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Mönchengladbach: Masernimpfung ab März in Kitas Pflicht

Neue Regelung : Masernimpfung ab März in Kitas Pflicht

Kinder, die nicht gegen Masern immunisiert sind, werden dürfen bald nicht mehr in Kindergärten aufgenommen werden. Die Stadt erwartet keine größeren Probleme. Hartnäckige Impfverweigerer seien selten.

Vor 14 Jahren kam es in Mönchengladbach zum letzten großen Masernausbruch. 2006 erkrankten 178 Menschen in der Stadt an der hochansteckenden Infektionskrankheit. Mönchengladbach hatte damals die zweithöchste Fallzahl in ganz Nordrhein-Westfalen zu beklagen. Doch seitdem hat sich viel getan.

Eine Aufklärungs- und Impfkampagne vor allem der Kinderärzte hat zu einer hohen Impfrate in der Stadt geführt. Bei der Einschulung sind 98,2 Prozent aller Kinder einmal gegen Masern geimpft. 94,6 Prozent verfügen auch über die zweite Impfung. Weil die Quoten so gut sind, erwartet Sozialdezernentin Dörte Schall auch keine größeren Probleme, wenn ab 1. März die Impfpflicht gilt und nicht gegen Masern geimpfte Kinder nicht mehr in eine Kita aufgenommen werden dürfen.

Aber die Stadtverwaltung sieht sich vorbereitet, was die Umsetzung des Infektionsschutzgesetzes angeht. Beim Anmeldegespräch  in der Kita wird in Zukunft der Impfstatus des Kindes abgefragt, Eltern müssen entweder den Impfpass vorlegen oder ein ärztliches Attest, das beispielsweise eine Immuneinschränkung oder einen anderen medizinischen Grund für eine Nicht-Impfung des Kindes bestätigt. Auch die Eltern der  bereits in der Kita befindlichen Kinder müssen entweder Impfpass oder Attest vorweisen. Sollten die Kinder noch nicht geimpft sein, muss die Impfung nachgeholt werden.

Die Sozialdezernentin befürchtet keine Widerstände. „Zu den 1,8 Prozent der Kinder, die keine Masernimpfung haben, gehörten auch solche, beispielsweise zum  vorgesehenen Zeitpunkt der Impfung erkrankt waren und deshalb nicht geimpft wurden“, erklärt Schall. „Oder die Eltern stammen aus Ländern, wo die Masernimpfung nicht verbreitet ist und haben aus Unkenntnis gehandelt.“  Die Eltern seien fast immer bereit, die Impfung vornehmen zu lassen.

Die Zahl renitenter Impfgegner liegt vermutlich unter einem Prozent. Deshalb setzt die Stadt auch auf Kommunikation statt auf Drohungen.  „Wenn Fälle auftreten, in denen Kita-Kinder nicht geimpft sind, werden wir als erstes mit den Eltern reden und erklären, warum das Impfen nötig ist“, sagt die Sozialdezernentin. Wie reagiert wird, wenn die Eltern die Impfung verweigern, ist noch offen.  Die Stadt wartet noch auf dann landesweit gültige Handlungsanweisungen. Auch die Schulen warten noch auf entsprechende Reglungen des Schulministeriums. Grundsätzlich können Bußgelder von bis zu 2500 Euro verhängt werden.

Die Mitarbeiter in Kindertagesstätten – ebenso die in Flüchtlingsunterkünften oder Senioreneinrichtungen – wurden schon darüber informiert, dass sie ihren Impfstatus überprüfen müssen. Die Kitas haben zudem Merkblätter bekommen, anhand derer sie den Impfkalender nachvollziehen können, um zu wissen, wann welche Impfung normalerweise durchgeführt wird.

Das Masernschutzgesetz wurde am 20. Dezember 2019 vom Bundesrat gebilligt. Es sieht vor, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bei Eintritt in den Kindergarten und später in die Schule die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen müssen.

„Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten beim Menschen“, erklärt das Bundesgesundheitsministerium. „Gerade bei Kindern unter fünf Jahren und Erwachsenen können Masern zu schweren Komplikationen führen.“ Dazu gehören Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen, Durchfälle oder eine Gehirnentzündung. Eine meist tödlich verlaufende Spätfolge ist die SSPE, die subakute sklerosierende Panenzephalititis, die sieben Jahre nach einer akuten Maserninfektion auftreten kann.