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Mönchengladbach: Kriminalität und Sicherheit - was ist los in der Stadt?

Kriminalität in Mönchengladbach : Was ist nur los in dieser Stadt?

Der tödliche Sturz aus einem Laubengang, Jugendbanden, die abends die Hindenburgstraße zu ihrem Reich erklären - was ist nur los in Gladbach? Das subjektive Sicherheitsgefühl erlebt mit jeder Nachricht über Kriminalität einen neuen Schlag.

Der Gladbacher an sich hat ja normalerweise große Probleme damit, seinen Lokalpatriotismus zu verbergen. Gefragt nach seiner Herkunft, antwortet man ja für gewöhnlich ohne zu Zögern „na aus Mönchengladbach“, und nicht wenige hängen mindestens in Gedanken ein laut gebrülltes „Prussja!“ dran, wenn man nicht ohnehin schon danach gefragt wird: Ach ja, Borussia. Damit ist man dann ja auch schon zufrieden.

Im Moment sind die Reaktionen von Unkundigen bei der Preisgabe des Heimatortes aber wesentlich gemischter. „Ach ja, da war doch jetzt wieder ein totes Baby.“ Oder: „Die Stadt der Hells Angels.“  Die Salafisten sind immerhin aus den meisten Köpfen inzwischen wieder verschwunden. Wir könnten diese Reihe aber in dieser Woche ergänzen mit einem tödlichen Sturz aus einem Laubengang. Und Jugendbanden, die abends die Hindenburgstraße zu ihrem Reich erklären und Blödsinn anstellen bis hin zu Verbrechen begehen – wie es bis kürzlich noch am Marienplatz in Rheydt der Fall war. Was ist nur los?

Das ist eine gute Frage, auf die sich aber erst einmal eine einfache Antwort geben lässt: Wir sind eine Großstadt. Und damit haben wir auch Probleme, wie es sie in Großstädten nun einmal gibt. Erstaunlich ist nur, dass man außerhalb von Mönchengladbach solche schlimmen Nachrichten viel mehr wahrzunehmen scheint, als dies andernorts der Fall ist. Woran denken Sie bei Düsseldorf? Kö und Bling bling vielleicht, ein bisschen Fortuna noch. Aber den wenigsten dürfte in den Sinn kommen, dass die Altstadt jetzt aufgrund vieler Gewaltprobleme und krasser Sicherheitsprobleme nun eine Waffenverbotszone ist. Sobald es um ein Gefühl und ganz besonders um ein Sicherheitsgefühl geht, ist alles auch ein bisschen eine Imagefrage. Womit aber nicht gesagt ist, dass es reicht, ein bisschen Puderzucker über die Großstadt-Probleme zu rieseln, die Mönchengladbach ja ohne Frage hat. Man muss sich dem Problem auch stellen.

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Für viele ist es erst einmal ein Sicherheitsproblem. Ja es kann einem im Moment mulmig werden, abends über die Hindenburgstraße zu gehen und mitzubekommen, was dort manchmal los ist. NRW-Innenminister Herbert Reul machte in dieser Woche noch Wahlkampf in Mönchengladbach und versprach harte Linien, nicht nur gegen Clans, sondern gegenüber allen Kriminellen. Das mag die Sicherheit und das damit verbundene Gefühl kurzfristig verbessern. Aber behebt das auch die Ursachen? Kriminalität entsteht dort, wo Unzufriedenheit gedeiht, wo die soziale Schere immer weiter auseinanderklafft, wo viele Jugendliche von ihren Eltern und Großeltern nichts anderes als Arbeitslosigkeit kennen und genau diese Perspektive auch für sich einnehmen. Da ist Mönchengladbach auf einem Niveau mit Duisburg und Gelsenkirchen. Mehr Polizisten und Ordnungskräfte sind die Lösung für Sicherheitsprobleme, aber nicht für die ursächlichen sozialen Probleme. Das eine tun, ohne das andere zu lassen. Und was jeder Gladbacher tun kann ist: aufeinander Acht zu geben und Fremden erzählen, dass es in dieser Stadt so viel Gutes gibt und nicht nur Kriminalität.