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Mönchengladbach: Kommentar zur Forderung nach Verbot von Böllern zu Silvester

Kolumne Mensch Gladbach : Haben wir einen Knall?

Silvester ohne Böllerei? Für die einen verlockend, für die anderen Blödsinn. So sinnlos die Knallerei auch ist, dürfte ein Verbot der Luftqualität in der Stadt weniger helfen als kluge Verkehrspolitik.

Der Mensch lässt es gerne knallen. Hier und da mal einen Sektkorken, wenn’s mal wieder etwas zu feiern gibt. Autotuner mögen’s laut am Auspuff und stellen sich deshalb in Internetforen gerne die Frage, was sie denn tun können, damit es hinten laut knallt (Tipp: Bohnen essen). Ja selbst Kinder lassen gerne Kaugummiblasen mit einem lauten Knall platzen. Für die einen ist das alles bestimmt schön, aber eigentlich auch entbehrlich. Was uns zu Silvester führt: Ist die Knallerei schön oder entbehrlich, oder am Ende gar beides? So einig sind sich die Gladbacher darin nicht.

In dieser Woche forderte die Deutsche Umwelthilfe die Stadt Mönchengladbach dazu auf, das Böllern in der Silvesternacht zu verbieten, und verwies auf die Grenzwerte für Feinstaub der Weltgesundheitsorganisation WHO. Der wird in Mönchengladbach laut der Umwelthilfe nicht eingehalten. Nun ist diese Forderung an fast 100 Städte bundesweit verschickt worden, was die Umwelthilfe natürlich öffentlichkeitswirksam auch gleich mitgeteilt hat. In erster Linie handelt es sich dabei also mal um einen lauten Knall, der provozieren soll, aber auch nachhallt. Denn die Stadt muss das jetzt sorgsam rechtlich prüfen. Man will ja nicht am Ende von einem Gericht ein Silvesterknallverbot verordnet bekommen wie andere ein Dieselfahrverbot.

Man kann bei der Frage „knallen oder nicht?“ durchaus geteilter Ansicht sein. Ich gebe gerne zu: Ich habe noch nie geböllert. Es bereitet mir eben keine Freude. Das heißt aber nicht, dass Feuerwerk nicht schön ist. Raketen am Himmel schaue ich mir gerne an, ein gutes Feuerwerk ist große Kunst. Das können in meinen Augen gerne auch Privatleute tun. Was ich aber nicht nachvollziehen kann sind reine Knallkörper. Die nichts anderes tun als laut zu sein wie ein Auspuff unterm getunten Auto. Warum? Wer hat etwas davon außer den Herstellern von China-Böllern und Hunde-Beruhigungstropfen? Dann macht es bumm. Sang Gerd Müller. Dann macht es puff und dann fallen alle Bäume und Kühe um, ließ Loriot Familie Hoppenstedt sagen.

 Immerhin muss man sich aber gar nicht in eine solche Debatte begeben, um zu einer Einschätzung zu kommen: Muss das nun in Mönchengladbach verboten werden? Das halte ich für übertrieben. Verbote können nur das letzte Mittel sein, wenn gar nichts mehr funktioniert. Aber die Stadt hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie in der Lage ist, die schlechte Luft auch mit anderen Mitteln in den Griff zu bekommen. Die Friedrich-Ebert-Straße war über Jahre eine Feinstaub-Problemzone. Dort wurde der Verkehr reduziert und das Tempo gedrosselt – jetzt werden die rechtlich gültigen Grenzwerte eingehalten. Die Aachener Straße hatte jahrelang große Probleme mit Stickoxid, sodass Mönchengladbach auch im Dieselskandal zur Zielscheibe der Umwelthilfe wurde. Auch dort wurde der Verkehr gedrosselt und ein Lkw-Fahrverbot eingeführt. Seitdem klappt’s auch mit Stickoxid. Solche Maßnahmen bringen für die Luft viel mehr als das Verbot von einmal Böllern im Jahr. So lange die aktuellen Grenzwerte gültig sind, so lange ist die Forderung nach einem Verbot auch nur ein lauter Bumms.