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Mönchengladbach: Naturschützer suchen Quartiere für Fledermäuse

Für Fledermäuse in Mönchengladbach : Platz zum Abhängen gesucht

Gebt Fledermäusen eine Heimstatt! Dazu rufen Naturschützer vor allem Anwohner des JHQ in Mönchengladbach auf. Dass einheimische Arten SARS-CoV-2 auf Menschen übertragen, halten Experten für unwahrscheinlich. Nicht ausschließen wollen sie aber einen umgekehrten Infektionsweg.

Braunes Langohr, Kleiner Abendsegler, das klingt doch putzig! Mancher Zoologie-Laie schreckt vielleicht trotzdem zurück, wenn er erfährt: Die so benannten Arten sind Fledermäuse. So wenig possierlich die Flattermänner aussehen mögen: Sie haben eine Bedeutung im Ökosystem  – und viele sind vom Aussterben bedroht. „Sie können den Fledermäusen helfen – schaffen Sie Orte zum Abhängen“, appelliert die Naturschutzstation Wildenrath daher vor allem an Mönchengladbacher, die in der Nähe des ehemaligen JHQ wohnen. Um über den Winter zu kommen, brauchen Fledermäuse ein frostfreies Ambiente, in dem die Temperatur nicht unter 1°C fällt. Das könne zum Beispiel ein Keller oder ein Dachboden sein, sagen die Naturschützer.

Alle 25 in Deutschland heimischen Fledermausarten stehen auf der Roten Liste bedrohter Arten, fünf davon kommen im Umfeld des ehemaligen JHQ vor. „Wenn eine Art aus dem Ökosystem verschwindet, hat das immer Folgen auch für das System“, sagt Alexander Terstegge von der Naturschutz-Station. Und auch einen Dienst der Flattermänner, der vielen gefallen dürfte, weiß Terstegge zu nennen: Sie vertilgen Mücken. Wer Fledermäusen ein Quartier bieten wolle, müsse gar nicht viel tun. Die Behausungen – etwas größer als ein Meisenkasten, so Terstegge – stellt die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Mönchengladbach zur Verfügung. Und zwar kostenfrei, so die Stadt. Wichtig sei, dass die Fledermäuse eine freie Anflugschneise haben und nicht etwa ein Baum diese versperre, sagt Terstegge. Aufhängen sollte man den Kasten an einer Stelle, an der man sich normaler­weise nicht aufhält. Dann komme man auch nicht mit dem Kot in Kontakt, der aus den Kästen herausfällt.

Aber soll das neuartige Coronavirus nicht in China von Fledermäusen auf Menschen übergegangen sein? Droht Ansteckungsgefahr für Menschen, die den Tieren Asyl bieten? Dass heimische Fledermausarten Wirte von Viren sind, die zur „Familie“ der Coronaviren gehören, ist nachgewiesen. „Diese Coronaviren sind jedoch klar von SARS-CoV-2 zu unterscheiden“, sagen die Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Und weiter heißt es aus diesem Bundesforschungsinstitut: „Man nimmt zwar an, dass die jetzige Corona-Pandemie in asiatischen Fledermäusen ihren Ursprung hat, ein direkter Nachweis ist bislang jedoch nicht geführt worden. Vielmehr müssen andere Zwischenwirte in Erwägung gezogen werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand spielen die einheimischen Fledermäuse bei der jetzigen Corona-Pandemie keine Rolle. Daher gibt es keinen Grund, diese streng geschützten Arten zu verfolgen, sie aus Wohnhäusern zu vergrämen oder ihre Quartiere zu zerstören.“ Gestützt auf die Einschätzung des FLI halte das städtische Veterinäramt „das Risiko einer Infektion des Menschen mit  SARS-CoV-2 über eine einheimische Fledermaus für ausgesprochen gering – insbesondere im Vergleich zu den sonstigen Ansteckungsmöglichkeiten“, sagt Stadtsprecher Wolfgang Speen. Das Amt bewerte  den Aufruf der Naturschutzstation daher als „vertretbar“.

Für bemerkenswert hält das Veterinäramt jedoch, „dass das gesundheitliche Risiko für Fledermäuse von infizierten Menschen angesteckt zu werden seitens des FLI für denkbar und so das Risiko eines Viruseintrages in die gesamte Fledermauspopulation für möglich gehalten“ werde. Sollte dieser umgekehrte Infektionsweg tatsächlich nachgewiesen werden, müsse „gegebenenfalls eine veränderte Risikoeinschätzung abgegeben werden“, so die Stadt-Veterinäre.

Das Gesundheitsamt weist darauf hin, dass Fledermäuse Tollwutviren-Träger sein können. Es rät Menschen, die beruflich oder im persönlichen Umfeld mit Fledermäusen zu tun haben, zu einer Tollwutimpfung. Dass Tollwut durch einen Biss übertragen wird, ist möglich. Allerdings können Menschen durch ihr Verhalten dieses Risiko minimieren. Fledermäuse greifen „nichts und niemanden an, sofern sie nicht bedroht werden“, sagen die Naturschützer. Alexander Terstegge rät daher, die Tiere nicht anzufassen: „Wer mit Fledermäusen hantiert, sollte gegen Tollwut geimpft sein.“