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Mönchengladbach: Krankenhaus Neuwerk setzt Band gegen Sodbrennen ein

Krankenhaus in Mönchengladbach : Eine Perlen-Kette stoppt Sodbrennen

Das „Linx-Band“ verhindert den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre. Das Krankenhaus Neuwerk hat Spezialisten für die Methode.

Aufstoßen, Sodbrennen, ein bisweilen unangenehmer Geschmack im Rachen, Schluckstörungen – das alles sind Auswirkungen einer Magenerkrankung, bei der der Inhalt des Magens die Speiseröhre hinaufgedrückt wird. Das Sodbrennen als aufschießende Magensäure oder Gallensekret ist am bekanntesten. Doch gibt es auch andere Mageninhalte, die bei einem Reflux den falschen Weg in Richtung Hals antreten. Medikamente helfen bei einem solchen Rückfluss, dem Reflux, nicht immer, manchmal ist eine Operation der letzte Weg, wenn das „Ventil“ am Übergang zwischen Speiseröhre und Mageneingang nicht richtig funktioniert.

Ein wenig stolz ist das Adipositas- und Refluxzentrum am Krankenhaus Neuwerk schon, dass dort eine Operationsmethode bei Refluxerkrankten praktiziert wird, für die Prof. Frank Granderath, Chefarzt der Allgemeinchirurgie in Neuwerk, ein Spezialist ist. Es handelt sich dabei um das Linx-Reflux-Management, eine Operation, bei der die natürliche Barriere des Körpers gegen den Reflux wiederhergestellt wird. „Das passiert ohne gravierende anatomische Veränderungen und mit weniger Nebenwirkungen“, sagt Granderath, der die Methode entwickelt hat. Dabei wird eine kleine, flexible Kette aus Titan-Perlen mit Magnetkern um die Speiseröhre am Mageneingang gelegt. „Die magnetische Anziehung zwischen den Perlen hält den Mageneingang geschlossen, so dass der Rückfluss von Inhalten aus dem Magen verhindert wird“, ergänzt Oberarzt Dr. Jan Franzen. Die in minimal-invasiven Verfahren unter Vollnarkose installierte Kette öffnet sich beim Schlucken, um Speisen durchzulassen. Dem Druck beim Aufstoßen hält sie hingegen stand.

Als Allheilmittel gegen die Erkrankung sehen die beiden Mediziner das Linx-Band, das sie jährlich rund 25-mal einsetzen, indes nicht. „Es gibt verschiedene Methoden, um Reflux operativ zu behandeln, wenn Medikamente nicht wirken.  Patient und Methode müssen zusammenpassen“, erklärt Granderath. Das Linx-Band sei eine gute Methode mit wenig Aufwand. Zwar sei sie nicht für jeden Patienten geeignet, aber sie sei eine gute Möglichkeit, um größerer Operationen zu vermeiden. Ein Drittel der behandelten Patienten erlebe eine Verbesserung, bei einem Drittel gebe es keine Veränderung, beim Rest komme es sogar zu einer Verschlimmerung oder zu einer Wiederkehr, erklärt Franzen offen. „Wir befinden uns auf dem Gebiet der funktionalen Chirurgie“, ergänzt der Professor. Bei einer Veränderung die körpereigenen Funktionen komme es auch auf die subjektive Wahrnehmung des Patienten an, ob er sich danach besser fühle oder nicht.

Bei vielen ist das Band aber eine neue Hilfsmöglichkeit, meint der Chirurg, der sich nicht nur durch diese Methode einen Namen gemacht hat, sondern auch durch die bis zu 60 jährlichen Revisionsoperationen, bei denen er zuvor in anderen Kliniken wegen Reflux operierte Patienten erneut operiert. Jüngst wurde er vom Nachrichtenmagazin „Focus“ als Top-Mediziner für Anti-Reflux-Chirurgie ausgezeichnet.

Marion Baum gehörte zu den mit dem Linx-Band versehenen Patienten. „Bei mir ist die Magensäure bis in den Mund zurück geflossen.“ Sie klagte über massives Sodbrennen und war adipös; wobei Reflux und starkes Übergewicht nicht unbedingt Ursache und Wirkung sind. Bei ihr hatte die Band-Methode nicht so angeschlagen wie gewünscht, ihr wurde in einer zweiten Operation ein Magenbypass gelegt. Das Linx-Band war der weniger aufwändige Eingriff gewesen. Sie war froh, zuerst mit dem Linx-Band behandelt worden zu sein, auch wenn es nicht den von allen gewünschten Erfolg gebracht hatte – funktionale Chirurgie halt. Die Patientin hat trotzdem viel dadurch gelernt. „Ich muss meine Lebensumstände meinem Zustand anpassen.“

Und dazu gehören, von Granderath auch generell für jeden gewünscht, fünf kleinere Mahlzeiten pro Tag statt der üblichen drei großen. Dank intensiven Kauens helfen die kleineren Mahlzeiten dem Magen bei der Nahrungsaufnahme und der Verdauung allemal mehr und beugen dem Rückfluss der Inhalte vor.