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Mönchengladbach: Klaus Rodeck arbeitet mit 80 Jahren noch als Autoverkäufer

Wirtschaft in Mönchengladbach : Ein Leben für die Autoindustrie

Seit 62 Jahren ist Klaus Rodeck eingefleischter Autoverkäufer. In dieser Woche feiert der Hehner seinen 80. Geburtstag. Warum er auch im hohen Alter weiter im Autohaus Walter Coenen täglich im Einsatz ist.

Nach der Schule weiß Klaus Rodeck nicht so recht, was er mit sich anfangen soll. Mit seiner Mutter geht er durch die Straßen von Düsseldorf, auf der Suche nach einer Inspiration. 1958 ist das, und als sie an einem Autohaus vorbeikommen, ist ihn mit einem Mal klar, was er in seinem Leben zu tun hat: Autos verkaufen. Dabei ist es bis heute geblieben. Klaus Rodeck und die Autos, das ist eine Ehe, die länger währt als die mit seiner Frau. Die beiden heirateten 1963.

Ein Jahr lang arbeitet der junge Klaus Rodeck zunächst in Düsseldorf, dann sucht er nach einer Beschäftigung in seiner Mönchengladbacher Heimat, landet beim Gebrauchtwagenhändler Weiler unweit des Elisabeth-Krankenhauses. „Die hatten zu dem Zeitpunkt genau ein Auto zum Verkauf in ihrem Wohnzimmer stehen“, erinnert sich der noch 79-Jährige, der in dieser Woche 80 Jahre alt wird und damit ziemlich sicher einer der ältesten Arbeitnehmer der Stadt ist. Bei Weiler absolviert Rodeck seine Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten, im Laufe der Zeit nimmt die Anzahl der Autos, die er verkaufen kann, zu. Rodeck macht seine Sache von Anfang an gut.

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Deswegen wird er auch von Walter Coenen übernommen, als der später das Autohaus Weiler kauft. „Wir trafen uns in der Lüttelforster Mühle, um meinen Arbeitsvertrag auszuhandeln. Nach 30 Minuten waren wir uns einig“, sagt Rodeck. Bei Coenen kann er sich weiterentwickeln, erhält in den Folgejahren Prokura, wird Mitglied der Geschäftsleitung.

Er hat das, was einen guten Verkaufsberater ausmacht, ist nah am Menschen, ein aufmerksamer Zuhörer, der sich Zeit nimmt für seine Kunden, Empathie besitzt und sofort weiß, was einen Kunden umtreibt: „Wenn ein Kunde das Geschäft betritt, erkenne ich an seinem Gesichtsausdruck, was ihn beschäftigt, ob er ein neues Auto kaufen will oder ihm die Finanzierung seines jetzigen Wagens Probleme bereitet.“ Bis das Incentive-Programm 2020 ausläuft, ist Rodeck jährlich unter den 100 besten Ford-Verkäufern deutschlandweit vertreten. „Am Anfang wurden wir zu bunten Abenden mit Peter Frankenfeld oder Roy Black in deutsche Festhallen eingeladen, später ging es dann zu mehrtägigen internationalen Reisen, die letzte führte uns nach New York City“, sagt er.

Rodeck lebt von seinen Stammkunden, von denen viele auch nach 60 Jahren nur von ihm beraten werden wollen. Dann packen sie gerne auch schon mal ein paar gemeinsame alte Geschichten aus. Wie die des Vaters, der seinem Sohn zum 18. Geburtstag einen Ford Fiesta schenkte, das Auto stand zugelassen und von einer Decke umhüllt im Coenen-Verkaufsraum. „Der Vater und ich taten, als ob wir uns nicht kannten. Der junge Mann lief herum und sah sich verschiedene Modelle an, bis er auf den verdeckten Fiesta traf. Er nahm die Hülle ab und wusste mit einem Mal, dass dies sein Auto ist. Er war vollkommen ergriffen“, erzählt Rodeck.

Wie viel Herzblut er immer noch in seinen Job steckt, wird klar, wenn Kunden das Gespräch mit ihm suchen. Dann springt er ganz in seinem Element vom Bürostuhl auf und tritt den potenziellen Käufern leichtfüßig entgegen. Die Firma ist sein innerer Antrieb, sein Lebensinhalt, Hobbys hat er keine, wie er sagt, außer Reisen und Fahrradfahren mit seiner Frau. Familiär gehe es bei Coenen zu, erst unter Walter Coenen, jetzt unter dessen Sohn Stefan: „Beide hatten und haben immer ein offenes Ohr für meine Belange“, sagt Rodeck dankbar.

Ein bisschen Wehmut kommt in ihm schon auf, wenn er sich an frühere Zeiten erinnert. Das hängt auch damit zusammen, dass er gar nicht 80 Jahre alt werden will. Furchtbar und herausfordernd sei dieser runde Geburtstag: „Man beschäftigt sich plötzlich damit, dass nach oben nicht mehr so viel Platz ist.“ Wenn es nach seiner Frau ginge, hätte er schon längst aufgehört zu arbeiten. „Wir machen schon alles zusammen, sie möchte aber, dass wir noch mehr gemeinsam unternehmen, das Leben intensiver genießen“, sagt Rodeck. Im vorigen Jahr wäre es beinahe so weit gewesen, da wollte er tatsächlich aufhören. Doch Firmeninhaber Stefan Coenen konnte ihn überzeugen, noch ein halbes Jahr dranzuhängen. „Und jetzt sitze ich immer noch hier“, sagt Rodeck und lacht. Wann er letztendlich Schluss macht, weiß er noch nicht.

Zum Geburtstag des Vaters hat sich einer seiner Söhne, der in Kiel lebt, etwas Besonderes ausgedacht: Eine kleine Familienfeier an der Schlei. Zwei Zimmer sind schon gebucht. „Mal sehen, ob das trotz Corona klappt, ich freue mich jedenfalls darauf, viel Fisch zu essen“, sagt der Jubilar.