Mönchengladbach: Modellspielzeugmarkt für „große Kinder“

Börse im Haus Erholung gut besucht : Modellspielzeugmarkt für „große Kinder“

Kinder? Eher wenige besuchten den Modellspielzeugmarkt im Haus Erholung. Vor allem Erwachsene, meist Männer, in denen noch der kleine Junge steckt, fachsimpelten und kauften bei dem Treff am Sonntag.

„In jedem Manne steckt  noch ein Kind“ sangen die Jacob Sisters vor 52 Jahren. Wer einen Beweis für die These benötigt hätte, wäre auf dem Modellspielzeugmarkt der Firma Adler am Sonntag im Haus Erholung fündig geworden. Blechspielzeug, Modellhäuser, Eisenbahnen jeder Spurgröße – das scheint tatsächlich eher etwas für die erwachsenen Männer zu sein. Sie machten geschätzt 80 Prozent sowohl der Besucher als auch der Aussteller aus. Kleine Kinder wurden zwar gesichtet, die kamen aber in Begleitung ihrer Väter – und hielten sicheren Abstand zu den angebotenen kostbaren Waren.

Denn da gab es Spielzeuglastwagen, die für 330 Euro angeboten wurden. Ein Tipco Flugzeug aus den 1920er Jahren, ein absolutes Highlight, so Verkäufer Udo Knoll, sollte für 670 Euro den Besitzer wechseln. Udo Knoll führt seit über 40 Jahren in Düsseldorf einen Laden für alte Spielzeuge. „Ein roter Distler war in den 1960er Jahren der Traum eines jeden Kindes“, er-klärt er. Man kann schon ins Schwärmen kommen, wenn man seine alten glänzenden Blechautos und Blechflugzeuge sieht, die Isetta, eine Straßenbahn, eine Tankstelle. Und dann dieser uralte Lego-baukasten. Ebenso wie der Distler stammt er aus den 1960er Jahren. Kindheitserinnerungen kommen auf. Nostalgische Gefühle machen sich breit.

Viele bleiben vor Knolls Tisch stehen, gucken, kaum einer fasst etwas an, da ist der Respekt doch zu groß. „Ein verrückter Sammler“, seinen Namen möchte er wie viele der Besucher und Aussteller nicht nennen, verhandelt über den Preis kleiner Spielzeugfiguren. Verrückt? Ja, er habe einen 100 Quadratmeter großen Raum zu Hause nur für Spielzeuge. Alles muss originalverpackt sein, sonst verliert es sofort seinen Wert. Aber dann kann ein Wiking-Auto, das früher mal 2,50 DM gekostet hat, schon 30 oder 35 Euro einbringen.

Alexandra Zimmermann und Christian Neumann aus Witten an der Ruhr sitzen hinter ihrem sieben Meter langen Ausstellertisch. Etwa 3000 Objekte haben sie mit nach Mönchengladbach gebracht. „Aber da ist viel Kleinzeug dabei“, erklärt Neumann, wie elektrische Anschlüsse oder Kabel. Etwas größer ist der Hühnerstall, den man in eine Eisenbahnanlage einbauen könnte. Er ist nur 5,5 mal 4 Zentimeter groß. „Sie brauchen eine Stunde, um ihn zusammenzubauen“, warnt Neumann lachend. Er freut sich immer, wenn, selten genug, ein Kind an den Stand kommt und den Inhalt seines Sparschweins für den Erwerb eines Zubehörs hergeben will. Dann sagt er auch schon mal: „Lass stecken.“ Daneben gibt es aber auch den Opa, der seinem Enkel zehn Euro in die Hand drückt, damit dieser etwas kaufen soll, was eigentlich 20 Euro kostet. Diese Mitleidsmasche zieht bei Zimmermann nicht: „Ich habe vier Augen und 16 Ohren und bekomme das mit.“

Nach all den Schienen, Zügen, Zubehör und Kleinstwohnhäusern macht es Spaß, mal eine Eisenbahnanlage im aktiven Betrieb zu erleben. Die zeigt Hans-Bernhard Leppkes. Mit einem besonderen Angebot ist Leppkes aus Krefeld angereist. Er demonstriert, wie man alte Lokomotiven tunen kann. Der Gärtner aus Krefeld, der seit jüngsten Kindheitstagen mit Zügen gespielt hat, hat sich auf den Digital- und Soundumbau spezialisiert und führt dies auch gleich vor: Nach einigen Einstellungen an einer Art Tablet beginnt eine Diesellok zu schnaufen, zu hupen und zu rumpeln, fährt blinkend los, bleibt quietschend stehen. Durchsagen ertönen. Das Ganze fühlt und hört sich total echt an.

Brigitte und Willi Lück aus Brüggen „haben ihren Keller aufgeräumt“. In diesem befinden sich 400 MAN-Lkw und 100 Opel-Pkw. Kein Zufall: Willi Lück ist beides gefahren: den MAN-Lkw beruflich und privat immer noch Opel. Die Modellautos sind zwischen 20 und 40 Jahren alt. Aber Lücks haben noch anderes mitgebracht. Ein Federballspiel aus Holz aus den 1950er zum Beispiel und die Kindheitspuppe von Brigitte Lück. Sie beteiligen sich schon seit einigen Jahren an dem Markt. Das eingenommene Geld fließt allerdings nicht in neue Sammlungsstücke, sondern in ihren großen Garten.