Krankenhaus in Mönchengladbach 50 Jahre voller innovativer Ideen

Mönchengladbach · Die LVR-Klinik in Rheydt öffnete 1972 ihre Türen. Warum sie bald als Reform-Klinik galt und vor welchen Herausforderungen das Krankenhaus heute steht.

 Feierten gemeinsam 50 Jahre LVR-Klinik in Mönchengladbach: (v.l.) Felix Heinrichs, Susanne Stephan-Gellrich, Jochen Möller, Dorothee Enbergs, Stephan Rinckens und Peter Fischer

Feierten gemeinsam 50 Jahre LVR-Klinik in Mönchengladbach: (v.l.) Felix Heinrichs, Susanne Stephan-Gellrich, Jochen Möller, Dorothee Enbergs, Stephan Rinckens und Peter Fischer

Foto: Rick, Markus (rick)/Markus Rick (rick)

Für eine Klinik sind 50 Jahre vielleicht ein eher überschaubarer Zeitraum. Aber sie reichen aus, um eine überzeugende Erfolgsgeschichte zu schreiben. Und das ist der LVR-Klinik in Rheydt gelungen. Gefeiert wurde das Jubiläum im Haus Erholung.

Bis in die 1970er Jahre hinein waren psychisch kranke Menschen oft noch in Bettensälen untergebracht, behandelt wurden sie mit aus heutiger Sicht fragwürdigen Methoden, die Kranken lebten abgeschirmt vom Rest der Welt. Was im Rahmen der Feierstunde deutlich wurde: Die LVR-Klinik war, als sie 1972 ihre Pforten in dem ehemaligen Rheydter Krankenhaus öffnete, in vielerlei Hinsicht innovativ. Da war er noch zu spüren, der Geist der Alt-Achtundsechziger. Beatrice Wolters zeigte ihren Film, ließ Zeitzeugen zu Wort kommen. Doktor Alexander Veltin, Leitender Landesmedizinaldirektor war dabei allen in bester Erinnerung.

In Zeiten des Radikalen-Erlasses waren viele Bedienstete der ersten Stunde DKP-Anhänger. Veltin konnte die Balance herstellen zwischen diesen und den eher konservativen Kräften. Die Betriebszeitung hieß „Nervensäge“ , das Haus galt schon bald als Reform-Klinik, war nicht so streng hierarchisch organisiert. Mit Neubaumaßnahmen und der liebevollen Restaurierung der alten Bausubstanz wurde die Grundlage für die Entwicklung der LVR-Klinik geschaffen. „Wir haben derzeit 170 stationäre Plätze, in der Tagesklinik stehen 66 Plätze zur Verfügung“, sagte der ärztliche Direktor Stephan Rinckens. Hinzu kommt die Ambulanz.

Im Jubiläumsjahr gebe es große Herausforderungen wie Kostensteigerungen und Fachkräftemangel. An Patienten mangelt es dagegen nicht. Das machte Professor Arno Deister, Psychiater, Psychotherapeut und Wissenschaftler, in seinem Vortrag deutlich: „5,2 Prozent der Einwohner werden psychiatrisch behandelt. Sie leiden vor allem an Demenz, Angststörungen, Depressionen oder Abhängigkeiten.“ Und er fügte hinzu: „43 Prozent der Menschen, die vorzeitig verrentet werden, leiden unter einer psychischen Erkrankung.“ Diese Erkrankungen verursachen bundesweit Kosten von 500 Millionen Euro – pro Tag. Was der Professor und Wissenschaftler betonte: „Autonomie ist für die Patienten wichtig, aber auch Solidarität. Die Bedürfnisse dieser Menschen müssen der Maßstab für das Gesundheitswesen sein. Diesbezüglich ist ein Paradigmenwechsel erforderlich.“ Für diesen Satz erntete er Applaus.

Torsten Knippertz, der durch das Programm führte, kündigte auch Elke Prestin an, sie ist Versorgungsforscherin und Betroffene. Daher weiß sie, dass psychisch Kranke oft Scham empfinden und Angst haben. Sie fürchten gesellschaftliche Ausgrenzung und sozialen Abstieg. Ihr Credo: „Die Ökonomie muss der Medizin dienen, nicht umgekehrt.“ Psychisch Kranke seien „mehr als Symptome auf zwei Beinen“. Es gelte, alle Mittel auszuschöpfen, um Zwangsmaßnahmen zu vermeiden.

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