1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach:Kirchen kämpfen um Gläubige

Katholiken und Protestanten : Kirchen reagieren auf den Austrittstrend

In der Stadt verlor die katholische Kirche im Vorjahr 1329 Mitglieder, die Zahl der Protestanten sank 2017 im Kirchenkreis Gladbach-Neuss um 1970 Menschen. Positiv: Es gibt teilweise mehr Gottesdienstbesucher. Der katholische Pfarrer Klaus Hurtz sagt: „Viele Menschen entdecken Gott wieder.“

Diese Zahlen sind nicht überraschend: Die beiden großen christlichen Kirchen verlieren weiter an Mitgliedern. Sowohl bei den Katholiken als auch bei den Protestanten spiegelt der Rückgang die demografische Entwicklung wider, denn die Zahl der Sterbefälle ist höher als die Zahl der Geburten. Die Negativentwicklung wird noch zusätzlich durch Kirchenaustritte beschleunigt. Und doch gibt es bei einer Auswertung der Zahlen durchaus Ungewöhnliches. Während es zum Beispiel im Bistum Aachen auch deutlich weniger Besucher der katholischen Gottesdienste gibt, ist ihre Zahl 2017 in Mönchengladbach im Vergleich zum Jahr davor kräftig angestiegen: Und zwar um 900 auf 8510, ein Plus von fast zwölf Prozent. Der evangelische Kirchenkreis Gladbach-Neuss wiederum meldet eine erfreuliche Entwicklung bei den Wiederaufnahmen: 158 Menschen wollten im Vorjahr wieder Glied einer Gemeinde werden.

Zu den Fakten: 126.036 Katholiken weist die Statistik des Bistums Aachen Ende Dezember 2017 für Mönchengladbach aus, das sind 1329 weniger als ein Jahr zuvor. Es gab 1466 Bestattungen (2016: 1648), aber im Vergleich dazu nur 748 Taufen (810). 627 Menschen erklärten ihren Austritt aus der katholischen Kirche, zehn mehr als im Jahr zuvor. Es gab ein leichtes Plus bei den Trauungen (150 zu 142). Bei den Protestanten in Gladbach und Neuss fällt der Rückgang an Gemeindegliedern etwas höher aus. Der evangelische Kirchenkreis meldete Ende vergangenen Jahres 123.773 Glieder, 1970 weniger als Ende 2016. Es gab im Vorjahr 865 Austritte, 964 Taufen und 172 Trauungen.

 Eine markante katholische Kirche steht in Eicken: St. Maria Rosenkranz.
Eine markante katholische Kirche steht in Eicken: St. Maria Rosenkranz. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Selbst wenn die Zahlen ernüchternd sind, gibt es auch erfreuliche Tendenzen. „Ich weiß aus Gesprächen mit Gottesdienstbesuchern, dass die Menschen nach Stabilisatoren suchen, viele entdecken Gott wieder. Das ist eine typische Reaktion in unsicheren Zeiten“, sagt der katholische Pfarrer Klaus Hurtz, ab September neuer Regionalvikar für Mönchengladbach und das Umland (es gibt dann keine Regionaldekane mehr; dieses Amt füllt derzeit noch Ulrich Clancett aus). Für diesen Trend könnte auch stehen, dass in diesem Jahr mehr als 60 Kinder in St. Marien Rheydt zur Kommunion gingen, das sind fast doppelt so viele als sonst. Für eine Trendumkehr sorgt das zwar nicht (Hurtz: „Bei uns in der Pfarre standen rund 180 Beerdigungen nur 90 Taufen gegenüber“), aber es ist durchaus ein Signal, das Mut macht.

Bischof Helmut Dieser hat unter anderem deshalb die katholischen Geistlichen dazu aufgerufen, auch Menschen anzusprechen, die der Kirche zur Zeit fern sind. Dieser Prozess heißt „Heute bei dir“, bis 2021 werden Glaubensangebote analysiert, neue Konzepte entwickelt und umgesetzt. „Die Kirche muss die Veränderungsprozesse in der Gesellschaft aufgreifen. Wir müssen mehr auf Menschen zugehen und ihre Bedürfnisse wahrnehmen“, sagt Hurtz und zitiert den jüdischen Philosophen Martin Buber: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

Eine ähnliche Ausrichtung gibt es bei den Protestanten des Kirchenkreises Gladbach-Neuss. Superintendent Dietrich Denker bekräftigt den Perspektivwechsel der Amtskirche, fordert die Gemeinden und die dort Handelnden auf, „die Lebenswirklichkeit der Menschen, ihre Sorgen, Hoffnungen, Fragen und Wünsche“ mehr in den Fokus zu rücken. Wichtig ist Denker, dass deutlicher „von dem Guten, das wir tun“ geredet wird. Und dabei zählt er auf, welche große gesamtgesellschaftliche Aufgaben die evangelische Kirche übernimmt, indem sie zum Beispiel Einrichtungen wie Diakonie, Telefon-, Notfall-, Krankenhaus- und Militärseelsorge unterhält, sich in der Erwachsenenbildung, bei der Jugend- sowie Seniorenarbeit engagiert und sich neuen Herausforderungen wie etwa bei der Flüchtlingshilfe stellt. Superintendent Denker: „Quer durch alle Bevölkerungsschichten und unabhängig von konfessionellen Zugehörigkeiten erfahren wir dabei breite gesellschaftliche Unterstützung. Das wird angesichts der abnehmenden Mitgliederzahlen häufig ausgeblendet.“