Mönchengladbach: Kommentar Mensch Gladbach - Rheydt braucht eine Initialzündung

Kolumne Mensch Gladbach : Rheydt braucht eine Initialzündung

Leerstand, Schmutzecken, maroder Hauptbahnhof – die Innenstadt von Rheydt braucht dringend gute Impulse. Die wird es mit neuem Rathaus und Hochschulquartier geben. Aber auch akute Hilfe ist nötig.

Wenn es um ihre Innenstadt geht, reagieren die Rheydter empfindlich. Das hat viel, aber nicht nur mit der 1975 im Zuge der Gebietsreform vollzogenen Vereinigung mit Mönchengladbach und Wickrath zu einer Stadt zu tun. Vielmehr erinnern sie sich daran, wie es vor gar nicht allzu langer Zeit noch war: Da reisten samstags viele Menschen aus der Region an, um in Rheydt einkaufen zu gehen, oft garniert mit einem Restaurantbesuch danach. Auch heute gibt es noch sehr gute Gründe, in der Rheydter Innenstadt einkaufen zu gehen. Denn es gibt noch immer wohlsortierte, exzellent beratende und inhabergeführte Geschäfte und Gastronomie-Betriebe. Doch es werden immer weniger. In der Fußgängerzone stehen immer mehr Läden leer, C & A ist raus, in der benachbarten Galerie verabschiedet sich nach vielen anderen zum Jahresende auch Frequenzbringer Saturn. Es gibt Schmutzecken, Angsträume, marode Gebäude, allen voran der Hauptbahnhof.

Jetzt ist es nicht so, dass nichts gemacht worden wäre: Der Marktplatz wurde vor einigen Jahren gelungen umgestaltet, der Innenstadtkern wurde richtigerweise wegen der besonderen Nachkriegsarchitektur als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt. Rund um den Marktplatz haben Hauseigentümer Fassaden saniert. Das Gesamtbild hat sich verbessert. Doch die guten Impulse haben an Kraft verloren, neue sind dringend nötig.

Als Kommune in der Haushaltssicherung kann Mönchengladbach nur in einem engen Korsett agieren. Nur wenn Fördergelder fließen oder Einsparpotenzial gegeben ist, stimmt die Bezirksregierung als Aufsicht zu, dass Geld für größere Projekte in die Hand genommen werden kann. Vor diesem Hintergrund wird klar, weshalb zwei aktuelle Vorhaben wichtig sind, damit Rheydt eine Chance für einen nachhaltigeren Aufschwung hat.

Dazu gehört das neue Rathaus. Nicht nur, weil es architektonisch einen Akzent setzen, sondern weil es für Frequenz sorgen wird: 1000 zusätzliche städtische Mitarbeiter und deutlich mehr Publikumsverkehr als heute, weil sämtliche Behörden am Marktplatz zentriert werden. Diese Menschen werden einkaufen, Kaffee trinken, essen gehen. Ja, sie werden auch Parkplätze belegen. Die Vorteile wiegen das jedoch auf. Noch spannender sind die Pläne für das neue Hochschulquartier und das alte Polizeipräsidium. Weniger Verkehr, mehr Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer, Grünzonen, Sichtbarmachen von studentischem Leben, Gründer-Szene, Kultur. Das strahlt bis zum Marktplatz aus – und wird, wenn es zündet, neue Gruppen, nämlich junge Kreative, in die Innenstadt ziehen und für eine andere Atmosphäre sorgen. Und mit dem wahrscheinlichen Umzug der Rheydter Wache in den dann neu gebauten Hauptbahnhof verschwände ein Schandfleck.

Fünf bis sieben Jahre werden bis dahin mindestens vergehen. Die Bauarbeiten und der zwischenzeitliche Wegzug der heute rund 900 Stadtmitarbeiter werden die Lage für Einzelhandel und Gastronomie verschärfen. Wie viele werden das durchhalten? Wichtig ist also auch, die akute Hilfe für die Rheydter City nicht zu vergessen. Wir Konsumenten können auch dazu beitragen.