Debatte in Mönchengladbach zur Wahl im Mai Landtagskandidaten in der Schule aufgerufen

Mönchengladbach · Fünf Politiker referierten an der Espenstraße ihre Positionen zu Lehrermangel, Klima und Digitalisierug. Das Interesse der Jugendlichen war groß. Wie können sie stärker an Politik teilhaben? Auch dazu gab es Antworten.

 Diskutiert wurde in der Turnhalle der Schule.

Diskutiert wurde in der Turnhalle der Schule.

Foto: Ilgner,Detlef (ilg)/Ilgner Detlef (ilg)

Wegen der Menge der Themen und der Kürze der Zeit gab es zwangsläufig keine tiefer gehende, inhaltliche Debatten bei der Podiumsdiskussion mit Landtagskandidaten, die Schüler an der Gesamtschule Espenstraße in Rheydt organisiert hatten. Fast immer blieben die Gäste aus der Politik bei einer knappen Darstellung der eigenen Position. Kandidaten aus fünf von sechs Parteien, die nach der Wahl im Mai im Landtag von NRW vertreten sein wollen, hatten zugesagt. Der große Andrang und die voll besetzte Tribüne in der Sporthalle der Schule zeigten das große Interesse, sich zu informieren.

Schülersprecherin Aygmur Avcilar brachte es auf den Punkt: „Für einige ist es das erste Mal, dass sie wählen dürfen. Hier erhalten sie ebenso wie alle Schüler Entscheidungshilfen.“ Die Podiumsdiskussion, von Tutor Edwin Jakisch betreut und neben Avcilar von Narthagei Nagalingam und Armin Brandt mit Fragen „gefüttert“, spannte einen Bogen von der Bildungspolitik über die Corona und Klima bis zur Teilhabe Jugendlicher am politischen Leben.

Keiner der Diskussionsteilnehmer bezweifelt, dass es Lehrermangel an Schulen gibt. Es gebe ein Problem bei der Besetzung der vorhandenen Stellen, meint Lena Zingsheim-Zobel von den Grünen. Darin stimmt sie mit dem FDP-Landtagsabgeordneten Andreas Terhaag überein. Es werde noch einige Jahre dauern, bis der Mangel durch mehr ausgebildete Lehrer behoben werde, so Terhaag. Michael Roth, der für die SPD kandidiert, fordert deshalb einen erleichterten Zugang zum Lehrerberuf für Quereinsteiger.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jochen Klenner findet, der Lehrerberuf müsse attraktiver werden, dazu müssten  die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Sebastian Merkens (Die Linke) sieht einen Fehler im System. Der „ideologische Streit“ zwischen Gesamtschule und dem dreigliedrigen Schulsystem schade ebenso wie die freie Wählbarkeit des Arbeitsplatzes für Lehrer. Soziale Brennpunkte blieben da unterbesetzt.

Die bisher „vernachlässigte Digitalisierung der Schule“, so  Zingsheim-Zobel, müsse beendet werden. Die Digitalisierung sei die einzige Möglichkeit, zukunftssicher zu sein, glaubt Merkens. Roth fordert digitale Endgeräte für alle, und Terhaag sieht NRW auf einem guten Weg in die digitale Zukunft. Einig waren sich die Kandidaten, dass auch die Lehrer besser auf den Umgang mit digitalen Möglichkeiten geschult werden sollten, wobei der Präsenzunterricht immer oberste Priorität haben müsse.

Ausgerechnet die Corona-Pandemie hat an den Schulen dazu beigetragen, dass die Digitalisierung zu einem Schwerpunktthema wurde. Fast jeder dritte Schüler und viele Lehrer litten immer noch unter der Pandemie und dem ständigen Wechsel zwischen offenen und geschlossenen Schulen, beklagt Nagalingam. Ein Stück Kindheit und Jugend sei verloren gegangen, deshalb seien Beratung und Hilfe erforderlich, sagt Roth. Von einer Langzeitaufgabe spricht Klenner: Wo beginnt der Gesundheitsschutz und wie weit geht das Recht auf Bildung? Die sozialen Belastungen seien nicht von heute auf morgen zu beheben, ergänzt Terhaag. Es bedürfe einer psychosozialen Begleitung von Lehrern und Schülern, sagt Zingsheim-Zobel. Merkens glaubt nicht, dass viel passiert, um die Corona-Folgen in den Schulen zu mildern oder zu beseitigen: „Es fehlt das Geld.“

Die Klimapolitik müsste das beherrschende Thema bei der Landtagswahl sein, meint Merkens. Aber es werde auch in Mönchengladbach am Tagebaurand verdrängt. Ausbau von Windkraft und Photovoltaik ist für Roth ein Weg aus der Klimakrise. „Raus aus der Kohle, rein in die Sonne“, fordert Terhaag. Klenner hält Veränderung bei der Energiegewinnung, aber auch beim Energieverbrauch für nötig.

Die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre könnte eine Möglichkeit sein, Jugendliche stärker an der Politik teilhaben zu lassen. Das ist aber nicht nach Meinung aller Kandidaten der richtige Weg. „Auf die Straße gehen“, schlägt Merkens vor. Man müsse den Mund aufmachen wie bei Fridays for Future. Politiker direkt ansprechen, sagt Roth. Zingsheim-Zobel fordert eine attraktivere Mitbestimmung. Klenner sieht die Jugendparlamente als mögliche Ergänzung, um Interessen der Jugendliche zu thematisieren. Terhaag empfiehlt jedem politisch interessierten Jugendlichen, einmal bei den Jugendorganisationen der Parteien hineinzuschnuppern.

Sieger und Verlierer konnte es bei der Diskussion nicht geben. „Aber wir haben Einblicke in Positionen gewonnen“, fand Avcilar am Ende.

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