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Mönchengladbach: Lina Höttges machte ein triales Studium

Handwerk in Mönchengladbach : Lina Höttges: Mit meisterlicher Ausbildung in die Autowerkstatt

Als Frau in Autowerkstätten begegnete Lina Höttges vielen Vorurteilen. Sie hat es aber allen gezeigt: Die 26-Jährige hat nun in kurzer Zeit zwei Ausbildungen, die Meister-Fortbildung und das Studium absolviert. Über eine herausragende Karriere im Handwerk.

Lina Höttges hat schon früh gemerkt, dass man sich als Frau in Autowerkstätten anders behaupten muss. Sie erinnert sich noch genau an den Spruch, der sie am meisten getroffen hat. „Das schafft die nie“, sagte einer, als sie vor Jahren ihre Idee von der bestmöglichen Ausbildung zur Karosseriebauerin und Fahrzeuglackiererin entwickelte. Jahre später hat sie einen im gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf bisher einmaligen Ausbildungsweg abgeschlossen und kann sagen: Sie hat so viel mehr geschafft.

„Warum soll eine Frau das nicht können?“, sagt Lina Höttges. Sie hat es allen gezeigt. „Ich bin ehrgeizig und hatte auf meinem Weg im Handwerk immer wieder herausfordernde Begegnungen, denen ich beweisen wollte, dass auch eine ,Tussi‘ in dieser Branche bestens Zuhause sein kann.“

Die 26-Jährige hat nach dem Abitur an der Marienschule erst eine Berufsausbildung zur Fahrzeuglackiererin abgeschlossen und dann das triale Studium an der Hochschule Niederrhein begonnen. Jetzt hat sie den zweiten Gesellenbrief nach der Berufsausbildung zur Karosserie- und Fahrzeugmechanikerin, den Meisterbrief als Fahrzeuglackiererin und ganz frisch das Hochschulzeugnis als Bachelor of Arts im Fach Handwerksmanagement-Betriebswirtschaftslehre. Und das alles in der Regelstudienzeit von fünf Jahren. Sie hat im zweiten Jahrgang angefangen, aber ist als erste ins Ziel gekommen.

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„Lina Höttges hat das ohnehin sportliche Pensum des Trialen Studiums noch einmal getoppt“, sagt Andreas Ehlehrt, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf. Und Professor Harald Vergossen lobt: „Wir sind begeistert von ihrem Durchhaltevermögen und ihrem Einsatz. Das triale Studium ist nicht leicht, aber es bereitet perfekt auf die Selbstständigkeit vor.“

Es waren allerdings auch entbehrungsreiche Jahre. „Ich hätte nicht gedacht, was für ein riesiger Druck von mir abfällt“, sagt Lina Höttges. Sie hätte auch direkt studieren können. „Aber ich wollte nicht nur im Büro arbeiten, sondern von der Pike auf lernen, wie es in einer Werkstatt läuft.“ Ihre ersten beruflichen Schritte machte sie im Familienbetrieb, später in einem anderen Unternehmen. Montags bis donnerstags war sie im Betrieb tätig, freitags und samstags folgte dann der Hochschul-Teil der Ausbildung. Und sonntags lernte sie oder arbeitete in der Werkstatt, um Gelerntes auszuprobieren und um Lackiertechniken zu testen. Zwischendurch machte sie noch die Zusatzqualifikation zur Schadenmanagerin.

Die Fahrzeuglackierer-Ausbildung schloss sie als Jahrgangsbeste an der Berufsschule ab,  bei der Ausbildung zur Karosserie- und Fahrzeugmechanikerin war sie Jahresbeste  im Kammerbezirk Düsseldorf, und in der Meisterprüfung gehörte sie zu den Besten.

Inzwischen ist sie selbst als Dozentin in der Meisterschule der Handwerkskammer Düsseldorf für Fahrzeuglackierer tätig. Und die guten Jobangebote kamen reihenweise. Bis Jahresende gönnt sie sich eine Pause und beginnt dann in einem Betrieb in Krefeld. Die Selbstständigkeit hat sie aber im Visier.

Wie ein Betriebsübergang funktionieren kann, hat sie in ihrer Bachelor-Arbeit untersucht. Das Thema lautete „Bewältigung von Konflikten bei der Übergabe von Handwerksbetrieben“. Ihre Erkenntnis: „Das hat sehr viel mit Kommunikation zu tun.“ Oftmals werden elementare Dinge wie der Zeitrahmen und Verantwortlichkeiten nicht genau geklärt. Wenn es auch noch innerhalb einer Familie funktionieren soll, wird es nochmal komplizierter. „Der Übergeber muss sein Lebenswerk, sein Baby loslassen“, sagt Höttges. „Familienfremde Betriebsübergaben funktionieren deshalb oft besser, weil sie nicht emotional behaftet sind.“

Bis sie ihre neue Stelle in Krefeld antritt droht Langeweile, es ist ungewohnt, so viel Zeit zu haben. „Ich habe jetzt angefangen ein bisschen im Haus zu lackieren“, sagt sie. „Und ich helfe in einem Corona-Testzentrum aus.“