Mönchengladbach: Mahnglocken läuten zum Gedenken an Reichspogromnacht am 9. November

In allen christlichen Kirchen : Glocken läuten zur Erinnerung

Am Samstagabend lassen alle christlichen Kirchen in Gladbach in Gedenken an die Pogromnacht am 9. November 1938 die Glocken erklingen.

Der 9. November – bei diesem Datum erinnern sich nicht nur Menschen in unserer Stadt an die schrecklichen Ereignisse von vor 81 Jahren, als organisierte Schlägertrupps - Nationalsozialisten und ihre Anhänger - gewaltbereit durch die Straßen zogen. Sie zündeten Synagogen an, demolierten und plünderten Häuser und Geschäfte, auch bei uns. Es war der Tag, an dem tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Deutschlandweit brannten mehr als 2000 Synagogen.

In dieser so genannten Kristallnacht wurden auch die Synagogen in Gladbach, Rheydt und Wickrath zerstört. In den „Rheydter Nachrichten“ vom 11. November 1938 heißt es, dass auch jüdische Geschäfte demoliert wurden. In Zivil gekleidete SA-Leute sollen in Wohnungen jüdischer Einwohner eingedrungen sein und diese verwüstet haben. Mehr als 50 jüdische Männer sollen im Polizeigefängnis „in Schutzhaft“ genommen und die meisten ins Konzentrationslager Dachau abtransportiert worden sein. Die Pogromnacht am 9. November, so lehrt die Geschichte, war der Anfang einer unvorstellbaren Gewalt, die die Ermordung von sechs Millionen Juden zur Folge hatte.

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit organisieren in Kooperation mit der Stadt jedes Jahr das Gedenken an diese Nacht. Die diesjährige Gedenkfeier am Samstag, 9. November, 18 Uhr, steht unter der Überschrift „Erinnern für die Zukunft“. Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners wird am Mahnmal der am 9. November 1938 zerstörten Synagoge an der Blücherstraße (neben der Stadtbibliothek) einen Kranz niederlegen.

Der evangelische Pfarrer in Ruhe Hans-Ulrich Rosocha ist Vorsitzender der ACK, er sagt im Gespräch: „Nach dem Anschlag gegen die Synagoge in Halle und der Ermordung zweier Menschen, kann das heutige Gedenken ein Zeichen des Mitgefühls und der Solidarität mit der jüdischen Gemeinde unserer Stadt sein. Zusätzlich werden von 21.50 Uhr bis 22 Uhr die Glocken aller christliche Kirchen läuten zum Gedenken an den 9. November 1938, als die Synagogen in unserem Land und in unserer Stadt brannten und zerstört wurden.“

Hans-Ulrich Rosocha, evangelischer Pfarrer in Ruhe. Foto: Franz Josef Ungerechts

Der Klang der dumpfen Totenglocken (auch Mahnglocken) aller katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirchen soll an das Leid erinnern, dass den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zugefügt wurde, insbesondere an die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im gesamten damaligen deutschen Reich. „Das Gedenkläuten will aber auch auf die schweigende Hinnahme dieses furchtbaren Unrechts durch die christlichen Kirchen hinweisen“, sagt Pfarrer Rosocha. Regionalvikar Pfarrer Klaus Hurtz ruft dazu auf, durch die Anwesenheit bei der Gedenkfeier „unseren Zusammenhalt und unsere Solidarität“ zu zeigen, und gemeinsam bewusst auf das Glockenläuten aller Kirchengemeinden zu horchen. „So können wir uns erinnern, in welcher Unmenschlichkeit das Wegschauen und Weghören in der Vergangenheit geführt haben“, sagt Hurtz.

Bereits auf ihrer Frühjahrsvollversammlung hatte die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Mönchengladbach, Korschenbroich und Jüchen der Idee eines Gedenkläutens an diesem Tag zugestimmt. Die Jüdische Gemeinde Mönchengladbach sowie die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Mönchengladbach hatten ebenfalls ihre Zustimmung zu einem solchen Gedenkläuten signalisiert.

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