Mönchengladbach: Land sucht Käufer für Polizeipräsidium

Stadt hat eigene Pläne für das Landes-Grundstück: Land wirbt um Käufer für das Präsidium

Der Stadt droht Konkurrenz bei der Entwicklung des alten Polizeipräsidiums: Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb bot das Areal auf der Immobilienmesse Expo Real Interessenten an. Das sorgt im Rathaus für Ärger, konkrete Pläne fehlen.

Normalerweise freut man sich als Stadt, wenn über einen gesprochen wird. Das taten die Mönchengladbacher Vertreter auf der Immobilienmesse Expo Real in München in den vergangenen Tagen gerne und regelmäßig kund. Die Freude über einen Beitrag des landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) über Mönchengladbach allerdings war doch sehr verhalten. Denn der Landesbetrieb warb auf der internationalen Investorenschau in der bayerischen Landeshauptstadt intensiv um einen Käufer für das alte Polizeipräsidium. Nur wenige Schritte vom Messestand der Gladbacher entfernt verkündete eine Broschüre des BLB auf einer Doppelseite: „Im Herzen von Mönchengladbach - Objekt mit Entwicklungspotenzial.“

Diese an mögliche Käufer gerichtete Werbung sorgte in der Mönchengladbacher Stadtspitze für Irritationen. Denn das Rathaus sähe es am liebsten, wenn eine Projektgesellschaft unter Beteiligung der Stadt, der Hochschule und anderen Partnern das Areal entwickelt, und zwar mit einer hochschulnahen Nutzung. Von Dienstleistungen und hochschulnaher Nutzung ist auch in dem Verkaufsprospekt die Rede. Das könnte für private Investoren interessant sein, was der Stadt Konkurrenz schaffen würde. „Wir haben unser Interesse sehr deutlich hinterlegt“, sagte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. Stadtdirektor und Planungsdezernent Gregor Bonin betonte, es sei verabdredet, dass bis April 2019 an dieser Stelle nichts passieren werde. „Das und die Verfügbarkeit des Objekts ermöglichen es uns, zu planen“, so Bonin. Das passt natürlich nicht zu einem auf einer Immobilienmesse angepriesenen Verkauf des Komplexes durch den BLB als Eigentümer.

Um noch nicht sehr ausgereifte Planungen für das Präsidium hatte es zuletzt reichlich Ärger gegeben. Die SPD hatte moniert, die Stadt habe seit Bekanntwerden des Umzuges der Polizei ins neue Präsidium und dem Beschluss eines Rahmenplans noch nichts Konkretes erarbeitet. SPD-Fraktionschef Felix Heinrichs hatte sich deshalb im Juli massiv verärgert gezeigt: „Seit Jahren wird darüber gesprochen, dass dieses Areal leer wird. Jetzt ist es so weit, und es ist nicht gelungen, eine Nachnutzung zu finden.“ Die Situation ist paradox: Denn die Stadt hat ein Vorkaufsrecht, muss aber nachweisen, dass sie das Areal für soziale Zwecke oder vordringliche städtebauliche Projekte braucht.

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Ein wesentliches Element in der städtischen Argumentation ist die enge Verzahnung mit der Hochschule Niederrhein. Das geht auch aus der Beschlussvorlage zur Gründung einer Campus Mönchengladbach GmbH hervor, die im Hauptausschuss mehrheitlich angenommen wurde und heute auf der Tagesordnung des Stadtrats steht. Darin wird die im Masterplan MG 3.0 ausgeführte „Hochschulachse“ mit der räumlichen Entwicklung beschrieben. Der Campus solle sich zum Landschaftspark Dahl ausweiten, vor allem aber in Richtung Osten über die Theodor-Heuss-Straße und das Areal des alten Polizeipräsidiums bis zum Monforts-Quartier. Ein Ende 2017 „Letter of Content“ zwischen Stadt und Hochschule sieht außer dem Rahmenplan und dem Campus-Park auch einen Bahnhaltepunkt Hochschule (inzwischen vom Tisch), die Fahrradstraße Blaue Route und einen Parkplatz an der Rheydter Straße vor. Der GmbH sollen Vertreter der Stadt und deren Tochter EWMG, der Hochschule und des BLB angehören. Mit der Gesellschaft soll die Entwicklung der Hochschule noch stärker unterstützt und mitgesteuert werden, heißt es.

Die Grundstücksfläche des alten Polizeipräsidums wird im Verkaufsprospekt mit 35.297 Quadratmetern (Mietfläche 16.650 Quadratmeter) beschrieben. Weite Teile stehen unter Denkmalschutz. Und: „Für eine Nachnutzung müssen Heizung und Versorgungsleitungen neu errichtet werden.“

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