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Mönchengladbach: Mehr Schiene statt Individualverkehr

Kommentar : Unser Mond ist Magdeburg

Die komplizierten mathematischen Formeln für die Kosten-Nutzen-Berechnung einer Lärmschutzwand an Bahnstrecken lassen sich auf einen einfachen Nenner reduzieren: das Geld. Und beim Ausbau der Infrastruktur ist das der entscheidende Faktor.

Man kann es kompliziert ausdrücken, wann eine Bahnstrecke Lärmschutz bekommt: NKV = (NU x dL x E x t) : K. So lautet die mathematische Formel, nach der das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer Schutzwand berechnet wird. Im Grunde ist der Mathe-Salat jedoch auf einen ganz einfachen Nenner zu bringen: Ausschlaggebend ist der Faktor G wie Geld. Und der ist aktuell viel zu klein für tausende Kilometer Bahnstrecken in der Republik, entlang derer Anwohner auf Lärmschutz hoffen.

Wenn man jahrzehntelang eine Autoindustrie pampert, die mit allen Mitteln bis hin zur Schummelsoftware an ihren eingefahrenen Modellen festhalten will, wenn wir Bürger und unser Staat gigantische Investitionen für den Individualverkehr im eigenen Automobil tätigen, dürfen wir uns über eine mangelnde Leistungsfähigkeit des vernachlässigten Verkehrsangebots auf Schienen nicht wundern.

Kurze Phantasiereise: Wo sich heute teils mehr als sechs Spuren Autobahnen erstrecken, gibt’s morgen zwei Gleise für Gütertransport, zwei für Personenzüge und nur noch zwei Spuren für Autos. Okay, es mag noch bessere Lösungen geben. Aber einen großen Umbau und ein Umdenken werden auch sie erfordern. Das ist schwierig, ja. Aber wie kündigte John F. Kennedy 1961 so schön ein Projekt der NASA an: „Wir tun all das nicht, weil es einfach ist, sondern weil es schwierig ist.“ Die Amerikaner sind so acht Jahre später auf den Mond gekommen. Wir hingegen müssen nur vernünftiger von Mönchengladbach nach Magdeburg und Mailand kommen.

holger.hintzen@rheinische-post.de