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Mönchengladbach

Erschreckend viele Fahrer unter Drogen

Bei der 26-jährigen Frau, die diesen Unfall in der Rheydter Innenstadt verursachte, verlief der Drogenvortest positiv. Foto: Polizei MG

Mönchengladbach Noch nie haben so viele Mönchengladbacher ihre Fahrerlaubnis verloren, weil sie sich unter Drogen ans Steuer setzten.

Kiffen, schnupfen, spritzen – der Trend ist erschreckend: In der Stadt müssen immer mehr Fahrer ihren Führerschein abgeben, weil sie sich unter Drogeneinfluss ans Steuer setzten. 93 Fahrerlaubnisse wurden alleine in den ersten fünf Monaten dieses Jahres entzogen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 52, davor 53. Wilfried Schlausch, stellvertretender Abteilungsleiter in der Kfz-Stelle und zuständig für Führerscheinangelegenheiten, ist sich sicher: „Es werden mehr. Die Entwicklung ist erschreckend.“ Denn wer berauscht fährt, gefährdet sich und andere. Wie zum Beispiel die 26-Jährige, die Anfang des Monats in der Rheydter Innenstadt einen Unfall baute. Die Frau hatte die Kontrolle über ihren Wagen verloren, war über eine Verkehrsinsel gerauscht und hatte dort ein Schild aus der Verankerung gerissen, das zehn Meter weit weggeschleudert wurde. Schließlich landete die 26-Jährige mit dem Auto zwischen zwei geparkten Fahrzeugen. Wäre dies alles nicht an einem Sonntagmorgen um 5.50 Uhr geschehen, hätte es Tote geben können.

Für die Polizei zählen Alkohol und Drogen am Steuer zu den Hauptunfallursachen. Um so erschreckender, dass bei Schwerpunktkontrollen innerhalb weniger Stunden regelmäßig berauschte Autofahrer in zweistelliger Zahl herausgefischt werden. Schlausch, der oft bei den Schwerpunktkontrollen dabei ist: „Man muss sich das vorstellen: Wir stehen an einer Straße in Mönchengladbach, kontrollieren in fünf Stunden vielleicht 100 Fahrzeuge und haben zehn Treffer.“ Und dann fügt er noch an: „Statistisch gesehen sitzt in jedem 15. Auto, das mir in der Stadt entgegen kommt, ein Fahrer unter Drogen. Jemand, der unberechenbar ist und der in kritischen Situationen nicht mehr reagieren kann.“

Für den stellvertretenden Leiter der Kfz-Stelle sind auch die verstärkten Kontrollen ein Grund dafür, dass immer mehr Autofahrer unter Drogen erwischt werden. Die geschulten Polizisten würden außerdem Anzeichen für einen Konsum von Betäubungsmitteln besser erkennen. Großer Redefluss, trockene Lippen und ganz kleine Pupillen seien beispielsweise Merkmale für einen Drogenkonsum. „Wer nach dem Abbiegen ohne Blinken von der Polizei angehalten wird und solche Anzeichen aufweist, darf gleich zum Drogenvortest“, sagt Schlausch.

Bescheinigt ein Bluttest den Konsum harter Drogen, dann ist die Fahrerlaubnis weg. Und zwar nicht nur für ein paar Monate, sondern erst einmal für immer. Eine Fahrerlaubnis kann erst nach einer medizisch-psychologischen Untersuchung und dem Nachweis einer längerfristigen Drogenfreiheit beantragt werden. Das kann auch Fahrer ereilen, die vor dem Umdrehen des Zündschlüssels einen Joint geraucht haben. Führerscheinverlust heißt auch oft Jobverlust, dessen ist man sich in der Kfz-Stelle bewusst. „Aber die Sicherheit im Straßenverkehr geht vor“, sagt Friedhelm Schlausch. Schließlich gelten berauschte Fahrer als „tickende Zeitbomben“. Am häufigsten werden laut Schlausch übrigens junge Männer, zwischen 19 und 27 Jahre alt, unter Drogeneinfluss am Steuer erwischt. Alkohol am Steuer sei eher ein Problem bei Frauen ab 40. „Wir hatten einmal eine Frau, die hatte mit 5,45 Promille versucht zu fahren“, berichtet der stellvertretende Kfz-Stellenleiter. Sie müsse auch heute noch zu Fuß laufen.