Mönchengladbach: Kolumne - Alles prima mit dem Klima?

Kolumne Mensch Gladbach : Alles prima mit dem Klima?

Der Notstand wird in Mönchengladbach wohl nicht ausgerufen. Als Ausgleich legt die Groko ein eigenes Klimaschutzprogramm vor – und rettet so ihre partnerschaftliche Atmosphäre. Eiszeit herrscht an anderer Stelle.

Puh, ist Ihnen auch so heiß? Nachts kann man kaum schlafen, im Garten oder auf dem Balkon kommt man mit dem Gießen nicht nach. Die wochenlange Hitzewelle liegt wie eine warme Wolldecke über Mönchengladbach. Bietet bald ein Start-up Regentanzkurse an? Wird noch vor dem nächsten Gewitter der Rekordsommer 2018  geknackt? Nicht auszuschließen. 

Beste Bedingungen also, um über das Klima zu reden. Dass sich dieses wandelt und verheerende Folgen nicht nur global, sondern auch lokal haben kann, streiten inzwischen nur noch vereinzelte Hitzköpfe ab. Doch was können wir, was kann Mönchengladbach tun? Für die Grünen ist das seit ihrer Gründung ein Thema, bei der Europawahl konnten sie damit auch hier kräftig punkten. Auch die Linke profiliert sich als Braunkohle-Gegnerin auf diesem Terrain. Und so war die Linie der Unterstützer für einen Bürgerantrag im Anregungsausschuss, in Mönchengladbach den Klimanotstand auszurufen, relativ klar.

Notstand klingt dramatisch, tatsächlich steckt dahinter aber eher eine Haltung: Jede Entscheidung in der Klimanotstands-Kommune wird auf ihre Folgen für Natur und Umwelt hin abgeklopft. Harte Sanktionen sind damit nicht verbunden. Eher geht es darum, dieses relevante Thema als Politik und Stadtgesellschaft ständig auf dem Schirm zu haben. 

„Symbolpolitik“ nennt es die Mönchengladbacher CDU und winkt ab. Das Problem: Auch die SPD hat sich zu Beginn der Woche mit der Frage des Klimanotstands beschäftigt und kam zu dem Ergebnis, er solle ausgerufen werden. Kurzzeitig soll das in den Fraktionen der mit der SPD zur Groko verpartnerten CDU zu irritationsbedingten Hitzewallungen gekommen sein. Doch die beiden Fraktionschefs Hans Peter Schlegelmilch und Felix Heinrichs fanden auch diesmal wieder eine coole Lösung: Sie legten einfach ein eigenes Klimaschutzprogramm vor, versehen mit dem Vermerk Dringlichkeit. Schließlich gilt es ja auch, das großkooperative Klima zu retten. Kurzfristig landete das wortreiche Projekt als Tischvorlage im Ausschuss. Alle schienen zufrieden. Inzwischen haben Opposition und der klimanotstandsfordernde Bürger sicherlich zwischen den Zeilen gelesen, dass das ambitioniert wirkende Papier ihr Anliegen nicht wirklich ersetzt. Nun wird vielleicht nächste Woche im Stadtrat – oder, darauf hatten die Grünen gepocht, erst im Herbst im Umweltausschuss darüber debattiert.

Bis dahin ist es mit der Hitze vermutlich vorbei. Eine Eiszeit ist aber unwahrscheinlich. Die ist interessanterweise  ausgerechnet unter manchen Parteifreunden der CDU ausgebrochen. Fraktionschef Schlegelmilch und OB Hans Wilhelm Reiners gelten nicht als beste Kumpel, das ist auf den Rathaus-Fluren kein Geheimnis mehr. Dass der Rathauschef jetzt aber nicht in die Entscheidung zur Rückabwicklung des NEW-Prestigeprojekts „Sven“ eingebunden wurde, dürfte das Verhältnis gefrostet haben. Das aber ist wieder eine andere Geschichte.

Ein wohltemperiertes Wochenende!

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