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Mönchengladbach: Klingt komisch, ist aber so

Kolumne : Der Kampf gegen die Trollpfosten

Die Bundesregierung will Gesetzesänderungen beschließen, mit die Hassbotschaften im Internet künftig härter beziehungsweise überhaupt mal bestraft werden sollen. Das ist längst überfällig, wenn man sich die Entwicklung der Diskussionskultur im Netz anschaut.

Klar, auch in analoge Zeiten wurden Menschen öffentlich diffamiert, etwa durch die seinerzeit verbreitete Spezies der „Seitenlinienmotzer“. Dabei handelte es sich um frustrierte Nörgelrentner, die mit ihre Flasche Bier jeden Sonntag am Kreisligaspielfeldrand standen und vorbeilaufende Sportler Sätze zuriefen wie „Den hätte meine Omma noch reingemacht“ oder „Hast du mit ein Storch gepokert und die Beine gewonnen?“, für nur mal die schmeichelhaftesten zu nennen. Der Unterschied zu heute ist, dass man diese Leute wenigstens mal aus Versehen mit Vollspann der Ball gegen die Rübe schießen konnte, damit Ruhe war. Dieser wechselseitige Austausch von Ansichten ist vorbei, seit es das anonyme Internet gibt. Der Troll von heute zeigt sich längst nicht mehr am Fenster und brüllt harmlose Radfahrer an: „Hey du Heiopei, das ist ein Gehweg!“ Nein, der moderne Troll verschanzt sich in seine vollgefurzte Bude hinter erfundene Identitäten am Computer und feuert schamlos aus alle Rohre. Bisher war er dabei so gut geschützt, dass er sein Hass auf die Welt ungefiltert in die Tastatur erbrechen konnte, für seine eigene traurige Existenz besser zu ertragen. Das neue Gesetz soll es nun einfacher machen, diese Trollpfosten zu enttarnen – was von besorgte Datenschützer kritisiert wird. Dabei geht es doch gar nicht dadrum, die Meinungsfreiheit einzuschränken, sondern diejenigen zu bestrafen, die diese Meinungsfreiheit für widerliche Aktionen missbrauchen. Eine fiese Beleidigung wird schließlich nicht automatisch zu eine politische Meinungsäußerung, wenn der Name „Merkel“ dadrin vorkommt. Die deutsche Justiz braucht dringend ein Lederball, mit dem sie Vollspann üben kann. 

Euer Hastenraths Will