Mönchengladbach: Metallbauer Deborah und Udo Stephan helfen Künstlern

Lokale Wirtschaft : Künstler suchen Hilfe bei den Stephans

Deborah Stephan mag Corten-Stahl und Rost. Ihr Vater Udo stellt sich jeder Herausforderung. Wenn Künstler Metalle verwenden, holen sie vorher oft den Rat von Deborah und Udo Stephan ein. Oder beauftragen sie gleich mit Arbeiten.

Die alte Spinnerei an der Sophienstraße: Ein lang gestreckter Raum. An den Wänden aufrecht: Stähle in verschiedenen Stärken, Messing, verzinktes Material. Gegenüber, neben einem aufgearbeiteten schmiedeeisernen Tor ein Blech aus Corten-Stahl. „Er ist wetterbeständig und rostet dennoch“, erklärt Deborah Stephan. Für sie ist das eine perfekte Kombination. Die 31-Jährige ist 2016 in das Familienunternehmen eingestiegen. Aus der unscheinbaren Platte wird eine Art Feuerschale werden.

Es riecht nach Öl und Metall. Ziemlich zentral ein mächtiger Amboss. Eine große Metallsäge, Drehbank, Ständerbohrmaschinen, auf einer langen Werkbank liegen zwei Trennschleifer. In einer Ecke eine Walze, eine Stanze. Firmenchef Udo Stephan schwört auf die gut 50 Jahre alten Maschinen: „Sie sind Gold wert. Sie kann ich einrichten wie ich sie brauche. Das geht mit modernen CNC-Maschinen nicht so gut.“ Wenn er und seine Tochter  erzählen, schwingt in jedem Satz Stolz, aber auch Begeisterung für den Werkstoff mit, und die Lust auf Neues, Unbekanntes, Herausforderndes. Beide haben nicht nur ihren Beruf gefunden, sondern verstehen ihn auch als Berufung.

Udo Stephan hat Kunstschmied gelernt. Neben diesem Meisterbrief kann er auch den Brief als Schlossermeister vorweisen. Sein erster Auftrag war sozusagen die Initialzündung. „Alle Geländer in der Musikschule sind von uns“, erzählt er, „dabei zeigte sich, wie gut Edelstahl sich formen lässt.“ Viel hat er ausprobiert, etwa ob man den Stahl beschichten kann, damit er nicht so kalt wirkt. Schließlich hat er den richtigen Lack gefunden. Er arbeitet seither unter anderem mit der Künstlerin Brigitte Zarm zusammen. Deren unterschiedlichen Ideen wie Federn mit langem Kiel vor der Musikschule setzen Udo Stephan und seine Tochter nach intensiver gedanklicher und planerischer Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Projekt um: „Wir müssen erst wissen, was der Künstler mit seiner Arbeit ausdrücken will.“

Wenn er heute durch die Stadt fährt, „sehe ich überall Dinge von uns. Entweder restauriert oder gebaut.“ Schnell fallen Stichworte wie Calder, Museum X, oder Francois Morellet. Seine Frau stellt ein Holzmodell auf den Tisch. Gebaut von Michael Stevenson: eine steile Wendeltreppe. Gebrochene Stufen. Wie aus dem Schutt gezogen. Eine machbare Herausforderung für den Metallbauer Udo Stephan, „ich habe ihm gesagt, ich bau’ dir das Ding.“ An der Stele von Heinz Mack im Bunten Garten wird deutlich, wie sehr sich das Wissen von Vater und Tochter Stephan ergänzen. Das markante Kunstwerk besteht aus grundiertem Stahl, Edelstahl und Aluminium. Es musste saniert werden, denn die Werkstoffe hatten miteinander reagiert. Korrosion.

Deborah Stephan hat mit ihrem Wissen entscheidend zur Restaurierung beigetragen: „Die Metalle mussten durch Beschichtung voneinander getrennt werden, sonst hätte es zwischen ihnen auch weiterhin chemische Reaktionen gegeben.“ Udo Stephan lacht: „Ich weiß zwar, dass man Metall biegen kann. Sie weiß aber, warum das so ist.“ Und Heinz Mack habe nach Abschluss der Arbeiten gemeint: „Hasse juut jemacht, Jung!“

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Die 31-Jährige hat schon in den Schulferien im Betrieb geholfen. Nach dem Abi war schnell klar, dass sie in Aachen Metallurgie und Werkstoffkunde studiert und auch noch die Ausbildung zum Schweißerfach-Ingenieur macht. Sie hat dann in Siegen bei der Firma RIO GmbH  im Korrosionslabor gearbeitet und es geleitet. „Ich wollte immer etwas mit den Händen tun, ich mache mir gerne die Finger schmutzig.“

Rost fasziniert sie: „Die Veränderung des Materials. Warum in verschiedenen Kombinationen Rost mehr oder weniger auftritt. Welche Elemente im Stahl sein müssen, damit es nicht rostet.“ Das helfe bei der Restaurierung. Manche Künstler setzten bewusst auf Rost. Indem sie zum Beispiel Corten-Stahl verwenden: „In Gummersbach besteht eine Fassade aus dem rostigen Material.“ Die Firma Stephan hat im Monforts-Quartier den Raum für die Farbensammlung mit Regalen aus Glas und Stahl bestückt. Ins Museum Abteiberg  werden Vater und Tochter  gerufen, „wenn es um die Frage geht, wie bestimmte Dinge präsentiert werden können.“

Und auch Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners profitiert: Bei der aufwändigen Restaurierung des Tors zum Innenhof des Rathauses Abtei wurde ein Motor angebracht, mit dem es per Knopfdruck zu öffnen ist. Und zwar so geschickt versteckt, wie es der Denkmalschutz verlangt. Denn der Charakter eines Denkmals oder Kunstwerkes darf  durch Eingriffe nicht verfälscht werden.

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