Mönchengladbach: Kochen nach Mutters Rezept aus Ostpreußen

Heimat-Serie : Kochen nach Mutters Rezept aus Ostpreußen

Wie schmeckt Heimat? Die Rezepte der Mutter spielen dabei meist eine Hauptrolle. So ist es auch bei Irmtraud Falcke-Schulz aus Rheindahlen.

Was Heimat ist? Darauf gibt es für Irmtraud Falcke-Schulz mehrere Antworten. Seit fast drei Jahrzehnten ist Rheindahlen ihre Heimat. Zuvor hatte sie in Köln, noch früher in Niedersachsen gelebt. Geboren wurde sie in Thüringen, wohin ihre Eltern nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geflüchtet waren. Denn ihre Mutter stammte aus Ostpreußen, aus Grünheim im Kreis Gerdauen, heute Russland. „Sie hat in Königsberg Französisch und Englisch studiert“, sagt Irmtraud Falcke-Schulz. Das war für die damalige Zeit als Frau fast schon revolutionär.

Stolze 98 Jahre sei ihre Mutter geworden, sagt Falcke-Schulz. „Sie war eine Süße, hat gerne viel Zucker beim Kochen genommen.“ Typisch für die ostpreußische Küche, in der sogar der Salat süß sein darf. Das Büchlein, in das ihre Mutter mit Füller die Rezepte aus der alten Heimat geschrieben hat, ist ein enger Begleiter von Irmtraud Falcke-Schulz. Sauerkraut-Suppe, Königsberger Klopse oder Dampfnudeln stehen darin. Und eigentlich hatte sie in unserer Redaktion angerufen, weil sie fragen wollte, ob nicht wieder mal Rezepte von Lesern veröffentlicht werden könnten. Ob sie nicht den Anfang machen wolle, wurde sie prompt gefragt. Sie hat ja gesagt.

Hier das handschriftlich überlieferte Rezept für „Schaltinosen“. Foto: Denisa Richters

Jetzt steht sie in ihrer Küche und zeigt, wie ein typisch ostpreußisches Gericht aus dem Rezept-Büchlein ihrer Mutter zubereitet wird. Es ist – natürlich – eine Süßspeise und hat einen außergewöhnlichen Namen: „Schaltinosen“ steht über dem Rezept.

Der Quark kommt auf den ausgerollten Hefeteig. Foto: Denisa Richters

Basis ist ein Hefeteig aus einem Pfund Mehl, das Falcke-Schulz mit 30 Gramm Trockenhefe vermischt. Dazu kommt ein Viertelliter lauwarme Milch. Alles verkneten und in einer Schüssel bei 50 Grad etwa eine Stunde im Ofen gehen lassen. In der Zwischenzeit wird der Quark für die Füllung zubereitet: Dafür ein Pfund Magerquark mit zwei Eiern, Zucker und Vanillezucker ordentlich verrühren. Im Rezept der Mutter kommen noch Rosinen rein. Weil es bei ihren Kindern nicht ankam, ließ Falcke-Schulze die getrockneten Trauben einfach weg.

Die Teig-Rollen werden auf das gespannte Geschirrtuch gelegt. Foto: Denisa Richters

Mit einem besonderen Trick entsteht ein Gartopf: Dafür wird ein großer Topf zur Hälfte mit Wasser gefüllt, darüber wird ein Geschirrtuch gespannt und mit einer Kordel straff gebunden. Das Wasser wird zum Kochen gebracht. In der Zwischenzeit wird der Hefeteig auf einer bemehlten Fläche dünn ausgerollt, in zwei Hälften geteilt und mit dem Quark bestrichen. Anschließend wird der Teig eingeschlagen und geschlossen, so dass längliche Rollen entstehen. Diese auf das gespannte Geschirrtuch über dem kochenden Wasser legen, die Temperatur niedriger drehen und einen zweiten Topf oder eine passende Schüssel umgedreht draufsetzen. So entsteht ein perfekter Gareffekt. Etwa eine halbe Stunde sieden lassen. Die gegarten „Schaltinosen“ halbieren, auf Teller verteilen, mit Zimt und Zucker bestreuen, mit brauner Butter begießen. Irmtraud Falcke-Schulz reicht noch Mandarinen-Kompott dazu.

„Als meine Mutter geheiratet hat, konnte sie nur Flinsen, also Pfannkuchen“, erinnert sich die Tochter. Das Kochen hatte sie sich selbst beigebracht. „Die Sachen, die sie gekocht, haben immer super geschmeckt.“ Ihre Tochter, die Ärztin für Innere Medizin war und heute 74 ist, hat sich auch das Kochen selbst beigebracht. „Deshalb habe ich mich immer über die Leserrezepte gefreut.“ Die soll sie bekommen.

Aufruf: Welches ist Ihr liebstes Familienrezept? Schicken Sie es uns, gerne mit einem Foto von dem Gericht und/ oder Ihnen, Stichwort „Leserrezepte“; per Mail an aktionen.mg@rheinische-post.de oder an Rheinische Post, Lüpertzender Straße 161, 41061 Mönchengladbach. Die besten Rezepte werden veröffentlicht.

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