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Mönchengladbach: Jeder Lockdown braucht ein Ostern schreibt Albert Damblon

Kolumne Denkanstoß : Jeder Lockdown braucht ein Ostern

In der Fastenzeit gehen Christen in den freiwilligen Lockdown – mit absehbarem Ende. Das ist der große Unterschied zum Corona-Lockdown.

Nach mehr als acht Wochen geht der Lockdown weiter. Bis zum 7. März müssen wir auf jeden Fall die „AHA + A-Regeln“ einhalten. Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und App sind nach wie vor die Gebote, wobei aus der Alltagsmaske schon eine FFP2-Maske geworden ist. Alle Geschäfte, bis auf wenige Ausnahmen, bleiben geschlossen. Was nach dem 7. März geschehen wird, weiß keiner.

Früher gingen Christinnen und Christen ab Aschermittwoch freiwillig in einen Lockdown. Für fast sieben Wochen hieß es, zu verzichten. Nur noch einmal am Tag durfte man sich satt essen. Alkohol und Tabak waren tabu. Die Kinder verzichteten nicht auf Schule, sondern auf Süßigkeiten. In einem großen Einmachglas deponierten sie ihre Bonbons. Zu Ostern durfte der Vorrat vertilgt werden. In den Familien wurde morgens und abends ein Gebet mehr gesprochen. Die Fastenzeit ist bis heute ein Lockdown, obwohl die Fastengebote längst gelockert sind. Dennoch bleibt die Bitte um Verzicht. Die sieben Wochen sind keine Diät zum Schlankwerden, sondern eine Hilfe, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Wer dann mitmacht, freut sich auf Ostern.

Anders als bei den vorgeschriebenen Lockdowns kennt jede Fastenzeit ein vorhersehbares Ende. Auch zum Abschluss des islamischen Fastenmonats steht das Zuckerfest. Wenn Christinnen und Christen jetzt fasten, dürfen sie sich darauf verlassen, dass es in vierzig Tagen vorbei sein wird. Statt einer weiteren Fastenzeit steht für uns Ostern an. Mit lautstarken Liedern besingen wir das neue Leben. Nach sieben Wochen des Verzichts wird der Tisch reich gedeckt. Mit unseren Freundinnen und Freunden werden wir essen, trinken und lachen. Auf Ostern ist Verlass. Dann werden die Einschränkungen vorbei sein.

Die Tradition des Fastens lehrt mich, dass jeder Lockdown ein absehbares Ende haben muss. Wer sich einem Lockdown unterwirft, will wissen, wann er wieder herauskommt. Nur ein ‚Irgendwann‘ reicht nicht. Dem Opa, der seit drei Monaten seine Enkel nicht mehr gesehen hat, muss verbindlich ein Datum genannt werden, an dem er wieder mit ihnen spielen darf. Im Grunde braucht jeder Lockdown ein Ostern.

Albert Damblon ist Seelsorger an St. Benedikt.