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Mönchengladbach: Liederabend in der Rheydter Hauptkirche

Konzert in Mönchengladbach : Walzerfreude in der evangelischen Kirche

Laura Zeiger und Alexander Tremmel, sangen und ein gut aufgelegter Kantor Udo Witt verriet, dass er für ein solches Programm vor 30 Jahren eine Abmahnung bekommen hätte.

So entspannt hat man Kirchenmusikdirektor Udo Witt selten erlebt. Locker plaudernd bindet er sich am Ambo der evangelischen Hauptkirche eine weiße Fliege um und schlüpft in einen Frack – um keck zu gestehen: „Für dieses Programm hätte ich vor 30 Jahren ‘ne Abmahnung bekommen.“ Denn Sopranistin Laura Zeiger und Tenor Alexander Tremmel haben exklusiv Weltliches auf der Pfanne: Operetten-Couplets, Chansons und Wiener Lieder.  „Es geht immer um die Liebe – und was gibt es Christlicheres als die Liebe?“, fragt der Kantor die 140 Gäste. Dann nimmt er am Klavier Platz, als Begleiter.

Temperamentvoll fängt der Liederabend an mit dem Duett „Komm mit nach Varasdin“ aus der Operette „Gräfin Mariza“. Laura Zeiger, Stimmbildnerin des Rheydter Knabenchores und der Rheydter Mädchenkurrende, und Duettpartner Alexander Tremmel singen, tanzen und schäkern wie auf einer Theaterbühne. Die Stimmen klingen geschmeidig und nuanciert, aber auf die Akustik der Kirche muss sich das Duo erst einstellen. Das bessert sich beim Strophenlied „Ich bin die Christel von der Post“ aus dem „Vogelhändler“, wo Laura Zeiger ihren lichten, in der Höhe strahlkräftigen Sopran mit kesser Mimik schmückt. Famos gelingt ihr morendo der hohe Schlusston der Romanze aus Dostals Operette „Ungarische Hochzeit“. Fabelhaft auch, wie sie als Adele im Couplet „Mein Herr Marquis“ aus „Die Fledermaus“ notierte Lachsalven gesanglich wie spielerisch umsetzt.

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Der lyrische Tenor Alexander Tremmel vom Theater Lüneburg schwärmt mit Robert Stolz von den blühenden Bäumen im Wiener Prater, preist die Liebe in „Es muss was Wunderbares sein“ und persifliert köstlich beim Song „In der Bar zum Krokodil“. Hingabe prägt seine Interpretation der Hymne „Wien, du Stadt meiner Träume“. Klar, Tremmel ist dort geboren. Dass er nach dem Walzer-Duett „Lippen schweigen“ um Verständnis bittet, dass es nur eine einzige Zugabe geben werde, hat einen Grund: Der Bräutigam muss zum Bahnhof, weil er am nächsten Tag heiraten will. Doch der  Tremmel hat die Rechnung ohne den Witt gemacht. Der stimmt überraschend den flotten Galopp „Hei, heute Morgen mach‘ ich Hochzeit“ des Doolittle aus „My Fair Lady“ an. Da haben alle ihren Spaß, besonders der mitsingende Bräutigam.