaß.“ Mühlen ist seit 15 Jahren im Seniorenrat der Landeshauptstadt aktiv und war in die Nachbarstadt gekommen, um aus der Praxis zu berichten. Und um Mut zu machen. Denn in Mönchengladbach soll ein weiterer Versuch unternommen werden, eine Seniorenvertretung ins Leben zu rufen.

Das Aktionsbündnis Grüne Alte hatte zu der Infoveranstaltung eingeladen, betonte aber die Überparteilichkeit einer solchen Initiative. „Wir suchen Mitstreiter und sind selbst nur ein Rädchen des Ganzen“, unterstrich Grünen-Sprecherin Anita Parker. Warum sich Mönchengladbach und andere Kommunen schwer tun, Seniorenvertretungen zu gründen, erklärte Barbara Eifert, wissenschaftliche Beraterin der Landesseniorenvertretung NRW, mit der Angst vor dem Alter und der Vorstellung, den Senioren auf diese Weise sozusagen doppeltes Stimmrecht einzuräumen, da sie ja ohnehin Wähler seien.

Während die Angst vor dem Alter ein psychologisches Problem ist, das sich nicht so leicht ändern lässt, kann man dem zweiten Grund zu Leibe rücken. „Die Seniorenvertretungen bewegen sich im vorparlamentarischen Raum“, erklärt Eifert. „Sie können Antrags- und Fragerecht in Ausschüssen haben, aber sie haben kein Stimmrecht.“ Seniorenvertretungen sollen ehrenamtlich und überparteilich agieren, sie sollen die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen und politischen Leben stärken und sichern.

168 Kommunen in NRW haben Seniorenvertretungen gegründet, das sind immerhin mehr als 40 Prozent der Städte und Gemeinden des Landes. Unter ihnen befinden sich etwa Düsseldorf und Kaarst. Mönchengladbach ist bisher ein weißer Fleck auf dieser Landkarte. Damit sich das ändert, war mit Manfred Stranz auch ein Vertreter der Landesseniorenvertretung gekommen. „Es ist mehr Arbeit, als ich gedacht hatte, aber es macht viel Spaß“, erklärt er. Es gebe leidenschaftliche Diskussionen, die sich aber auf Sachebene bewegten und nicht von Parteipolitik geprägt seien.

Der Düsseldorfer Hartmut Mühlen zählte auch Projekte auf, die den Seniorenrat beschäftigen. Zum Beispiel der Wohnungstausch: Senioren tauschen ihre zu groß gewordenen Wohnungen mit Familien, die zu wenig Platz haben. Oder eine Befragung zum Thema Altersarmut und Alterseinsamkeit.

Unter den Überbegriff Seniorenvertretung fallen die unterschiedlichsten Modelle: von gewählten Seniorenräten wie in Düsseldorf bis hin zu aus Delegierten zusammengesetzten Gremien, in denen Vertreter von Verbänden und Parteien sitzen. Es gibt sogar ein Modell, bei dem einige Sitze unter Bewerbern ausgelost werden. Am Ende der Infoveranstaltung fand sich eine Gruppe, die die Initiative zur Gründung eines Mönchengladbacher Seniorenbeirats weiter vorantreiben will. Begleitet und beraten wird sie von Expertin Barbara Eifert. Letztendlich ist die Gründung einer Seniorenvertretung aber Aufgabe der Stadt – es gilt also Politik und Verwaltung zu überzeugen.

Mehr von RP ONLINE