Mönchengladbach: Macher für die Spitze des Rathauses gesucht

Mensch Gladbach : Macher gesucht

Der Wahlkampf weht durch die Stadt – und es stellt sich die Frage nach dem richtigen Mix aus Strategie und Person. Wer etwas ändern will, muss sich der Wirklichkeit stellen.

Die Politiker in Mönchengladbach wechseln in den Wahlkampfmodus. Das liegt weniger an der Europawahl in zwei Wochen, die zwar wichtig ist, sich aber im lokalen Polit-Kosmos unserer Stadt nicht in großen Aktivitäten niederschlägt. Was daran liegt, dass kein Politiker aus Mönchengladbach ins Europaparlament einziehen wird.

Nein, es ist schon die Kommunalwahl die eineinhalb Jahre vor dem Termin zu spüren ist. Kennzeichen: Die im Rathaus Regierenden, CDU und SPD, betonen bei jeder Gelegenheit, was sie gemeinsam alles bewegt haben (zum Besseren, versteht sich). In den nächsten Monaten wird die Groko-Harmonie übrigens seltener auftreten, stattdessen werden die Partner das eigene Profil betonen, um für den Wähler unterscheidbarer zu sein. So sind die Regeln der Politik.

Die Opposition, Grüne, FDP und Linke, wird noch stärker in den Schwachstellen der Groko bohren als bisher. Einen Vorgeschmack bot diese Woche das kleine, aber leidenschaftlich ausgefochtene Scharmützel um einen möglichen Umzug des BIS-Zentrums an den Abteiberg, bei dem selbst CDU-Männer aneinander gerieten. Es wird also mit härteren Bandagen gekämpft. Im besten Fall wird das spannend und zu etwas Fruchtbarem führen.

Das ist auch nötig. Denn der Aufbruchstimmung scheint gerade etwas die Luft auszugehen. MG +, die Strategie der „Wachsenden Stadt“, die im Rathaus alles dominiert, ist für die Bürger nicht richtig sichtbar und deshalb zu abstrakt. Bei den angekündigten Großprojekten drehen sich noch nicht die Kräne. Es gibt gute Ideen, aber zu viele bisher nur auf dem Papier. Es gibt Potenzial, das aber nicht mutig genug gehoben wird. Und: Das Wachstum der „Wachsenden Stadt“ spielt nicht richtig mit. Die höhere Einwohnerzahl ist laut städtischer Statistik vor allem auf Migration zurückzuführen. Die zunehmenden Sozialausgaben strangulieren den Haushalt. Die realen Einkommen der Bürger sind zwar gestiegen, im NRW-Vergleich ist Mönchengladbach aber auf schlechtere Plätze als noch vor Jahren gerutscht.

Das ist nicht dramatisch, aber eben auch nicht so prima, wie es von manchem verkauft wird. Wer etwas ändern will, muss sich klug der Wirklichkeit stellen. Der Mann oder die Frau, die mit der Wahl 2020 ins Oberbürgermeisteramt rückt, sollte also nicht nur einen klaren Plan, sondern auch die Ausdauer haben, ihn umzusetzen.

Dass es an der Spitze des Rathauses einen Wechsel geben wird, ist sicher. CDU-Amtsinhaber Hans Wilhelm Reiners tritt nicht mehr an, seine Pension für die sechs Amtsjahre hat er sich gleich zu Beginn gesichert und freut sich nun auf mehr Zeit mit den Enkeln. Die Nachfolge ist bei seiner Partei noch offen. Interessenten gibt es viele. Die SPD wird ihren jung-dynamischen Fraktionschef Felix Heinrichs aufstellen, der auch für CDU-Anhänger als wählbar gilt. Die anderen Parteien wollen ebenfalls Kandidaten küren.

Entscheidend wird sein, wer das Amt füllen kann – mit Leidenschaft und einem guten Gespür für das Grundrauschen der Stadt.

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