Mönchengladbach: Max Eberl bei der Gladbacher Bank

Hauptversammlung: Gladbacher Bank kämpft gegen Zinstief

Das Ergebnis des Kreditinstituts ist im vergangenen Jahr wegen der negativen Zinsen leicht gesunken. Die Bank will zudem beim Personal sparen. Dennoch wurde bei der Hauptversammlung deutlich: Die Bank ist kerngesund.

Eine Hauptversammlung von Aktionären kann auch eine unterhalt­same Angelegenheit sein. Als sich am Mittwoch ein aus Hamburg angereister Aktionär der Gladbacher Bank zu einem etwas längeren Vortrag zu Wort meldete und damit Vorstand, Aufsichtsrat wie auch Aktionäre unterhielt, gipfelte er in den Worten: „So ehrliche Ausführungen habe ich auf einer Hauptversammlung noch nie erlebt, das war sensationell gut“, sagte der Anteilseigner in Richtung Vorstandschef Hans-Peter Ulepic und bedauerte, nur an 15 Aktien gekommen zu sein.

Gute Laune auf einer Aktionärsversammlung wie gestern im Borussia-Park ist insofern auch nicht selbstverständlich, als dass Ulepic den Anteilseignern beileibe nicht nur gute Nachrichten wie die gleichbleibende Dividende (unterm Strich 14 Euro inklusive Bonuszahlung pro Aktie) verkündete. Das Betriebsergebnis ist 2017 um 900.000 Euro auf 6,7 Millionen Euro zurückgegangen. Auch das Durchschnittsergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme sank auf 0,93 Prozent. Unterm Strich lag der Überschuss vor Steuern im vergangenen Jahr bei rund 7,1 Millionen Euro, das waren 1,2 Millionen Euro weniger als im Jahr 2016. Vom Überschuss schüttet die Bank fast 1,4 Millionen Euro an Dividende an die Anteilseigner aus. 2,8 Millionen Euro fielen an Steuern an. Den Rückgang beim Ergebnis führt Ulepic auf den drastischen Einbruch des Zinsüberschusses zurück. Allein 2017 brach dieser Posten um 7,1 Prozent auf knapp 13,5 Millionen Euro ein. Seit dem Jahr 2010 ist er um 3,8 Millionen Euro zurückgegangen (-21,6 Prozent).

Borussias Sportdirektor Max Eberl und Stadionsprecher Torsten Knippertz diskutieren am Ende der Hauptversammlung über Borussias Situation. Foto: Andreas Gruhn

Was für die Anteilseigner aber mindestens genauso interessant ist: Eine Aktie liegt jetzt bei rund 570 Euro, 2010 waren es 307 Euro. „Wir werden auf keinen Fall Reserven ausschütten, um einmal den Aktionären etwas Gutes zu tun. Wir zahlen die Dividenden immer aus dem verdienten Ergebnis, nachdem wir das Eigenkapital der Bank gestärkt haben“, erwiderte Ulepic auf den Einwand eines Aktionärs, die Dividende doch zu erhöhen und dies den Rücklagen zu entnehmen.

Trotzdem wuchs die Gladbacher Bank, vor allem dank der Baufinanzierungen – der positive Effekt des Niedrigzinses. Die Bilanzsumme wuchs auf 743 Millionen Euro (2016: 731 Mio. Euro), das betreute Kundenvolumen legte kräftig zu auf knapp 3,2 Milliarden Euro. Grundsätzlich aber sind die Aktionäre zufrieden: Die Gladbacher Bank ist kerngesund. Der Vorstand hat eine harte Kernkapitalquote von fast 20 Prozent angesammelt, was dem Institut die beste Bewertung einbringt.

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Doch der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr ist vor allem wegen der sich noch nicht abzeichnenden Zinswende in Europa nicht besser. Der Vorstand erwartet in diesem Jahr ein Betriebsergebnis von 6,2 Millionen Euro – rund 500.000 Euro weniger als 2017. „Unsere aktuelle Fünf-Jahres-Planung sieht vor, dass wir den Tiefpunkt beim Betriebsergebnis mit 0,83 Prozent erst im kommenden Jahr erwarten müssen und uns dann mit steigenden Zinsen sukzessive wieder verbessern“, so Ulepic.

Dennoch seien die Zinsen nicht die größte Herausforderung für die Bank, sondern die Digitalisierung, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Ludwig Quacken bekannte. Quacken kündigte an, die Bank müsse kreative Ansätze entwickeln, um den Bankbesuch weiter attraktiv zu halten. Das geht aber auch mit Einsparungen bei den Mitarbeitern einher: „Wo der Kunde, insbesondere wegen einer rasant steigenden Online-Nutzung, keinen Service mehr nachfragt, müssen wir ihn auch nicht mehr in dem gleichen Maße erbringen“, sagte Ulepic und kündigte „Verschlankungen“ beim Personal an. Das soll über natürliche Fluktuation und Altersteilzeitangebote funktionieren. „Dies wird zu sinkenden Personalkosten und einer sinkenden Mitarbeiterzahl führen“, so Ulepic. Derzeit beschäftigt die Gladbacher Bank noch rund 140 Mitarbeiter in vier Geschäftsstellen, von denen die jüngste in Korschenbroich besonders gute Zahlen bei Abschlüssen von Baufinanzierungen vorgelegt habe.

Nach den Abstimmungen begann für viele der „wahrscheinliche wichtigste Teil“, wie Aufsichtsrat Quacken sagte: Die Diskussionsrunde von Borussias Sportdirektor Max Eberl mit Stadionsprecher Torsten Knippertz.

(angr)
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