Mönchengladbach: „Kirche muss nicht langweilig sein“

Serie Evangelische Kirche in Mönchengladbach : „Kirche muss nicht langweilig sein“

Die evangelische Jugendarbeit will Gemeinschaft und Gemeinde erfahrbar und jugendgerechte spirituelle Angebote machen.

Samstagnachmittag im Paul-Schneider-Haus in Pesch: Am Vorabend der Konfirmation findet ein Abendmahlsgottesdienst statt. Die Konfirmanden, die am nächsten Tag von Pfarrerin Antje Brand in der evangelischen Friedenskirche konfirmiert werden, proben ihre Texte. Mit dabei: ehrenamtliche Helfer zwischen 16 und 21 Jahren. Sie organisieren, unterstützen, leiten die Jüngeren an. Auch bei der Konfirmation am folgenden Tag spielen sie eine wichtige Rolle. „Sie tragen die Gebete, Lesungen und Fürbitten vor, überreichen die Urkunden und lesen die Konfirmationssprüche vor“, sagt Pfarrerin Brand. Die jungen Ehrenamtler kennen die Konfirmanden gut, denn sie sind aktiv in den Konfirmandenunterricht eingebunden.

Der Konfirmandenunterricht im Bezirk Volksgarten der Friedenskirchengemeinde ist im Allgemeinen einmal im Monat an einem Samstagvormittag. Vier bis fünf Stunden lang beschäftigen sich die Konfirmanden mit den Grundlagen ihrer Religion, mit biblischen Geschichten und den zehn Geboten. „Aber es soll nicht so sein wie in der Schule“, sagt die Pfarrerin. Deshalb sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter dabei. Sie entwickeln in kleinen Gruppen mit den Jüngeren kleine Theaterstücke zu den Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament, sie machen Spiele und stehen auch als Ansprechpartner zur Verfügung.

„Es ist immer toll zu erleben, wie eine Gruppe sich kennenlernt und zusammenwächst“, sagt Leo. Der 21-Jährige studiert inzwischen in Aachen, legt seine Besuche zu Hause aber bevorzugt auf die Wochenenden, an denen der Konfirmandenunterricht stattfindet, um dabei zu sein. „Es ist eine Herausforderung, auch die Stillen einzubinden, aber meistens klappt das“, erklärt Linn, ebenfalls 21 und Studentin der evangelischen Theologie in Bonn. „Leo war auch mal ein Schüchterner“, fügt sie hinzu. Leo lacht und nickt. „Man lernt in der Konfirmandengruppe das öffentliche Sprechen, aber auch den Umgang mit Menschen“, sagt er. Und wenn es zwischen den „Konfis“, die auch gemeinsam eine Wochenendfreizeit und eine Unterrichtswoche verbringen, mal zu Konflikten kommt, sind die Älteren die ersten Ansprechpartner.

Aber auch in anderen Zusammenhängen bringt es viel, dass junge Menschen mitmachen und Vorbild sind. „Jugendliche sind heute schwer zum Singen zu bewegen“, sagt Antje Brand, die sich selbst lachend als „militante Sängerin“ bezeichnet. Aber wenn die Ehrenamtlichen mitsingen, machen auch die Jüngeren mit. Lisa (16), heute selbst Ehrenamtliche, grinst und sagt: „Ja, das Singen war für mich eine Hürde. Aber heute habe ich viele Lieblingslieder.“ Warum bleiben die jungen Leute nach der Konfirmation als Ehrenamtler dabei? „Das Gemeinschaftsgefühl ist schön“, sagt Linn. „Und es macht Spaß, den Konfirmanden zu zeigen, dass Kirche nicht langweilig sein muss.“

Auch in der Rheydter Jugendkirche wird darauf gesetzt, dass Jugendliche sich einbringen können. „Die Jugendkirche ist von, mit und für Jugendliche“, sagt Diakonin Manuela Janssen, „Wir wollen einen geschützten Raum bieten, in dem Jugendliche selbst gestalten können.“ Das Angebot „Stay and pray“ am Freitagabend beispielsweise ist eine Andacht, die nicht nur, aber eben auch von Jugendlichen gestaltet wird.

„Einer der Akzente der Arbeit liegt auf der Spiritualiät“, sagt Jugendpfarrer Christian Sandner. „Es geht um einen jugendgemäßen Ausdruck des Glaubens.“ Und deswegen gibt es im Haus der Jugendkirche an der Wilhelm-Strauß-Straße in Rheydt nicht nur Möglichkeiten,  Billard und Kicker zu spielen, an  einem Radioprojekt oder für den Youtube-Kanal zu arbeiten, sondern auch Angebote wie beispielsweise die Frühschicht während der Passionszeit, eine Andacht um 6.30 Uhr, Gespräche über Bibeltexte. Oder die Osternacht, die gemeinsam durchwacht wird.

„Wir wollen Veranstaltungen machen, zu denen die jungen Leute ihre Freunde mitbringen“, sagt Janssen. In der heutigen Zeit ein Ziel, das hohe Flexibilität erfordert. Denn die Verbindlichkeit, mit der Angebote früher wahrgenommen wurden, gibt es nicht mehr. Die Suche nach Antworten auf die existentiellen Fragen aber schon.

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