100. Geburtstag Immer mit offenen Augen durch die Welt

Mönchengladbach · Martha Kessler feierte ihren 100. Geburtstag mit ihrer Familie und den Bewohnern des Helmuth-Kuhlen-Hauses in Rheydt. Tanz und Musik durften dabei nicht fehlen. Anschließend gab es noch ein schönes Abendessen in kleinem Kreis.

 Matha Kessler feierte ihren 100.Geburtstag im Helmut-Kuhlen-Haus.

Matha Kessler feierte ihren 100.Geburtstag im Helmut-Kuhlen-Haus.

Foto: Reichartz,Hans-Peter (hpr)

100 Jahre alt zu werden, ist etwas Besonderes. Martha Kessler hat sich auf diesen Tag gefreut. Immer wieder blickt sie fragend in die Runde ihrer Familie, der beiden Enkel und der kleinen Urenkelin: „Wann gehen wir runter?“ Als es dann soweit ist, wird sie in der Cafeteria des Helmuth-Kuhlen-Hauses von den anderen Bewohnern schon mit einem Blumenstrauß und einer großen Geburtstagstorte, verziert mit bunten Sternchen, erwartet. Die Sterne stehen für das bunte Leben und die positive Einstellung, die Martha Kessler stets begleitet hat.

Sie hat sich immer für andere eingesetzt und ist nicht gerne allein. Auch unter den Bewohnern des Helmuth-Kuhlen-Hauses, in dem sie seit rund einem Jahr lebt, sucht sie Gesellschaft. „Kennen Sie denn noch andere 100-Jährige?“, wird sie von einer der Betreuerinnen gefragt. „Nein, aber die werde ich bestimmt noch kennenlernen“, sagt Martha Kessler prompt. Das tut sie dann auch, als die Bewohner ihr jeder eine Rose überreichen: Gertrud Heidrich, die ebenfalls in diesem Jahr 100 wurde, gratuliert herzlich.

Ein Tänzchen darf an diesem Tag nicht fehlen. Zusammen mit ihrem Enkel und ihrer Urenkelin, eröffnet Kessler die Tanzfläche. Tanzen und Musik waren immer ihre große Leidenschaft. Bis zu ihrem 90. Lebensjahr war sie in zwei Tanzgruppen aktiv.

Martha Kessler wurde am 29. Dezember 1918 geboren, sie wuchs im Sudetenland in der Ortschaft Proboštov, die im heutigen Tschechien liegt, auf. Ihr Vater arbeitete als Klemptner. Nach der Schulzeit arbeitete sie auf dem Feld oder half im Haushalt. Sie lernte ihren Mann kennen, den sie im Zweiten Weltkrieg in Stalingrad verlor.

Sie ist die Jüngste von insgesamt zehn Geschwistern. In den 1950er Jahren kam sie als Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in ein Übergangslager in der Nähe von Hamburg. Ihre nächste Station war Boizenburg, wo sie in einer Plattenfabrik arbeitete. Von dort kam sie nach Mönchengladbach. Ihre einizge Tochter lebte bereits in der Vitusstadt. Hier fand sie Arbeit in einer Textilfabrik und war zuerst an den Maschinen und später im sogenannten Musterzimmer eingesetzt.

Ihr Ehrentag war mit der Feier noch nicht beendet. Im Anschluss führte sie ihre Familie zum Abendessen aus. Ein schöner Abschluss für einen ereignisreichen Tag.