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Mönchengladbach: Karstadt Rheydt ist leer gekauft

Das Ende einer Ära : Karstadt Rheydt ist Vergangenheit

Donnerstag war der letzte Tag, an dem Kunden in dem einst so stattlichen Kaufhaus bedient wurden. Um 15.30 Uhr war Schluss. Der Filialleiter bedankt sich mit rührenden Worten bei seinem Team.

Um 15.30 Uhr wurden bei Karstadt in Rheydt die letzten Kunden bedient – von einem Team, das für Filialleiter Michel Hontoy „phänomenal“ ist. Tatsächlich haben viele Mitarbeiter dem Unternehmen jahre- und jahrzehntelang die Treue gehalten. „Es ist 44 Jahre her, dass die Karstadt Filiale in Rheydt – seit der Eröffnung bis zur Schließung an gleicher Stelle – gezeigt hat, was Stolz und Leidenschaft bedeutet und wie man sich selbst zum Wohle treu bleibt“, so Hontoy. „Ich bin sehr stolz auf dieses Team, ganz besonders auf die, die bis zum Schluss bleiben konnten und sage: Liebes Karstadt Team in Rheydt, vielen Dank.“ Der Chef wünscht jedem Mitarbeiter einen „sicheren Hafen, Rheydt gesunde Blüten für eine neue, tolle Blumenpracht und der Galeria Filiale an der Hindenburgstraße gute Kunden und gute Geschäfte.“

Michaela Müller (*alle Namen geändert) gehört zu den treuen Mitarbeiterinnen. Sie fing vor 34 Jahren bei Karstadt an und kennt noch die Blütezeit der Rheydter Filiale, als es noch die Lebensmittelabteilung mit den Delikatessen gab und das Restaurant, das mittags proppevoll war. „Zu uns kamen Kunden rein, um Brötchen zu kaufen und gingen mit Blusen in der Tüte nach Hause“, erzählt die 52-Jährige. Als Michaela Müller ihre Ausbildung bei Karstadt begann, gab es noch über 300 Mitarbeiter. Zuletzt waren es nur noch 76 Teil- und Vollzeitkräfte in der Rheydter Filiale.

Eigentlich sollte der 17. Oktober der letzte Tag von Karstadt Rheydt sein. Doch in den vergangenen Wochen seien Schnäppchenjäger teilweise wie die Heuschrecken über das preisreduzierte Sortiment hergefallen, wie Mitarbeiter berichten. Manche hätten die Ware förmlich zusammengerafft und seien an der Kasse auch noch unfreundlich geworden. „Das war nicht unser normales Publikum – und schon gar nicht unsere Stammkundschaft“, weiß Michaela Müller.

Viele Verkäuferinnen und Verkäufer arbeiteten 15 Jahre und länger bei Karstadt. Eine Beschäftigte hat die Rheydter Filiale sogar vor 44 Jahren mit eröffnet. Jetzt hat sie sie mit geschlossen. Reden will sie nicht darüber. Zu traurig sei das Ganze. So sieht das auch Jana Schmitz. Sie hatte gerade ihre Ausbildung bei Karstadt abgeschlossen, die Übernahme war in trockenen Tüchern – dann kam die Nachricht vom beschlossenen Aus für die Rheydter Filiale. „Ich hatte mich von Anfang an wohlgefühlt hier“, sagt die 24-Jährige. Das habe auch am Team gelegen und vor allem an Michaela Müller, die alle die „Mutter der Filiale“ nennen. „Zu ihr kann man immer kommen – mit beruflichen Problemen, aber auch mit privaten“, sagt Jana Schmitz.

Das Team wird es so nicht mehr geben. Die meisten seien in eine Transfergesellschaft gewechselt, sagt Michaela Müller. „Viele schreiben Bewerbungen. Aber Sie wissen ja, wie es draußen aussieht.“ Alle Beschäftigten sind traurig und enttäuscht, manche sogar wütend über die Entscheidung der Konzernspitze, das Rheydter Kaufhaus zu schließen. Dennoch blieb die Stammbelegschaft beinahe geschlossen auf dem sinkenden Schiff. Das habe den Chef der Firma, die den Ausverkauf in allen zu schließenden Filialen des Konzerns managt, ziemlich erstaunt. „Anderswo sollen viele krank geschrieben sein“, sagt Michaela Müller.

Sie selbst hätte ihren Rheydter Karstadt-Chef nie allein gelassen: „Er hat sich wirklich bis zum Schluss mit Herzblut für den Erhalt der Filiale eingesetzt.“ Und dann sagt sie noch: „Die da oben wissen gar nicht, wie sehr wir leiden.“

War der Niedergang der großen Kaufhäuser, die alles unter einem Dach bieten, absehbar? Michaela Müller sagt, dass die Zahlen bis zum Schluss gestimmt hätten. Aber viele Entscheidungen von oben hätten sie in der Vergangenheit erstaunt: zum Beispiel als die Kinderwagenabteilung geschlossen wurde, „obwohl sie gut lief“, oder als der Einkauf zentralisiert wurde. „Früher suchten unsere Abteilungsleiterinnen die Ware aus, und die wussten, was unsere Kunden mögen“, sagt Michaela Müller. Wenn Karstadt damals einen Blusen-Sonderverkauf ankündigte, „hatten wir mittags schon 30.000 Mark in der Kasse“.

Rheydt ohne Karstadt, das kann sich Jana Schmitz gar nicht vorstellen, die schon als Kind mit ihren Eltern das Kaufhaus besuchte. Michaela Müller: „Wir galten hier immer als Platzhirsch. Das ist jetzt vorbei.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ein Blick in den leeren Rheydter Karstadt