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Mönchengladbach: Jürgen Becker im Autokino an der Trabrennbahn

Autokino in Mönchengladbach : Jürgen Becker auf kleiner Bühne und großer Leinwand

Der Kabarettist eröffnete die Comedy Stage im Autokino an der Trabrennbahn. Sein aktuelles Programm ist Corona-geprägt. Beifallsbekundungen gaben die Besucher über die Lichthupe. In den kommenden Tagen werden weitere Künstler zu Gast sein.

Als Fußgänger zwischen Autos genoss Jürgen Becker im Voraus den persönlichen Kontakt zu den Besuchern seines aktuellen Programms. Der Kabarettist plauderte durch geöffnete Fensterscheiben, strahlte Geselligkeit aus. Doch mit Beginn der Vorstellung auf der Comedy Stage im Autokino an der Trabrennbahn war ihm „mein zentral verriegeltes Publikum“ in den Gefährten optisch entrückt. Der auf großer Leinwand übertragene Auftritt war kein Gruß aus dem Homeoffice, sondern ein Live-Mitschnitt von Beckers Auftritt auf der kleinen Bühne daneben.

Wer einen Parkplatz in den vorderen Reihen links hatte, konnte Becker so gleich zweifach sehen. Beifallsbekundungen gab es über die Lichthupe. „Ich höre ihr Lachen nicht und denke daher, ich bin in Westfalen“, scherzte der Kölner am Niederrhein angesichts des fast ungewohnten Mediums für einen Kabarettabend. Nach Kaarst und Eschweiler war Mönchengladbach für ihn der dritte Besuch in einem Autokino. Das aktuelle Programm ist im Wesentlichen eine prompte sowie hintergründig witzige und ironisch satirische Auseinandersetzung mit Corona-bedingten Verhältnissen.

 Eigentlich müssten doch viele glücklich mit den Begleiterscheinungen leben können, sagte er. Schließlich habe die AfD die geschlossenen Grenzen, Lindner könne seinen Porsche auf fast leeren Autobahnen ausfahren, die CDU liege bei den Umfragewerten wieder weit vorne und für die Rettungsschirme werde das Geld ganz einfach gedruckt, so Becker. Er stürzte sich in verwirrend logische Zahlenspiele, spießte Widersprüche wie auch Merkwürdigkeiten auf und philosophierte über die sich gerade jetzt besonders bemerkbar machende Angst vor einer ungewissen Zukunft.

Dabei sei doch gerade das Unbekannte ein wesentliches Merkmal von Zukunft, das nur dem Menschen bewusst sei. Eine Eintagsfliege kümmere sich nicht um Renten- und Sterbeversicherung. Die als Helden gefeierten Pfleger seien in Wahrheit Menschen, die schon vor Corona am Limit arbeiteten. Am Ende tauschte er das Jackett über rot kariertem Hemd gegen den Habit eines Monsignores aus und verkündete die Vision einer Welt mit weniger Hektik und mehr Menschlichkeit. Die Welt lasse sich nur ändern, wenn sich das Denken ändere, betonte er.

Weitere Termine auf der Bühne an der Krefelder Straße: 31. Mai: Konrad Beikircher, 2. Juni: René Steinberg, 3. Juni: Ingo Appelt, 10. Juni: Rüdiger Hoffmann. Einlass: 20 Uhr, Beginn nach 21 Uhr. Karten unter www.starpac-autokino.de.