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Mönchengladbach: Konzert 2018 von Santana (71) vor 9500 Fans

Santana in Mönchengladbach : Mit dem Fahrrad mal eben zu Santana

Die Gitarren-Legende begeistert beim Konzert mit Band in Gladbach nicht nur Nostalgiker, sondern auch viele junge Menschen.

19.40 Uhr. Carlos Santana betritt die Bühne. Regenmantel, Hut, Gibson-Gitarre. Bereits nach Soul Sacrifice, dem ersten Song auf seiner Setliste, legt der 71 Jahre alte Mexikaner die in grellem Orange leuchtende Jacke ab.

Um 20.02 Uhr steht der Sparkassenpark, der an diesem Mittwochabend eigentlich komplett bestuhlt ist. Frauen schließen die Augen und tanzen selbstvergessen der Sonne entgegen. Über die Leinwände laufen passende Filmsequenzen. Die achtköpfige Begleitband schafft es spielend, aus Tönen pure Energie zu machen. Santanas Gitarrenspiel lässt sich am ehesten als eine Mischung aus dem Ziehen, dem Bending der Saiten beschreiben, das durchaus etwas ungenau klingt, aber eben den typischen Sound schafft, und seinen „Arbeits-“ und Effektgeräten.

Carlos Santana und Band spielten am Mittwochabend im Sparkassenpark. Die grelle Regenjacke legte der Altmeister nach dem ersten Lied ab. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Das kann man natürlich so analysieren, theoretisch gesehen, hat aber an diesem Abend  nichts verloren. Wäre den rund 9.500 Fans auch völlig schnurz. Und träfe die Atmosphäre auch nicht.

Im Gegenteil. Vielmehr fällt auf, dass es Santana mühelos schafft, ein Heer aus kurzärmeligen Karohemden zum lateinamerikanischen und afro-kubanischen Rhythmuspersonal zu machen. Aber selbst diese „Zusammenarbeit“ von Band und Publikum reicht ihm nicht. Er greift selbst zum Percussioninstrument und feuert damit beide „Partner“ an. Wie Lava fließt die Musik vom Bühnenrand Innenraum.

Was ihn um 20.08 Uhr zu der Bemerkung hinreißen lässt: „We are in Hawaii. This is Hawaii.“ Soll noch mal einer sagen, der Sparkassenpark sei nur ein Hockeystadion. Meint jedenfalls Beatrix Krapohl. Sie ist gekommen, „um diese Legende noch einmal zu hören und das Gänsehautfeeling zu spüren“. Schwester Nicole ist mit ihrem Partner mit dem Fahrrad gekommen: „Von uns aus sind es knapp 15 Minuten zum Konzert.“ Dirk ist selbst Musiker: „Dieses Gitarrenspiel kann man nicht kopieren, da steckt Seele drin, eine Message. Andere Gitarristen spielen sicher schneller, aber ohne dieses besondere Gefühl.“

Jens Fleck trägt das aktuelle Tour-Shirt. Er und Frau Birgit haben die Karten seit dem Frühjahr: „Wenn er schon mal in Gladbach ist, muss man da einfach hin.“ Während der Show hält es auch Karl Sasserath nicht auf dem Sitz: „Santana habe ich als junger Mann in der Philipshalle gehört, zusammen mit Bob Dylan und Joan Baez. Santana ist ein Musiker, der sich im Laufe seiner Karriere sicher fünfmal neu erfunden hat.“ Und Horst Faure hat das Ziel, nicht nur „diesen Gott an der Gitarre zu erleben, sondern alle Helden aus meiner Jugend, so lange ich das noch kann.“

Dabei geht es an diesem Abend nicht allein um Nostalgie. Neben langen bunten Kleidern, Stirnbändern und Paisleymuster, sind viele jüngere Menschen im Publikum, die Woodstock allenfalls aus dem Plattenschrank ihrer Eltern kennen.

Die Songs der rund 20 Stücke umfassende Setlist gehen zum Teil nahtlos ineinander über. Darunter natürlich Klassiker wie Oye Como Va, Mona Lisa und Maria Maria. Auch Black Magic Woman, obwohl das Stück nicht auf der ursprünglichen Liste stand. Dafür fiel Samba Pa Ti weg, was nur wenige schmerzlich vermisst haben. Erstaunlich war die Coverversion von John Lennons Imagine. Eigenartig spröde, aber darum umso eindringlicher gesungen von Schlagzeugerin Cindy Blackman Santana. Sie ist seit fast acht Jahren mit Carlos verheiratet. Je länger der Abend dauerte, umso treibender wurde Carlos Santana, und umso ausgedehnter wurde improvisiert. Wobei dies auf einem perfekt hohen Niveau geschah. Das Timing der Band war unvergleichlich. Was die beiden Percussionisten Karl Perazzo und Paoli Mejias im Zusammenspiel mit Bassist Benny Rietveld ablieferten, war auf den Punkt gespielt.

Und wäre dies nicht schon mehr als genug, wurden sie von den beiden Sängern Andy Vargas und Ray Greene, der auch Posaune spielte, mit Schellenkränzen und Guiro unterstützt. Und dann waren da ja noch der gewichtige Gitarrist und Sänger Tommy Anthony, sowie Keyboarder David K. Mathews, die den Rest der Musik besorgten. Wobei dies durchaus ehrfürchtig gemeint ist. Insgesamt eine Mischung aus Latin, Funk, Jazz und Blueselementen.

Um 20.58 Uhr fragte Herr Santana dann in die Runde: „How do you feel?“ Das war nach Mona Lisa. Klar, dass die Fans sich wohlfühlten, was Kamera und Bildregie eindrucksvoll belegten. Als Credo gab Santana dann Richtung vor: „When you go crazy with joy, it heals everything. Go freaking bananas.“ Oder so ähnlich. Jedenfalls war das die Initialzündung zur neuerlichen und endgültigen musikalischen Eruption. Als Zugabe dann ein Schlagzeug­solo von Frau Santana. Frenetisch bejubelt von den Zuschauern. Da waren sie schon reichlich infiziert von der Energie auf der Bühne. 

Stephan und Ina aus Hochneukirch halten am Ende der Show selig ihre aufgeblasenen Plastikgitarren in den Händen. Stephan hatte die Karten zum Geburtstag von der Tochter bekommen. Sie hat offensichtlich alles richtig gemacht.