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Mönchengladbach: Mensch Gladbach - Welche Sommerpause?

Mensch Gladbach : Welche Sommerpause?

So viel politische Diskussionen wie in diesen Sommerferien würde man sich häufiger in Ratssitzungen wünschen. Auch in der Groko-Partnerschaft knirscht es hörbar. Erste Klänge von Wahlkampf?

Kennen Sie das? Dieses Gefühl, wenn im Urlaub die totale Entspannung einsetzt. Das letzte Buch ist gelesen, der Blick aufs Meer ist Routine, nicht mehr Besonderheit. Da kommt man manchmal auf Ideen, die einem im Alltag so nicht einfallen würden. Zu viel getankte Energie – und plötzlich entwickelt alles eine unerwartete Dynamik. Und vorbei ist es mit der Urlaubsruhe.

So geht es derzeit Mönchengladbach. Die Stadt ruht, ist aber auch rastlos. Was nicht nur an den zahlreichen Sommerbaustellen liegt (deren Ampeln im gemütlichen „Dolce Vita“-Modus schalten und wartende Autofahrer in die Entschleunigung zwingen). Es rumort auch gewaltig im Rathaus – trotz offizieller Sommerpause. Politisch wirbelt gerade so viel auf, als würde ein Windstoß durch eine der ausgedörrten Rasenflächen unserer Stadt gehen. Querbeet über die Parteigrenzen und ohne Rücksicht auf bestehende Kooperationen. Ob Strand, Berge oder Gladbacher Gartenliege – die Politik gibt sich ein Statement-Ping-Pong, dessen Tempo man kaum folgen kann.

Besonders heiß: der Hardterbroicher Markt. Wer Mönchengladbach nicht gut kennt, wird lange nach ihm suchen. Denn er existiert nur auf den Schildern der Bushaltestellen, in einigen Köpfen und auf Papier. Dabei steckt dahinter ein richtig guter Plan, nämlich ein Zentrum für den besagten Stadtteil zu schaffen. Ein Platz, Supermärkte, weitere Läden, Altenheim, Kita, Wohnhäuser, moderne Sparkassen-Filiale – was eben so dazugehört. Doch offenbar ging zwischen Investor, Stadt und  Stadttöchtern etwas Wichtiges verloren. Jedenfalls ist bis auf die Supermärkte und Altenheim nichts realisiert. Und die dortige  Kita wird wohl heimatlos.

Die Debatte über Verträge, Konventionalstrafen und Grundstücksverkäufe ist überfällig – und unterhaltsam. Mal zeigt die CDU auf ihre Partnerin SPD, mal umgekehrt. Mittendrin die Opposition aus FDP, Linken und Grünen. Man darf gespannt sein, wie es ausgeht. Am 29. August wird das Ganze den Stadtrat beschäftigen. Die Kita hat gute Chancen. Womöglich auch der Hardterbroicher Markt? Also, man wird ja wohl noch träumen dürfen in der Urlaubszeit!

Auch beim Thema „Seenotrettung“ knirscht es gewaltig in der großen Kooperation aus CDU und SPD. Auslöser ist der Vorstoß der Rheinstädte Köln, Düsseldorf und Bonn. Deren Stadtoberhäupter sind parteilos, SPD und CDU, setzen sich dennoch gemeinsam  für die Rettung der Flüchtlinge im Mittelmeer ein und erklären sich bereit, sie aufzunehmen. Ob sie damit etwas bewirken und wie viele der Geflüchteten tatsächlich in den Städten landen, ist offen. Jedenfalls haben sich weitere Städte dem angeschlossen. Die SPD fordert das für Mönchengladbach auch, hat Grüne und Linke an ihrer Seite, kassiert von ihrer Partnerin, der Union, aber ein kategorisches Nein. Auch das wird Thema im Stadtrat. Welche gesichtswahrende Lösung die SPD wohl auf den Tisch legt?

So viel geballte Urlaubsenergie – da wird bei der Ratssitzung mancher sein Handtuch ausrollen. Wir machen das jetzt auch. Entspanntes Wochenende!