Mönchengladbach: Modenschau zeigt faire Kleidung

Faire Kleidung in Mönchengladbach: Modenschau mit Fingerzeig

Angehende bekleidungstechnische Assistenten der Maria-Lenssen-Schule haben sich mit Arbeitsbedingungen im Billiglohn-Ländern befasst. Ihre Erkenntnisse druckten sie auf Kleider und lieferten so Stoff zum Nachdenken.

Am Maria-Lenssen-Berufskolleg ist Mode immer ein großes Thema – nicht nur, wenn die Schüler gerade ihre neuen Abschlusskollektionen entwerfen. Eine Modenschau der anderen Art präsentierten jetzt angehende bekleidungstechnische Assistenten. Und ihre Kleider lieferten Stoff zum Nachdenken. Denn die Schüler hatten sich, bevor sie auch nur eine Naht genäht wurde, mit dem Thema faire Kleidung auseinandergesetzt.

Birgit Wilde, die als Lehrkraft in der Modeschulabteilung des Berufskollegs tätig ist, beschäftigt sich schon lange mit dem Thema und hat eine professionelle Schulung bei dem Verein „FEMNET“ absolviert. Mit der Bildungsarbeit des Vereins, der sich mit fairen Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie auseinandersetzt, soll langfristig ein breites Bewusstsein geschaffen werden über globale Zusammenhänge, Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen und die Gründe der Armut von Beschäftigten in der Bekleidungsproduktion.

Mit ihren Schülern hörte Birgit Wilde sich Interviews von weiblichen Beschäftigten der Bekleidungsindustrie in Indien, Vietnam und Kambodscha an. „In den Berichten der Frauen wurde deutlich, dass Menschenrechte verletzt werden. Frauen erzählten, dass sie bei ihren Toilettengängen überwacht werden. Und dass sie übel beschimpft werden, wenn sie es nicht schaffen, in immer kürzerer Zeit zu produzieren“, sagt die Dozentin. Sie habe mit ihren Schülern diskutiert – über unfaire Produktionsmethoden, aber auch über das eigene Konsumverhalten. „Wir haben Schüler, die haben zu Hause 20 T-Shirts und sagen, das reicht. Andere haben über 100 und finden das ganz toll“, sagt Birgit Wilde.

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Bekleidung, immer schneller produziert und immer preiswerter, das machte erst die zunehmende Industrialisierung der Bekleidungstechnik möglich. „Wir haben damals noch für unsere Lieblingsjeans gespart, weil die 100 D-Mark kostete“, erzählt die Dozentin. „Heute gibt es T-Shirts schon für 9,95 und Jeans für 29,25 Euro.“ Einerseits könne man sich heute nicht mehr vorstellen, dass ein T-Shirt mehr als 30 Euro koste, andererseits möchte man, dass die Näherinnen gut bezahlt werden.

Ob der Workshop bei allen Schülern ein nachhaltiges Umdenken bewirkt hat, weiß Birgit Wilde noch nicht. Aber immerhin kamen so kritische und bissige Slogans heraus wie „Heute im Angebot: erschöpfte bis tote Näherinnen, frisch aus Bangladesch und Kambodscha, zwischen 13 und 25 Jahre alt, schön benutzt und ausgebeutet.“ Diese und andere Sprüche ließen die Schüler auf selbst produzierte Sweatshirt-Kleider drucken. Im Kollegium des Maria-Lenssen-Berufskollegs gibt es mehrere Dozenten, die wie wie Birgit Wilde aus der Industrie kommen, viel Praxiserfahrung haben und sehr gut vernetzt sind. Sie unterstützten die Schüler bei der Produktion.

Birgit Wilde will auch weiterhin an Schulungen des Vereins FEMNET teilnehmen und nicht nur am Berufskolleg ein Bewusstsein für Faire Kleidung schaffen – „auch wenn das nur eine Facette hier in der Bekleidungsabteilung ist“, wie die Lehrkraft sagt.

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