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Mönchengladbach: Kolumne Mensch Gladbach - Mehr Narrenfreiheit!

Kolumne Mensch Gladbach : Mehr Narrenfreiheit!

In den Tagen des Straßenkarnevals ist alles erlaubt: Provokation, Kritik, Ausgelassenheit und sogar dauerhaft gute Laune. Was Mönchengladbach von den Narren lernen kann.

Männer als Frauen. Frauen als Nonnen oder Teufelinnen. Manche mit Mut zur Hässlichkeit. Andere wunderschöne Märchenwesen. Oder in Uniform. Auf jeden Fall ist alles gar nicht ernst gemeint, sondern eine einzige große Parodie. Das ist Karneval. Und Aschermittwoch ist alles vorbei. Aber warum eigentlich? Denn für Mönchengladbach ließe sich einiges von den Narren lernen.

1. Weiber stürmen das Rathaus: Beim Frauenanteil in Politik und führenden Posten der Stadtverwaltung ist noch deutlich Luft nach oben: Nur 30 Prozent der 68 Ratsmitglieder sind weiblich. Der Oberbürgermeister ist ein Mann – und das wird auch nach der Wahl im September so bleiben: Denn CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke gehen mit männlichen Kandidaten ins Rennen. Unter den mehr als 3000 städtischen Mitarbeitern sind die Frauen zwar in der Mehrheit, bei Führungspositionen jedoch weit unter 30 Prozent. Unter den fünf Beigeordneten ist nur eine Frau.

2. Der Wert der Narrenfreiheit: Fürsten und andere Herrscher hielten sich bewusst Hofnarren. Ihre Aufgabe bestand zum einen darin, für Erheiterung zu sorgen. Sie hatten oft aber auch eine politische Funktion: Denn sie waren die einzigen, die den Regenten öffentlich kritisieren und ihm die ungeschönte Wahrheit sagen durften. Nicht selten spiegelten sie ihm auch wider, wie die Stimmung im Volk war. Als Spaßmacher und Künstler waren sie zudem meist gute Analysten des Zeitgeschehens. Ihre Einschätzung war wertvoll. War sie dem Herrscher öffentlich  zu unangenehm, hatte er ein Hintertürchen: Er konnte es als Narretei abtun. Es ist aber ein Zeichen von Klugheit und Stärke, auch unangenehme Wahrheiten zuzulassen. Denn nur dann lässt sich darauf reagieren. Es gibt auch in Mönchengladbach mächtige Entscheider, die das können. Bitte mehr davon!

3. Parodieren statt mitmarschieren: Der rheinische Karnevalist in Uniform wirkt martialisch, dabei ist er eigentlich nur  eine Persiflage – nämlich auf die einst ungeliebten französischen, später die preußischen Besatzer und eigentlich auf alles Militärische. Zwar waren die Preußen an der Gründung mancher Festkomitees beteiligt, aber das ungeordnete Treiben widersprach ihrer ausgeprägten Disziplin. Eine gesunde Mischung aus Wildheit und Ordnung täte manchen allzu rigiden Satzungsvorgaben in unserer Stadt gut.

4. Das Unperfekte ausleben: Den Wunsch nach Makellosigkeit und ewigem Erfolg über Bord werfen und einfach mal bekloppt sein. Das ist ein sehr moderner Ansatz. Quer und kreativ denken, auch mal scheitern, aufstehen und das Nächste probieren. Das sind Grundprinzipien der Gründerszene, aus denen schon Weltunternehmen entstanden. Auch Mönchengladbach will für Start-ups attraktiv sein. Weshalb also nicht diese karnevalistische Stärke auf andere Zeiten des Jahres übertragen?

5. Über sich selbst lachen: Wenn die Opposition mal wieder argumentativ ins Schwarze trifft, Bürger mit Protest ein vermeintlich sensationelles Projekt verhindern – wer wird denn da gleich in die Luft gehen? Sich selbst nicht so ernst nehmen  macht mehr Spaß und bringt einen meist auch noch weiter.

In diesem Sinne: Ein richtig närrisches Wochenende!