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Mönchengladbach: Lehrer kritisieren Arbeitsbedingungen an Schulen

Unterricht in Mönchengladbach : Lehrer kritisieren Arbeitsbedingungen an Schulen

Die Gewerkschaften bemängeln, die Corona-Pandemie habe länger herrschende Missstände offen gelegt. Es gebe unter anderem Personalmangel und zu wenig Räume.

Lehrermangel, fehlende Digitalisierung, Raumnot, Sanierungsstau: Die Stadtverbände des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und der Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft (GEW) haben die Zustände an den Schulen der Stadt kritisiert. Das, so GEW-Vorsitzende Ruth Reinartz, gebe es schon sehr lange, es trete aber aufgrund der Corona-Pandemie jetzt deutlicher hervor. „Hinzu kommen Themen wie Home Schooling, Hygiene- und Abstandsregelungen“, sagt Reinartz, die Lehrerin an der Hauptschule Kirschhecke ist.

Sie und ihre Kollegin Melanie Kuhlen, Vorsitzende der GEW-Personalräte für Lehrkräfte an Grundschulen und Lehrerin an der Grundschule Schulstraße, fühlten sich während des Lockdowns alleine gelassen zwischen Zuständigkeitsproblemen bei städtischem Schulträger und Schulministerium Nordrhein-Westfalen: „Zur Zeit der Maskenpflicht konnten Stadt und Land nicht entscheiden, wer von ihnen die Aufgabe erledigt, ausreichend Masken für Lehrer und Schüler zu beschaffen. Es folgten sehr kurzfristige, teils einander widersprechende Information rund um Schulöffnungen. Das Ganze hatte kein klares Konzept“, beklagt Kuhlen.

Jetzt, im angepassten Regelbetrieb, sei die Lage noch prekärer, schildert Emrah Bektas, DGB-Stadtverbandsvorsitzender: „Wir haben wieder Präsenzunterricht, aber viele Lehrer, die als Risikopatienten gelten, stehen hierfür nicht zur Verfügung.“ Der Lehrermangel verstärke sich, Seiteneinsteiger, die ein durchaus geringeres Gehalt als ihre pädagogisch ausgebildeten Kollegen erhalten, gibt es zwar, aber oftmals sei es für sie aufgrund ihres fehlenden pädagogischen Hintergrunds schwerer, die Schüler voranzubringen, so Bektas. Es müsse mehr Geld in den Bildungssektor investiert werden, um dessen Qualität zu erhalten.

Reinartz wünscht sich, dass alle Schüler vom städtischen Träger mit Laptops ausgestattet werden. „Ohne Digitalisierung darf es heute keinen Unterricht mehr geben. In Gladbach sind die Geräte auch bereits beantragt, es ist allerdings unklar, wann sie ausgeliefert werden.“

Digitalisierung unbedingt, aber bitte im Präsenzunterricht: „Home Schooling unterstütze ich zumindest bis zum Studentenalter nicht. Die persönliche Beziehung zwischen Lehrer und Schüler, die Einzelförderung vor Ort zählt. Und auch der konkrete Austausch der Schüler untereinander. Es geht in der Schule nicht nur um kognitives, sondern auch um soziales Lernen“, erklärt Reinartz.

Letzteres sieht die Stadt ähnlich. Schuldezernent Gert Fischer und auch die Schulamtsdirektoren in finden, Homeschooling könne den klassischen Unterricht nur ansatzweise ersetzen. Lernen auf Distanz sei für viele Kinder verheerend gewesen, sagte Fischer zum Start ins Schuljahr. Selbst mit den nötigen digitalen Geräten ausgestattet, gebe es in vielen Familien kaum Möglichkeiten, Lernorte zu schaffen. Für viele Lehrer sei das Distanzlehren ebenfalls schwierig gewesen, sagt Schulamtsdirektor Martin König.