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Mönchengladbach: Kolumne Denkanstoß von Burkhard M. Kuban

Denkanstoß : Konfinopoly

Unser Autor beobachtet, dass Jugendliche auch ohne Elektronik Spaß haben.

Wenn die Sprache auf die Zukunft der Kirche kommt, sehen manche diese als sehr düster an. Es mangelt an Nachwuchs (das gilt leider für beide großen christlichen Konfessionen), und die Jugend interessiert und beschäftigt sich nicht mehr mit dem Glauben. Mit diesem Denkanstoß halte ich eine Gegenrede, erlebt am vergangenen Samstag im Gemeindezentrum Rheydt-West. Sie erinnern sich? Es war ein herrlicher Sommertag. An diesem versammelten sich zwischen 10.30 Uhr und 16.30 Uhr etwa 120 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus dem Kirchenkreis Gladbach-Neuss, um sich in einem vielfältigen Wettstreit an zwölf Stationen mit den „Ich-bin-Worten“ Jesu aus dem Johannesevangelium in unterschiedlichster Weise auseinanderzusetzen. Da wurde gemalt und gepuzzelt, geschmeckt und gedacht, balanciert und überlegt. Zwölf x 15 Minuten für jede Gruppe: zu Tod und Auferstehung, Licht, Brot, Weg, Wahrheit, Türen, Weinstock. Vielfältig und abwechslungsreich wie das Leben.

Begonnen und geendet wurde mit einer Andacht, gesungen ohne jegliche Unterstützung durch ein Instrument. Und zwar ein recht altes Kirchenlied „Jesu geh voran“ (EG 391). Völlig aus der Zeit gefallen, teilweise mit Worten, die heute kein Mensch mehr benutzt. Was schnell wie Überforderung und an den Jugendlichen vorbei geplant aussieht, entpuppte sich als das Gegenteil. Hochkonzentriert waren die Jugendlichen und ihre Betreuer dabei. Weil es uns als Vorbereitungsteam augenscheinlich gelungen ist, die vermeintlich alten Worte in die Lebenssituation der Jugendlichen zu transportieren und zu vermitteln, dass auch ohne elektronische Medien Information und Spaß zu haben sind. Zumindest an diesem Tag. Dies ist ein Geschenk, das nur teilweise zu beeinflussen ist. Aber es funktioniert. Wobei ich natürlich nicht weiß, wieviel von dem, was die Jugendlichen dort erlebt und gelernt haben, nun mit ihnen durch ihren Alltag geht. Außer den Siegerurkunden, die zumeist einen Ehrenplatz im Gemeindehaus oder Konfiraum einnehmen.

„Was würde Jesus dazu sagen?“ Mit dieser Frage, die der Theologe Martin Niemöller gestellt hat und damit anregte, vor jeder Entscheidung, die ich zu treffen habe, mir diese Frage zu stellen, entließ ich die Jugendlichen hinaus in die Sonne. Mit den Hinweisen, dass sie Jesus im Laufe des Tages als den Weg, die Wahrheit und das Leben, das Licht, den Hirten, das Brot, den Weinstock, die Tür und die Auferstehung kennengelernt und erlebt haben. Und so einen verlässlichen Wegweiser, eine Kraftquelle, einen Schutz haben, der sie nicht verlässt, komme, was da wolle. Nein, mir ist nicht bange um die Zukunft der Kirche(n), auch weil uns immer wieder solche Tage geschenkt werden.

Burkhard Kuban ist Pfarrer der evangelischen Friedenskirchengemeinde Bezirk Hardt und Seelsorger im Herzpark.