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Mönchengladbach: Katholische Frauen fordern Reformen

Kirchenprotest in Mönchengladbach : Katholische Frauen fordern Reformen

Bei einer Mahnwache vor der Marienschule wurde eine Erneuerung der Kirche gefordert. Bischof Dieser sprach mit den Frauen.

Das flammende Rot in den Schals der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) schien die Leidenschaft der Trägerinnen für ihr Anliegen zu spiegeln: eine Erneuerung der Kirche mit Frauen in allen Ämtern. Um ihren Anspruch zu bekräftigen, trafen sich Mitglieder der kfd, wie auch andere Frauen und einige Männer zur Mahnwache vor der Bischöflichen Marienschule. Die Aktion markierte das Ende des einwöchigen Kirchenstreiks im Rahmen der Protestaktion Maria 2.0. Der Treffpunkt war strategisch gewählt, fand doch am Ort das Themenforum „Den Menschen dienen“ im Rahmen des von Bischof Dieser initiierten „Heute bei dir“-Prozesses statt.

Die Protestaktion „Maria 2.0“ wurde von Frauen aus Münster angestoßen, schlug bundesweit Wellen und wird von der kfd unterstützt. „Als kfd sind wir nah am Thema. Bei der Aktion ,Mach Licht an´ für eine Erneuerung der Kirche sammelten wir in zwei Monaten 30.000 Unterschriften, die medienwirksam an die Bischöfe in Lingen übergeben wurden“, berichtete Monika Schmitz, geistliche Leiterin der örtlichen kfd St. Georg Liedberg und kfd-Vorstandsmitglied im Diözesanverband Aachen.

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Monika Schmitz betonte: „Es geht nicht, dass der Klerus nicht über die Frauenfrage sprechen will. Das Thema gehört auch zum „Heute bei dir“-Prozess. Es spricht nichts dafür, dass die Kirche daran hindern könnte, Frauen ins Amt zu holen.“ „Die Bewegung, die von den Frauen in Münster angestoßen wurde, zieht Kreise. Das Thema bewegt mich schon lange“, sagte Kirsten Houben. Wie sie schloss sich auch Annemarie Scherf, frühere Gemeindereferentin, der Mahnwache an, ohne kfd-Mitglied zu sein. „Ich sehe die ehrenamtliche und die hauptberufliche Seite und halte es für wichtig, dass Frauen, die sich stark machen, gleiche Rechte haben“, begründete Annemarie Scherf ihr Kommen.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser ging vor Beginn des Themenforums auf die Frauen zu. Einige warfen ihm vor, dass er die Einladung zu einer Diskussion in Aachen nicht angenommen hatte. Der Geistliche versicherte seine Gesprächsbereitschaft und stellte fest, dass die Themen vielfältig seien, er nicht zu allem nein sage, aber ihre Vorstellung von der Weihe einer Frau zum Priesteramt theologisch nicht teile. In diesem Punkt ließe auch Papst Franziskus keine Hoffnung auf eine Änderung zu.

„Wir haben keine Forderung, die ungebührlich ist, sondern tragen etwas vor, dass uns im Herzen berührt. Wir haben viele Diskussionsforen angeboten und versucht, geistige Würdenträger dazu zu gewinnen, die uns dann im Regen stehen ließen. Wenn wir eine geschwisterliche Kirche wollen, muss die Tür so weit offenstehen, dass Frauen mit den Theologen arbeiten können und zum Konsens für eine Erneuerung der Kirche kommen“, sagte Schmitz im Appell an den Bischof.

Eine Frau betonte, dass es ihr auch um die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle gehe. „Wir wollen, dass Kirche weiterlebt und eine Freude ist für Frauen und Männer“, erklärte sie. „Ich spüre Frustration und Enttäuschung aus Jahrzehnten“, erwiderte der Bischof den Frauen und versprach sich dafür einzusetzen, dass Frauen und Männer an allen Entscheidungsprozessen beteiligt seien.

Marie-Theres Jung, Vorsitzende des Diözesanverbands der kfd Aachen, kündigte weitere Aktionen an, „vielleicht“ auch Mahnwachen vor dem Dom. „Der Ruf von vielen zeigt, dass wir dranbleiben müssen. Viele haben das Bedürfnis, dass Frauen gehört werden“, so Marie-Theres Jung.