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Mönchengladbach Kolumne: Corgi James fährt ins Blaue

Hunde-Kolumne aus Mönchengladbach : Eine Fahrt ins Blaue

Von April bis Mai entfaltet das seltene Hasenglöckchen in Hückelhoven-Baal seine strahlend blauen Blüten. Das muss der kleine Hund natürlich gesehen haben.

Schon die Anfahrt zu unserem Ziel, dem blauen Teppich, ist ein Abenteuer. Auf der 30-Kilometer-Strecke nach Baal verfahren wir uns gleich zweimal, weil sich hier alles irgendwie ähnelt: Felder, dazwischen Waldinseln aus Buchen und Eichen, neue, großzügige Landstraßen, Verkehrsinseln, Neubausiedlungen. Laut Wegweiser geht es nach Hückelhoven geradeaus, nach rechts aber auch. Meine Besitzerin, die sich gerne damit brüstet, ihre Heimat in- und auswendig zu kennen, lässt das Navi bei Ausflügen in die nähere Umgebung grundsätzlich zuhause.

Als wir nach einer guten Stunde Fahrtzeit in Baal ankommen, finden wir keinen Parkplatz. Nicht, weil alles schon besetzt ist, sondern weil es hier gar keine Parkplätze gibt. Aus einem verdüsterten Impuls heraus biegen wir spontan in ein Sträßchen ein, das als Zufahrt zur Betriebsstätte von „Jakobs Grabsteine und Bestattungen“ beschildert ist. Und tatsächlich: An einer akkurat geschnittenen Eibenhecke können wir das Auto endlich abstellen.

Wir wandern dann mal los, kennen grob die Richtung zu unserem Ziel, biegen zunächst in einen schmalen Weg entlang eines Wäldchens ein. Keine zwei Minuten vergehen, bis wir die ersten Hasenglöckchen zwischen allerlei Gehölz aufblitzen sehen. Hier stehen sie noch als einzelne Sprenkel mit Schafgarbe und Großer Sternmiere zusammen. Schon ein kurzes Stück weiter ändert sich das: Die Hasenglöckchen breiten sich aus.

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Immer intensiver leuchten Inseln blauer Blumen aus dem Wäldchen hervor, das wir jetzt links liegen lassen, um nach rechts abzubiegen. Sanft neigt sich der Weg entlang eines leuchtend gelben Rapsfelds, um danach wieder etwas anzusteigen, hoch zum Naturschutzgebiet „Am Hintersten Berg“ mit seinem blauen Teppich.

Baal zählt 3900 Einwohner. Wenn die blaue Blume blüht, kommt dieselbe Anzahl an Hasenglöckchen-Touristen hinzu. Manche besuchen regelmäßig das frühlingshafte Farbspektakel, das nicht nur faszinierend anzusehen, sondern auch von botanischer Bedeutung ist: „Bei den Vorkommen des Hasenglöckchens im Baaler Raum handelt es sich um die einzigen ursprünglichen Standorte in Deutschland“, notiert Ulrike Krüner im Heimatkalender des Kreises Heinsberg von 1990.

Es ist alles blau in diesem Hochwald oberhalb der Landstraße 117 zwischen Baal und Doveren. Hunderttausende Hasenglöckchen bevölkern den Wald, jedes von ihnen hat bis zu 20 Glöckchen ausgetrieben. Sie duften süß, kündigen die Aromen der später blühenden Maiglöckchen an. Die blauen Blumen leben links des Wegs und rechts davon, auf beiden Seiten schimmert der zart gewellte, blaue Teppich bis zu den Waldkanten. Geradeaus ist es blau, hinter uns auch. Dieser Wald ist so psychedelisch blau, dass es beinahe nicht zu fassen ist. Die Szenerie mutet auch ein wenig mystisch an, wie die Hasenglöckchen da im Halbschatten unter hohen Birken, Eichen und Buchen glitzern. Bei ihrem Anblick hüpft das Herz.

Dieses Bild und die Einzigartigkeit ihres Ursprungs haben den Geografen und Fotoautoren Kilian Schönberger dazu gebracht, das Hasen-glöckchen im 240 Seiten starken Fotoband „Sagenhaftes Deutschland, Eine Reise zu mythischen Orten“ ganz am Anfang vorzustellen. Das Hasenglöckchen, Scilla non-scripta, auch als Waldhyazinthe, Blaue Maiblume, Nickender Endymion und in Großbritannien, seinem Mutterland, als Bluebell bekannt, gehört zu den Liliengewächsen. Die blaue Blume wird nur bis zu 30 Zentimeter hoch, kann also schnell von Brennnesseln und Brombeersträuchern überwuchert werden.

Im Baaler Naturschutzgebiet entschloss man sich daher vor einigen Jahren, den Weg für die Hasenglöckchen freizumachen. Seitdem wird vor ihrer Blütezeit Brombeer- und anderes Gehölz entfernt. Das hat deutlich zur Vermehrung der blauen Blumen und ihrem Blütenbild beigetragen.

Nach kurzem Innehalten auf einer der beiden Bänke im Hochwald ist meine obligatorische Fotosession angesagt. Apropos, da ich neulich Post von einer Erkelenzer Leserin bekam, die besorgt fragte, ob ich meiner Leinenpflicht auch nachkomme: Ja, klar, für die Fotos zu den Stories posiere ich aber immer ohne Leine.

Noch ganz in Gedanken an das blaue Wunder von Baal machen wir uns auf den Weg zurück zum Auto. Auf der Rückfahrt haben wir Glück. In nur 25 Minuten sind wir zuhause. Der Weg nach Mönchengladbach führt von Hückelhoven aus nämlich nur in eine Richtung.

Es grüßt euch der charmanteste Corgi vom linken Niederrhein, euer James.

Unsere Autorin Susanne Jordans schreibt in dieser Kolumne aus Sicht ihres Hundes.