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Mönchengladbach: Mehr Wald-Besuche zu Corona-Zeiten haben negative Folgen für die Tiere

Corona-Auswirkungen auf den Mönchengladbacher Wald : „Für die Tiere war das Stress pur“

Der Lockdown zog in Mönchengladbach mehr Menschen in die Wälder als üblich. Das bedeutete jedoch auch ein erhöhtes Müllaufkommen – und negative Auswirkungen für die Tiere in deren Setz- und Brutzeit.

Als der Corona-Lockdown fast alles zur Schließung zwang, da hatte der Wald auf. Keine Beschränkungen, stattdessen zwischen Fichte und Eiche ein für jene Zeit seltenes Freiheitsgefühl. Der Wald zog plötzlich die Menschen an – auch in Mönchengladbach. „Vor allem in der Anfangszeit war das extrem,“, sagt Udo Robling, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Mönchengladbach. Er erinnert sich an einen Sonntag im März, der Lockdown war gerade beschlossen, als er und seine Frau am Adolf-Kempken-Weg am Rande des Wickrather Walds spazieren waren. Das Bild, das bei ihm hängen blieb: „Als wäre man auf einer Kirmes gewesen. Auf dem Weg waren bestimmt 100 Leute unterwegs, die entweder in den Wald rein- oder rauswollten.“

Auch Werner Stops, Revierförster des Mags, bestätigt den Eindruck: „Wir haben ein erhöhtes Menschenaufkommen in den Wäldern festgestellt – gerade in den Waldgebieten, die nahe am Stadtzentrum liegen.“ Das könne man laut Stops auch am vermehrten Müllaufkommen erkennen. „Unsere Abfallkörbe sind prall gefüllt“, sagt der Revierförster. Gelegentlich liege der Müll auch mal daneben. Das sei aber ein grundsätzliches Problem, keines durch Corona.

Ungewohnt ist die Situation für die Tiere. Stops appelliert in diesem Zusammenhang, sich rücksichtsvoller gegenüber der Natur zu verhalten: „Wir haben durch das freie Betretungsrecht des Waldes das Problem, dass die Leute die vorgegebenen Waldwege verlassen und sich auch abseits davon bewegen dürfen. Das stört jedoch massiv die Tiere.“

Jäger Robling sagt dazu: „Für die Tiere war das Stress pur – gerade in der Setz- und Brutzeit.“ Ende April bekamen die Rehe ihren Nachwuchs. „So viele Leute sind ungewohnt für die Tiere. Sie müssen dann flüchten und neue Deckungen suchen“, sagt Robling. Er beobachtete zudem, dass die Tiere „noch heimlicher“ wurden, also sich weiter in den Wald zurückgezogen haben. Rehe habe er zeitweise kaum noch gesehen.

Grundsätzlich hat er aber Verständnis für die Menschen und ein Auge für unwissende Waldgänger. Einmal fiel ihm eine Mutter mit ihren beiden Kindern auf, die über den Ast eines alten Baumes mit Seilen eine Schaukel konstruiert hatten. „Drumherum lag sehr viel Totholz. Ich habe die Frau dann gefragt, ob ihr das nicht zu gefährlich sei? Ihr war das gar nicht bewusst. Sie hat den Jungen dann gleich von der Schaukel geholt. Aber was soll man machen, wenn Spielplätze, Tierparks und alles Weitere geschlossen hat?“

Seitdem das Leben außerhalb des Waldes wieder anläuft, nimmt allerdings auch das Menschenaufkommen im Wald ab. „Das hat sich mittlerweile wieder sehr gewandelt“, sagt Robling. Auch im Wald kehrt wieder Normalität ein.

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