Mönchengladbach: K. aus Erkelenz verurteilt zu 3 Jahren und 10 Monaten

Gerichtsurteil : Räuberische Erpressung: Haft und Erziehungsanstalt

Der Angeklagte sei ein „Bewährungsversager“, der bereits eine Vorstrafe mit verschiedenen Delikten vorzuweisen habe. Daher verhängte die Kammer mit drei Jahren und zehn Monaten ein deutlich höheres Urteil als von der Staatsanwältin gefordert (ein Jahr und sechs Monate).

Gestern endete vor dem Landgericht ein Prozess wegen schwerer räuberischer Erpressung sowie fünffachen Diebstahls.

Ein 23-Jähriger soll einem Mann unter Vorhalt eines Klappmessers Handy, Geld und eine Uhr entwendet haben. Später habe er ihm auf dessen Bitten hin ein Monatsticket sowie zwei Euro zurückgegeben. Bei drei Diebstählen ging es um Bekleidung sowie Alkohol. Zwei Fälle, die dem Tunesier K. nicht nachgewiesen konnten beziehungsweise deren Sachwert bei knapp vier Euro lag, wurden eingestellt.

Der bis zu seiner Verhaftung in Erkelenz wohnende K. gab gestern den Überfall sowie die vier Diebstähle zu. Als Grund gab er seinen Drogenkonsum an. Ein Sachverständiger bescheinigte K. gestern, weder unter einer psychiatrischen Erkrankung noch unter einer Persönlichkeitsstörung zu leiden. Urintests bei der Aufnahmeuntersuchung der JVA hätten ergeben, dass K. Kokain, Heroin sowie Cannabis konsumiert habe, würden jedoch keine Rückschlüsse über die Menge zulassen. Nach eigenen Angaben rauche K. seit dem Alter von zwölf Jahren Marihuana. Seit 2015 stelle er aus Kokain selber Crack her, habe zudem seit 2017 Heroin konsumiert. In Haft habe er kurzzeitig Methadon erhalten, dies jedoch nach fünf Tagen abgelehnt. In seiner Gesundheitsakte sei nichts über Entzugserscheinungen vermerkt, die sich bei einem entsprechend hohen Drogenkonsum hätten zeigen müssen.

Der Sachverständige erklärte, eine Therapiefähigkeit des Angeklagten sei weder durch seine Sprachbefähigung – der Tunesier spreche kaum Deutsch – noch durch seine kognitiven Fähigkeiten gegeben. Dieser Ansicht folgten weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung, und auch die Kammer nicht. Sein Geständnis, die anzunehmende verminderte Schuldfähigkeit durch den Drogenkonsum und der geringe Wert der Beute führten zu einem minderschweren Fall. Die Kammer verurteilte K. zu drei Jahren und zehn Monaten Haft. Davon soll er fünf Monate Haft verbüßen, dann in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden. Derzeit verbüßt er eine Jugendstrafe.

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