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Mönchengladbach: Masterplan-Verein für Verkauf von Haus Erholung

Redaktionsgespräch : „Erbbaurecht ist Hindernis für Haus Erholung“

Die Vorsitzenden des Vereins MG3.0_Masterplan Mönchengladbach äußern sich über Parkplätze unter dem Geroweiher und das Gladbach-Tal, das Haus Erholung und das Interesse von Investoren an Mönchengladbach.

Herr Kreuder, Sie standen schon mal mit dem Bagger bereit und wollten am Geroweiher ausschachten. Das war damals als Signal gedacht. Die Umwandlung des Parkplatzes in einen See ist immer noch nicht vollzogen. Sind Sie frustriert?

Kreuder Nein, gar nicht. Grundsätzlich hätte ich zwar gern mehr Bauaktivitäten. Aber wir wissen natürlich, dass die Verwaltung an vielen Stellen Vorbereitungen treffen muss. Ab 2019/2020 wird auch mit etlichen Projekten begonnen. Wir sind sicher, dass dann viel Geplantes umgesetzt wird. Von 24 Projekten im Masterplan sind ja 16 oder 17 in der Bearbeitungsphase. Und es wurden inzwischen 40 Millionen Euro an Fördermittel akquiriert. Das sind alles sehr positive Entwicklungen.

Jetzt wird auch von einer Tiefgarage gesprochen. Der Geroweiher als Gesamtkomplex ist auch Teil des IHEK. Ist das der richtige Weg, das Vorhaben in den nächsten Jahren umzusetzen?

Otten Am Geroweiher kommen zwei Dinge zusammen: Einerseits muss das Parkplatzproblem gelöst werden, andererseits hat die Wasserfläche unterhalb des Münsters bildhaften Signalcharakter. Sie steht für eine erhöhte Aufenthaltsqualität in der Stadt, wohingegen die Ansammlung von Blechkarossen unterhalb des Münsters das Negativbeispiel darstellt. Mit einer Tiefgarage unter einer Wasserfläche werden beide Probleme gelöst.
Kreuder Das geht über die ursprünglichen Ideen des Masterplans hinaus und stellt eine qualitative Verbesserung dar.

Der Wegfall der kostenlosen Parkplätze am Geroweiher sorgt für Diskussionen.

Kreuder Ich finde es unverständlich, dass überhaupt kostenlose Parkplätze an so exponierter Stelle zur Verfügung gestellt werden. Dazu ist dieser Platz städtebaulich zu wertvoll. Es sind aber auch nicht in erster Linie die Anwohner, die dort parken, sondern diejenigen, die sich das Parkhaus sparen wollen. Das kann man gut am Wochenende beobachten.

Grimshaw wollte das Gladbach-Tal betonen und da spielte das Areal, auf dem sich jetzt die Roermonder Höfe befinden, eine wichtige Rolle. Viel zu sehen von einem Tal mit Wasserlauf ist jetzt aber nicht.

Kreuder Zum Zeitpunkt der ersten Planungen zum Verkauf des Grundstücks gab es den Masterplan noch nicht.
Otten Wir haben versucht, Einfluss zu nehmen, aber so, wie sie jetzt sind, sind die Roermonder Höfe sicher kein Glied in der Kette des Gladbach-Tals.

Ist das nicht auch ernüchternd? Wie verbindlich sind dann Ankündigungen und Entwürfe? Zum Beispiel bei der City Ost, der Seestadt?

Otten In der City Ost sind die Dimensionen so groß, dass es nicht zu Nachverdichtungen kommen wird, die das Ziel, das auch im Namen Seestadt verankert ist, gefährden. Mit Bebauungsplänen und städtebaulichen Verträgen lässt sich im Übrigen die Qualität und Größe der Freiflächen entsprechend regeln.
Kreuder Man hat heute städtebauliche Qualität stärker im Auge. Inzwischen gab es in allen neuen Bebauungsgebieten große, international besetzte städtebauliche Wettbewerbe. Zum Beispiel auch mit unserer Unterstützung bei der City Ost.

Wo steht Mönchengladbach beim Werben um Investoren? Ist die Stadt nicht auch immer gezwungen, Zugeständnisse zu machen?

Kreuder Wir müssen keine übertriebenen Zugeständnisse mehr machen. Inzwischen investieren auch ortsansässige Investoren wieder. Ein Großteil der Projekte wird regional finanziert.
Otten Es ist wichtig, das Gesamtvolumen zu steuern. Projekte wie das Maria-Hilf-Gelände dürfen nicht durch andere ähnliche Projekte kanibalisiert werden. Es ist gut, dass wir am Maria-Hilf-Gelände schon so weit sind. Jetzt muss eine stufenweise Entwicklung in der richtigen Reihenfolge folgen. Wir müssen die Stadt in ihrer Gesamtheit weiter aufwerten. Die insgesamt positive Entwicklung wird von außen wahrgenommen. Man merkt zum Beispiel auf der Immobilienmesse in München, was sich verändert hat. Die Investoren zeigen großes Interesse, ohne dass Toni Polster Torwandschießen veranstalten muss. Früher wurde dort für die Stadt in erster Linie mit der Borussia geworben.

Kommen wir zu einem aktuellen Aufreger-Thema, dem Haus Erholung. Die Stadt will das Gebäude an einen Hotelinvestor verkaufen, der einen Bettentrakt auf dem Gelände des alten Hauses Zoar baut und das Haus Erholung mit bewirtschaftet. Ein guter Schritt?

Kreuder Es gibt kein besseres und schlüssigeres Konzept. Mönchengladbach braucht zentrumsnah ein gehobenes Hotel, das zur Belebung des Abteibergs als Kulturhügel und des gesamten Zentrums beiträgt. Wir haben ein international bekanntes Museum, das von solchen Möglichkeiten ebenfalls profitieren würde. Bei der Qualität der Übernachtungen liegt Mönchengladbach in Rankings ganz weit hinten. Wir brauchen zusätzlich ein Vier-Sterne-plus-Hotel. Durch eine Kombination von Hotel, Veranstaltungen und Konferenzen würde das Haus Erholung auch wieder für die Bürger geöffnet, heute ist das nicht der Fall!

Es gibt eine Initiative, die erreichen will, dass das Haus Erholung in der Hand der Stadt bleibt und Erbpacht festschreiben will.

Otten Erbbaurecht wäre an dieser Stelle ein Riesenhindernis, das das ganze Projekt gefährdet. Eine ganz massive Behinderung oder gar Verhinderung. Und ich frage mich: Was haben die Bürger letztendlich vom Erbbaurecht?
Kreuder Das Haus Erholung ist derzeit ein dauerhaftes Zuschussgeschäft für die Stadt. Durch einen Verkauf kann man Geld generieren, das in die Stadtentwicklung fließen kann, und es gleichzeitig für den Publikumsverkehr öffnen.

Das Haus Erholung ist für viele Bürger sicher auch ein emotionales Thema. Was ist bisher falsch gelaufen?

Otten Es hat sicher an Kommunikation gefehlt. Beim Masterplan haben wir gezeigt, dass man mit Bürgerbeteiligung vieles bewegen kann. Man sollte noch eine Veranstaltung durchführen, um die Bürger zu informieren. Zum Beispiel auch darüber, wie der Platz vor dem Haus Erholung gestaltet werden kann, wenn der Eingang zum Hoteleingang wird.

Wie soll der Platz denn aussehen? Beschreiben Sie das einmal.

Otten Das Haus Erholung wäre das Gesicht des neuen Hotels, der Eingang zur Tiefgarage würde in Richtung P &C verlegt. An dieser Stelle würde ein neues schmales Gebäude das Parkhaus verdecken. Zwischen dem Haus Erholung und dem Museum Abteiberg würde so ein neuer Platz entstehen. Dazu passt dann auch gut das sehr gelungene Stadtmauerhaus gegenüber dem Museum. Zurzeit fehlt dort noch die Verbindung zur Hindenburgstraße, aber diese wird nun auch in Angriff genommen. Gleichzeitig würde durch eine Belebung des Hauses Erholung der Berggarten, der jetzt im Dornröschenschlaf liegt, für die Bürger angemessen erschlossen. Aber all das muss jetzt angestoßen werden. Das Zeitfenster für solche Projekte steht nicht ewig offen Jetzt sind die Zinsen niedrig, jetzt wollen die Investoren anlegen.

Ein vergleichsweise kleines Projekt in einem großen Ganzen ist die Stadtbibliothek. Gefallen Ihnen die Umbaupläne?

Kreuder Obwohl wir uns einen Neubau an der oberen Hindenburgstraße gewünscht hätten, ist es gut, dass das Problem endlich gelöst ist.

Wie sieht es mit Haus Westland und den 19 Häusern aus? Wie wichtig ist dieses Projekt für die Stadt?

Otten Es ist ein sehr schönes städtebauliches Konzept, das in Schritten umsetzbar ist. Die Umgestaltung des Europaplatzes wertet auch den hoffentlich bis dahin renovierten Bahnhof ganz entscheidend auf.

Das Riesenprojekt „Altes Polizeipräsidium“ steht vor der Überplanung. Was muss geschehen, damit die Leitidee des Masterplans nicht verfälscht wird?

Otten Die Verbindung zwischen Hochschule und Altem Polizeipräsidium mit dem Hochschulplatz in der Mitte ist ein zentrales Projekt des Masterplans. Für mich ist es immer erbärmlich zu sehen,, wie die Körperschaften von Bund, Land und Stadt miteinander umgehen wie Pferdehändler. Es gibt keine gemeinsame Zielrichtung. Es fehlt das Bewusstsein für das öffentliche Allgemeininteresse Das Land müsste doch froh sein, neben der Hochschule über eine Fläche wie das Polizeipräsidium zu verfügen, damit dort neue Möglichkeiten eröffnet werden können. Wir brauchen ein marktgerechtes Verhalten der öffentlichen Hand.