Mönchengladbach: Mehrheit der Einzelhändler

Handel in Mönchengladbach : Die Scheu vor dem Online-Handel

Nichts fürchten Ladenbesitzer mehr als Konkurrenz aus dem Internet, selbst aktiv werden in Mönchengladbach aber nur wenige. Zu diesem Ergebnis kommt nach der IHK auch eine neue Studie der Commerzbank.

Es gibt ein Unternehmen, an dessen stationären Neueröffnungen man ziemlich gut die Entwicklung des Online-Handels ablesen kann: Und das ist der Logistiker DHL. Praktisch alle paar Wochen eröffnet der Ableger der Deutschen Post irgendwo in der Stadt einen neuen Service-Punkt, um der Flut an Lieferungen noch Herr zu werden. Für die Einzelhändler in der Region ist diese Entwicklung allerdings keine besonders erfreuliche Nachricht.

Der Einzelhandel rechnet insgesamt zwar mit einem guten Jahr 2019 und spricht von 1,5 bis 2 Prozent Umsatzplus. „Treiber werden aber vor allem Online- und Multichannel-Händler sein“, sagt Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands in Nordrhein-Westfalen. „Bei ausschließlich stationär tätigen Händlern gerade in den Innenstädten müssen wir aufpassen.“

Wie die Commerzbank in einer Studie mit einer Befragung von Mittelständlern am Niederrhein bis 15 Millionen Euro Jahresumsatz herausgefunden hat, fürchtet der Händler nichts mehr als die Konkurrenz durch Online-Anbieter. 62 Prozent aller Befragten am Niederrhein gaben in dieser Studie an, der zunehmende Wettbewerb und damit verbundene Preisdruck sei die größte Herausforderung für sie in diesem Jahr. Nur 26 Prozent nannten die Verschmelzung von Vertriebskanälen, also stationär und online, als wichtigste Aufgabe.

Vermutlich liegt das auch daran, dass 44 Prozent der Einzelhändler am Niederrhein mehr Kunden im Geschäft verzeichnen als vor fünf Jahren. „Trotz Digitalisierung und Konkurrenzkampf sind die Läden voll“, sagt Roland Pastoors, Leiter der Unternehmerkundenberatung der Commerzbank in Mönchengladbach. Und Niederlassungsleiter Jürgen Bauten ergänzt: „Die Mehrheit der Kunden kauft noch stationär und wünscht sich Fachberatung.“ Grundsätzlich seien die wichtigsten Wünsche der Händler eine gute Breitband-Versorgung in der Stadt, eine attraktivere Innenstadt und ausreichend Parkplätze. Ergebnisse einer bundesweiten Untersuchung der Innenstädte will die Wirtschaftsförderung in der kommenden Woche veröffentlichen.

Die IHK Mittlerer Niederrhein kam bei einer Untersuchung im vergangenen Jahr zu noch drastischeren Ergebnissen. Nur 51 Prozent der untersuchten Händler hatten überhaupt eine eigene Webseite, nur 19 Prozent der befragten Händler setzten Newsletter ein, und nur ein Drittel der Händler war überhaupt in den sozialen Netzwerken zu finden. Daraufhin hat der Handelsverband in Mönchengladbach gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein eine Studie zum Digitalisierungsgrad des stationären Einzelhandels in Mönchengladbach durchführen lassen. „Besonderheit dieser Studie ist, dass sie mit einem sehr hohen Genauigkeitsgrad und einer hohen Detailtiefe die untersuchten Einzelhändler analysiert hat“, sagt Jan Kaiser vom Handelsverband in Mönchengladbach. „Auf Grundlage der Methodik kann der Handelsverband nun eine genaue Analyse und Einordnung des jeweiligen Händlers vornehmen und sehr gezielt und passgenau seine Beratungen und Handlungsempfehlungen ausrichten.“

Deshalb sind auch nicht alle Ergebnisse veröffentlicht, aber einige grundsätzliche Tendenzen für Mönchengladbach lassen sich schon herauslesen: „Je mehr Filialen etwa ein Händler hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er bereits umfangreicher im Bereich e-Commerce aufgestellt ist“, sagt Jan Kaiser unter Berufung auf die Ergebnisse der Autorin Tabea Baumann. Demnach sind fast 84 Prozent der Händler mit einer einzigen Filiale „digitale Verweigerer“ oder „digitale Beginner“ und nur 4,3 Prozent „digitale Pioniere“. Bei Händlern mit sechs bis 21 Filialen sind hingegen bereits 75 Prozent entweder „digital wachsend“ oder „digitale Pioniere“. Und bei Unternehmen ab 21 Filialen gehören schon 90 Prozent in diese Kategorie. Der stets so beliebte kleine, inhabergeführte Laden scheut Kosten und Aufwand für Online-Aktivitäten, und das droht sich aufgrund des Online-Wachstums immer stärker auszuwirken. Vermutlich lässt sich so auch die Angst vor der Digitalisierung erklären – die konnte das bundesweit bekannte Projekt „MG bei Ebay“ offenkundig nicht bei allen Händlern beseitigen.

Auch nach Branchen gibt es Auffälligkeiten: Stark digital sind etwa Händler aus den Kategorien „Sport/Spiel/Hobby“ sowie neuerdings „Lebensmittel“, während „Bekleidung“ sowie „Wohnen/Dekorieren/Einrichten“ etwas schlechter abschnitten.