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Mönchengladbach: Museum Schloss Rheydt erhält als Dauerleihgabe Gemälde aus der Renaissance

Gemälde aus der Renaissance : Ein Glücksfall für das Schloss Rheydt

Familie Vosen besitzt ein Original-Gemälde aus der Renaissance. Erst in einer TV-Show erfuhren die Eigentümer von dessen kunsthistorischem Wert. Sie überreichten das Bild als Dauerleihgabe an das städtische Museum. Rheydt.

Wie das Porträt eines vornehmen Mannes mit weißem Spitzenkragen in den Besitz seiner Familie kam, kann Joachim Vosen nicht sagen. Er erbte das Gemälde von seinem Vater, der es wiederum von seinen Eltern erhalten hatte. „Es war lange unklar, wie alt das Bild ist und wen es darstellt. Ich habe es lange Zeit für ein historisches Ölbild aus dem 19. Jahrhundert gehalten“, sagt Vosen.

Um mehr zu erfahren, bewarb er sich um eine Teilnahme in der Fernsehsendung „Kunst und Krempel“. In der Karnevalszeit des vergangenen Jahres reiste er mit Ehefrau Tatjana per Zug zur Aufzeichnung der Sendung nach München und erlebte eine Überraschung. Experten schätzten die Entstehungszeit des Bildes auf das 16. Jahrhundert, bescheinigten dem Werk einen hohen Wert und vermuteten in der Darstellung ein Porträt des Herzogs von Alba.

„Wir waren geflasht“, sagt Vosen. Auf der Rückreise war das Ehepaar schon wesentlich besorgter, seinen Schatz sicher nach Hause zu bringen. Aus Rheydt gebürtig und dem Schloss emotional verbunden, entschloss sich Vosen, das Ölbild dem Museum Schloss Rheydt als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen.

Karlheinz Wiegmann bezeichnet die Leihgabe in mehrfacher Hinsicht als großen Glücksfall. Das Bild habe einen kunst- und auch regionalhistorisch hohen Wert und zudem noch eine wunderbare Geschichte. „Es ist das Gemälde eines Adeligen. Wer er ist, wissen wir nicht“, sagt der Museumsleiter. Der Dargestellte könnte der Herzog von Alba oder der Herzog de Nova Terra sein. Beide Herren stünden thematisch im Bezug zum Haus. Die bisherigen Porträts in der museumseigenen Gemäldesammlung sind jünger als die Leihgabe. „Wir befinden uns in der Zeit des spanisch/ niederländischen Krieges“, stellt Wiegmann zur Historie des Bildes fest. Seinerzeit spielte Herzog von Alba eine herausragende, allerdings unrühmliche Rolle. Klaus Schubert, der sich während eines kunsthistorischen Studiums auf alte Meister spezialisierte, recherchierte zum Bild.

Hierbei kamen dem Mitglied der Otto von Bylandt-Gesellschaft seine guten Kontakte zu Experten bedeutender niederländischer Häuser, wie das Amsterdamer Rijksmuseum, zugute. Schubert betont, dass die Zuschreibung auf einen Maler des 16. Jahrhunderts zutreffend sei. Leider sei das Bild nicht signiert. Als Maler käme Willem Key oder ein Künstler aus dieser Richtung oder ein niederländischer Maler am spanischen Hof in Frage. Er ist überzeugt, dass der Dargestellte auf jeden Fall Herzog von Alba ist. Schubert lobt den Zustand des Bildes als sehr gut. Er beurteilt es als „super Bild und eine Augenweide für dieses Haus“.

Vor der Übergabe an das Museum wurde das Gemälde fachgerecht konserviert und restauriert. Dabei kam als Überraschung der feine, weiße Spitzenkragen zum Vorschein, der im Laufe der Jahre übermalt worden war. Der jetzige Bilderrahmen wurde einem Vorbild aus dem 16. Jahrhundert nachgebaut. Der Zeitpunkt der Übergabe war für das Ehepaar Vosen die erste Wiederbegegnung mit ihrem Bild nach der Restaurierung. Der jetzige Eindruck sei überwältigend, Licht und Farben kämen viel besser zur Entfaltung, urteilte Tatjana Vosen begeistert.

Sie versicherte: „Die Malweise hat uns schon immer gefallen. Da wir jetzt den musealen Wert kennen, möchten wir, dass mehr Leute das Bild sehen“.